Wer will dabei sein? Schäffler-Jahr 2026 weckt das Tanzfieber in Kelheim

Von Beate Weigert · 22. Februar 2025 um 19:00

Die Faschingszeit 2026 wird eine besondere in Kelheim. Dann tanzen wieder die Schäffler. Christian Dirscherl und Georg Lickleder suchen demnächst Mitstreiter. Die müssen vor allem fit für den Tanz-Marathon sein, sonst bleibt für aktive Akteure nur eine andere Aufgabe.

Im kommenden Jahr steht Kelheims 17. Schäffler-Saison an. Weil das Spektakel, das seit 1911 in der Regel alle sieben Jahre die Menschen in und um Kelheim erfreut, viel Arbeit mit sich bringt, sind die Vorbereitungen längst angelaufen, verraten Alt-Oberschäffler Christian Dirscherl und Oberschäffler Georg Lickleder.

2026 um diese Zeit ist schon wieder alles vorbei. Denn der Schäfflertanz fällt traditionell in die Faschingszeit. „Eine Faschingsveranstaltung ist er aber nicht“, darauf legt Lickleder Wert. Es gehe darum, die Tradition zu bewahren, sagt der 41-Jährige. Die Schäffler waren einst eine Handwerkszunft – die Fassmacher.

Seit 1911 haben die Kelheimer die „Lizenz“ zum Tanzen

Zurück geht die uralte Tradition auf das 16. Jahrhundert. Nach überstandener Pest tanzten in München die Schäffler ihren zunfteigenen Reifentanz – und holten so die Menschen zurück auf die Straßen und ins Leben.

1911 erhielt der Kelheimer Turnverein in München die Erlaubnis einen eigenen Schäfflertanz aufzuführen. Bis heute wollen die Akteure des ATSV Kelheim, wie einst die Münchener, den Menschen damit Freude zu bereiten – und gefeiert wird natürlich auch. Jeder Tanztag endet mit einem Auftritt vor einer Wirtschaft. Dort klingt der Schäffler-Tag aus.

Im Laufe der Vorbereitungen und beim Tanzen selbst wachsen Akteure und Helfer zu einer großen Gemeinschaft zusammen, sagt Christian Dirscherl, der schon seit 1984 dabei ist. Zuletzt dreimal als Oberschäffler (2005, 2012 und 2019). Nun übergibt er „in jüngere Hände“.

Georg Lickleder ist genau 20 Jahre jünger als er. Im „echten Leben“ managt der 41-jährige Metzgermeister einen Betrieb im Nachbarlandkreis. Der 61-jährige Alt-Oberschäffler arbeitet als Projektleiter. Seit einiger Zeit sind die beiden mit den Vorbereitungen für das Schäfflerjahr 2026 beschäftigt.

Sie freut’s, dass auf etwa auf Instagram ein erster Post schon große Resonanz unter den Kelheimern auslöste. Seit 2024 laufen in der Stadt und den Ortsteilen auch wieder die Schäffler-Stammtische. „Man trifft sich, freut sich und kommt wieder zusammen“, so Lickleder. „Ja, das Schäffler-Fieber steigt.“ Das spürt Christian Dirscherl auch sonst in der Stadt.

Auftakt wird am 6. Januar 2026 sein

Während die Vorfreude wächst, steht der terminliche Rahmen für das Großereignis 2026: Auftakt wird am 6. Januar sein. Seit 1984 gibt es vor dem ersten Tanz einen Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Musikalisch gestaltet von der Schäffler-Kapelle. D’Spreißler werden sie musikalisch gestalten. Finale der Saison ist an Faschingsdienstag. Der fällt 2026 auf den 16. Februar.

Beim Alt-Oberschäffler und dem Oberschäffler laufen (schon jetzt) die Fäden zusammen. In der neuen Tanzsaison wird insbesondere Georg Lickleder gefragt sein. „Ich bin quasi der Abteilungsleiter, auch wenn es keine Schäffler-Abteilung gibt“, sagt er. Denn die Schäfflergruppe ist abteilungsübergreifend.

Das sind die Voraussetzungen fürs Mittanzen

Interessierte, die 2026 mit dabei sein wollen, sind gesucht. Sie müssen ATSV-Mitglied sein, die Abteilung spielt keine Rolle. Mindestalter ist 16. Der Tradition gemäß sind es Männer, die tanzen. Sie müssen fit sein. Zum einen weil man in der Kreisstadt „die sportlichere Variante“ tanzt, zum anderen weil pro Tag zuletzt bis zu 20 Auftritte anstanden. Im Schnitt an die 16. Pro Tag lege ein Tänzer schon mal einen Marathon zurück, sagt Dirscherl.

24 Tänzer pro Tanztag braucht es. 2019 kamen „fast zwei Mannschaften zustande“. Da blieb Luft, um sich mal abzuwechseln. Musikalisches Gehör und Taktgefühl braucht es obendrein. Einmal wöchentlich wird von Mitte September bis Dezember trainiert. In der Saison finden an sechs Wochenenden Auftritte statt, inklusive Rosenmontag und Faschingsdienstag.

Ohne echte Spaßmacher geht nichts beim Schäfflertanz

Zu den Tänzern braucht es die Kasperl. Sie sorgen rund um die Auftritte für Schabernack bei den Zuschauern. „Sie müssen auf die Leute zugehen können“, so Dirscherl. 2019 waren es acht. Pro Tanztag braucht es mindestens drei Spaßmacher.

Vormerken sollten sich potenzielle künftige Schäffler oder Kasperl den 16. Mai. Dann ist um 19 Uhr im ATSV-Sportrestaurant Interessiertentreffen, sagt Lickleder. Und auch ein Begleitteam braucht es. 2019 kümmerten sich neun Leute, um die Fahrten von A nach B, um Ersatzgerätschaften oder Straßenabsperrungen.

Dirscherl und Lickleder freuen sich auf 2026. Über die Jahre spürten die Schäffler immer mehr Zulauf. Nicht nur bei den Auftritten an sich, auch die Buchungen seien mehr geworden. 2019 waren es 250 Auftritte an 16 Tagen. „Die Kelheimer schätzen und feiern ihre Schäffler.“

Egal, wie das Wetter ist: Bei Sonne, Regen oder eben Schnee – die Schäffler tanzen stets zum Lied „Aber heit is koid“. Auch 2026 spielen bei jedem Auftritt wieder D’Spreißler auf. Foto: Rainer Schneck/Archiv
Rote Jacke, grüne Kappe: Alt-Oberschäffler Christian Dirscherl (li.) und Oberschäffler Georg Lickleder sind schon mit den Vorbereitungen beschäftigt. Foto: Beate Weigert