Der Krones-Chef über China, US-Zölle und die Weltlage: „Europa fehlt es an Entschlossenheit“

Von Christian Eckl · 20. Februar 2025 um 20:03

Die Unternehmensleiter der Krones AG sprechen angesichts erneut erfolgreicher Geschäftszahlen mit der Mediengruppe Bayern über die zerbrechliche Weltlage und die Vorzüge des Standorts im Landkreis Regensburg.

Ist angesichts der Zahlen für 2024 überhaupt noch Luft nach oben?

Christoph Klenk: 2024 ist für uns gut gelaufen. Wir bewegen uns in dem Rahmen, den wir prognostiziert haben. Wir werden auch 2025 weiter wachsen. Das erwartet auch der Kapitalmarkt. Das Wachstum wird nicht ganz so stark ausfallen wie 2024, aber es wird spürbar sein. Wir haben eine Vision, die in Richtung sieben Milliarden Euro Umsatz in 2028 geht – und daran halten wir fest.

Wie entwickelt sich der Getränkemarkt?

Klenk: In Europa wird die Getränkeindustrie von zwei großen Faktoren bestimmt. Zum einen gibt es eine starke Diversifizierung der Produkte. Das bedeutet für uns, dass Kunden in komplexere Produktionslinien investieren, die schnell umrüstbar sind und trotz häufiger Anpassungen einen hohen Output liefern. Zum anderen spielt das Thema Kosten eine entscheidende Rolle. Der Großteil der Getränke wird über Supermärkte verkauft, wo der Preisdruck enorm ist. Deshalb muss die Produktion wirtschaftlich effizient sein, um am Point of Sale noch attraktive Margen zu erzielen.

Und in Übersee?

Klenk: In reifen Märkten wie Nordamerika sehen wir eine ähnliche Entwicklung, dort gab es zuletzt viele Investitionen, insbesondere zur Modernisierung älterer Maschinen. In Regionen mit starkem Bevölkerungswachstum hingegen ist das Bild ein anderes. Dort wächst die Getränkeindustrie schlicht mit der Bevölkerung – jedes Jahr kommen Millionen neue Konsumenten hinzu, die versorgt werden müssen.

Holt der globale Süden auf?

Klenk: Ein erheblicher Teil unseres Geschäfts dreht sich um stilles Wasser, gefolgt von Bier. Grundsätzlich gibt es kein Land mehr, das getränketechnisch nicht erschlossen ist. In Indien zum Beispiel werden Produkte bewusst so designt, dass sie bezahlbar bleiben. Dort wird genau berechnet, wie viel Rupien am Tag verfügbar sind, und die Flaschengröße angepasst.

Wie blicken Sie auf die geopolitischen Entwicklungen?

Klenk: Wir sehen kritisch, was derzeit auf der Welt passiert. Wer die Presse verfolgt und die Lage analysiert, kann sich um Europa durchaus Sorgen machen. Betrachtet man das große Ganze, fällt besonders die Uneinigkeit in vielen Bereichen auf. Es fehlt an einer klaren und entschlossenen Vorgehensweise, die notwendig wäre, um die geopolitischen Herausforderungen zu bewältigen.

Schwächt das Europa?

Klenk: Noch nicht. Aber wenn Europa insgesamt nicht entsprechend darauf reagiert, dann könnte uns das in Zukunft sicher schwächen. Unsere internationale Position, die sich Deutschland und Europa über viele Jahrzehnte aufgebaut haben, könnte sich dadurch verändern.

Wie wird Deutschland als Standort im internationalen Vergleich wahrgenommen?

Klenk: Krones ist historisch ein Neutraublinger, aber auch ein deutschlandweites Unternehmen mit vielen Standorten hierzulande. Gleichzeitig sind wir aber auch ein internationales Unternehmen – fast die Hälfte unserer Mitarbeitenden arbeitet im Ausland. Trotz aller Herausforderungen bietet Deutschland nach wie vor bedeutende Vorteile. Erstens haben wir hier eine hohe Kompetenz am Standort, insbesondere für unsere Kernprodukte. Zweitens ist die Ausbildung – sowohl beruflich als auch universitär – auf einem sehr hohen Niveau. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, aus Deutschland in viele Länder zu liefern – dank Visa-Freiheit, stabiler Zollrahmenbedingungen und Doppelbesteuerungsabkommen.

Beklagt werden oft die hohen Energiekosten. Zu Recht?

Klenk: Beim Thema Energie muss definitiv etwas passieren, insbesondere für die energieintensiven Industrien. Wenn hier nicht schnell gehandelt wird, dann werden diese Industrien abwandern – und sie kommen auch nicht wieder. Das sieht man ganz klar, wenn man mit Vertretern aus der Chemieindustrie spricht.

Und die Lohnkosten?

Klenk: Kurzfristig sehe ich da keine realistische Möglichkeit. Wir müssen die Inflation berücksichtigen und auch, dass unsere Mitarbeitenden ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.

Sind mögliche Strafzölle aus den USA, die im Raum stehen, eine Bedrohung für Krones?

Klenk: Falls Zölle jenseits der 25 Prozent kommen, wäre das kritisch für uns, da wir einen erheblichen Teil unserer Produkte für den amerikanischen Markt hier in Deutschland produzieren. Aber wir beschäftigen mittlerweile rund 1600 Mitarbeitende in den USA und haben Produktbereiche, die ausschließlich dort für den amerikanischen Markt hergestellt werden. Wir haben früh reagiert und erweitern unsere Produktionskapazitäten in den USA. Ein weiterer Vorteil: Es gibt keinen maßgeblichen Konkurrenten, der in unserem Umfang in Nordamerika liefern kann.

Könnte der Handelskrieg zwischen den USA und China Ihrem Unternehmen möglicherweise sogar nützen?

Klenk: Nein, das glaube ich tatsächlich nicht. Der Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen ist und bleibt eine große Herausforderung – und das schon seit 20 bis 25 Jahren. Aktuell sehen wir, dass chinesische Hersteller vom Staat unterstützt werden und gezielt ins Ausland drängen. Sollte sich die Zollproblematik verschärfen und die USA höhere Zölle auf chinesische Produkte erheben, dann ist davon auszugehen, dass chinesische Wettbewerber noch stärker in den europäischen und asiatischen Markt drängen. Das bedeutet für uns eine zunehmende Konkurrenzsituation, besonders in diesen Regionen.

Wie kann sich Krones gegen die wachsende Konkurrenz aus China behaupten?

Klenk: Es gibt kein Patentrezept, aber es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Erstens müssen wir in China zu den gleichen Kosten produzieren können wie unsere chinesischen Wettbewerber. Deshalb investieren wir massiv in unser Werk dort und lokalisieren Produkte, um vor Ort wettbewerbsfähig zu sein – sowohl in Bezug auf die Lohnkosten als auch auf die Marktanforderungen. Bisher gelingt uns das gut – wir sind in China nach wie vor die Nummer eins. Zweitens setzen wir stark auf Service und Innovation. Unser Fokus liegt auf Maschinen mit höherem Automatisierungsgrad, die es unseren Kunden ermöglichen, nachhaltig und wirtschaftlicher zu produzieren. Ohne Innovationen, sowohl in den Produkten als auch im Service, könnten wir im weltweiten Wettbewerb nicht bestehen. Entscheidend sind also zwei Säulen: Kostenkontrolle auf der einen Seite und technologische Weiterentwicklung auf der anderen.

In Sachen KI hat man den Eindruck, die USA erfinden, China kopiert – und die EU reguliert. Sehen Sie das so?

Klenk: Wir investieren zwar viel Geld in KI, aber der tatsächliche Nutzen bleibt bislang hinter den Investitionen zurück. Es gibt bereits Mehrwerte, aber sie sind noch begrenzt. Langfristig erwarten wir durch KI echte Innovationssprünge. Auf der kommenden drinktec, unserer Leitmesse, werden wir weitere Entwicklungen in Sachen KI, vor allem in den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung präsentieren. Dazu gehören auch autonomere Produktionslinien. Aber diese Technologien sind mit großem Entwicklungsaufwand verbunden und aktuell nur für eine begrenzte Kundengruppe relevant. Richtig ist, dass wir Produkte entwickeln wollen, die auf der ganzen Welt einsetzbar sind. Die Regularien sind unterschiedlich, das stellt uns vor Herausforderungen.

Sie investieren in den Standort Neutraubling. Wieso?

Uta Anders: Wir haben nicht nur unsere Belegschaft hier erweitert, sondern investieren auch in Produktionsanlagen – allein 2025 sind es rund 100 Millionen Euro. Gleichzeitig profitieren wir von der engen Zusammenarbeit mit Hochschulen wie der OTH Regensburg. Regensburg ist eine unglaublich lebenswerte Stadt mit hoher Lebensqualität. Die Nähe zur Natur, zu den Alpen und zu den angrenzenden Ländern macht die Region besonders attraktiv.