An der Prinz-Leopold-Kaserne: Eine ganze Epoche, aufgehoben in Fotokunst

Maria Maier setzt sich mit der Prinz-Leopold-Kaserne (PLK) auseinander – und mit einer verschwundenen Zeit. Rückenwind kommt aus Bayerns Heimat-Ministerium.
Maria Maier interessiert sich für die Beziehung von Zeit und Architektur, immer schon, seit ihrem Projekt „Stadtzeit – Zeitstadt“, das 1995 Regensburgs Strukturen auf den Grund ging. Bis heute hängen die farbigen Tafeln an Park-Eingängen und an den Fassaden von Kirchen und Häusern. Nun setzt sich die Künstlerin mit der Prinz-Leopold-Kaserne (PLK) auseinander – und mit einer ganzen Epoche.
Die Prinz-Leopold-Kaserne wurde 1930 für die Wehrmacht errichtet, nach 1945 von der US-Army genutzt und später, bis 2008, von der Bundeswehr. Auf dem Gelände entsteht nun ein Wohnquartier.
2021, einige Monate vor Beginn des Abbruchs, begann Maria Maier, auf dem Areal zu fotografieren. „Ich war völlig platt. Was ich fand, war viel größer, als ich dachte, eine kleine Stadt geradezu.“ Das bestimmende Gefühl, das sie bei den Recherchen begleitete: „Da verschwindet etwas, von dem die wenigsten Bürger wussten, dass es überhaupt existiert.“
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Maria Maier nahm im Sommer 2021 an die 1700 Bilder auf: offene hellgrüne Spindtüren in Reih und Glied, gewaltige, hüfthohe, am Boden verankerte Kochbottiche, Küchenschränke, hübsch mit Stoff ausgelegt, rot-blau-grüne Gardinen in verlassenen Fluren, das Parkett im Offiziersbereich, anderswo Linoleum. „Die Hierarchien waren selbst in leeren Räumen noch ablesbar“, sagt Maier.
Ihre Bilder fangen das Spiel von Licht und Schatten ein und wirken wie Grafiken. Keine Dokumentation ist entstanden, sondern poetisch-abstrakte künstlerische Zeugnisse. Überall entdeckte Maier sprechende Details, neuen Kontext und faszinierende, auch witzige Parallelen. Der Auslauf eines schönen alten hölzernen Treppengeländers, der sich wie ein Handschmeichler wölbt, und der Stiefelkratzer in Form eines stilisierten Dackels, vor einem Eingang an der Fassade montiert, scheinen auf den Bildern wie Geschwister.
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Maria Maier fotografierte weiter, als der Abriss begann: Berge an Leitungen, Container voller alter Fenster, ein paar Lagerhallen, die noch stehen, und den Glaskubus, der für die freie Szene erhalten bleiben soll. Eine kleine Auswahl aus dem großen Reservoir an Fotografien wird nun das Material für Collagen, für Werke auf Dibond in unterschiedlichen Größen und vielleicht unter Acrylglas.
Maria Maier hat schon Ideen für Ausstellungen im Kopf. Man könnte die Arbeiten zum Beispiel in einem Militärbus auf dem Kassiansplatz, früher Exerzierplatz, zeigen. Rückenwind kommt jetzt aus Bayerns Finanzministerium und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. „PLK Ade!“ erhält als eines von sieben innovativen Projekten 2000 Euro aus dem Topf „Heimat.Engagiert!“. In der Begründung heißt es: „Kenntnis über die Vergangenheit ermöglicht Verständnis für Gegenwart und damit auch sinnhafte und aktive Gestaltung der Zukunft.“