Neues Sanierungsgebiet als Ziel: Chams Stadtteil Stadellohe soll schöner werden

Von Isolde Kerschbaumer-Klonowski · 20. Februar 2025 um 05:00

Am Ende soll die Stadellohe schöner sein. Zumindest das Ziel, das Bürgermeister Martin Stoiber am Dienstagabend im Langhaussaal zum Abschied der etwa 50 Einwohner des Ortsteils ausgab, steht fest. Der Weg dorthin blieb da noch im Dunkeln – doch eines ist sicher: Er ist mit viel Lärm und Schmutz verbunden.

Das Thema der Bürgerversammlung, zu der die Stadt geladen hatte, zeigte die Unklarheit bereits auf: Es ging um die „vorbereitenden Untersuchungen zum Sanierungsgebiet“ Stadellohe. Also folgen die eigentliche Untersuchungen noch, die dem Ortsteil am Regen vor der Fleischtorbrücke auf den Grund gehen sollen.

Franz Ullrich vom Büro Plan&Werk aus Bamberg war angereist, um den Zuhörern einen ersten Überblick zu geben, was im Ortsteil zu finden ist und was bei einem Sanierungsgebiet im Vordergrund stehen wird.

Bürgermeister Martin Stoiber begrüßte zunächst die Besucher und erläuterte die Vorteile für die Stadt und ihre Bewohner, wenn ein Bereich als Sanierungsgebiet ausgewiesen und von der Regierung anerkannt wird. Über diesen Weg sei es möglich, Städtefördermittel von 60 Prozent je Maßnahme zu erhalten, wenn dort etwas von der Stadt verbessert werden soll. Mehrere solcher Sanierungsgebiete, wie etwa die Altstadt selbst oder auch den innerörtlichen Bereich von Chammünster, habe die Kreisstadt bereits.

Flutbrücke wird abgerissen

Wer als Anwohner in solch einem Gebiet sein Eigentum sanieren wolle, könne dann Zuschüsse und steuerliche Vorteile bekommen, so Stoiber. Er sprach die aktuelle Lage des Ortsteils an, der vor einigen Veränderungen stehe. Zum einen werde die Flutbrücke abgerissen und neu gebaut. Dafür beginne im März der bau der Umgehungsstraße, die Bäume wie der Radpavillon seien dafür bereits entfernt worden. Die Umgehung an dieser Stelle müsse funktionieren, sagte der Bürgermeister, denn täglich würden hier 24 000 Fahrzeuge die Örtlichkeit passieren.

Lesenswert zum Thema: Cham will handlungsfähig bleiben und beschließt eine weitere Millionensanierung

Danach werde die Flutbrücke abgerissen und bis Ende 2026 erneuert. Im Anschluss könne ab 2027/28 im besten Fall der dort geplante Hochwasserschutz gebaut werden. Er habe die Zusage vom Wasserwirtschaftsamt, dass hier fertig geplant werde und das Geld für den Bau auch bereitstehe. Der Hochwasserschutz sei so weit fortgeschritten, dass im April/Mai die Pläne dafür vorgestellt werden sollen. Über ein EU-Programm zum Hochwasserschutz würden 65 Prozent der Kosten von EU und Bayern getragen, 35 Prozent blieben bei der Stadt.

Bagger bleiben lange

Das bedeute, dass hier über eine lange Zeit die Bagger nicht wegfahren würden, sagte Stoiber und erläuterte, was dort investiert werde. Allein die Brückenerneuerung koste 6,5 Millionen Euro, der Hochwasserschutz liege aktuell bei etwa 14 Millionen Euro, die da verbaut würden. Stoiber kündigte auch eine Erweiterung der Quadfeldmühle an – die Stadt habe hier Flächen erwerben könne, die den Ausbau möglich machen.

„Es geht nicht nur um städtebauliche Dinge bei der Einordnung als Sanierungsgebiet“, sagte Franz Ullrich bei seiner Präsentation. Doch gehe es auch um die Feststellung von Missständen wie etwa leere oder kaputte Gebäude und In-frastruktur in dem 13 Hektar großen Gebiet. „Später, wenn der Bereich als Sanierungsgebiet anerkannt ist, kann man Sanierungen von bestehenden Immobilien über zwölf Jahre steuerlich geltend machen“, so Ullrich. Und er betonte dazu: „Es gibt jedoch keinerlei Zwänge für die Anwohner und auch keine Sanierungspflicht!“

Ullrich beschrieb die Altersstruktur des Ortsteils, die sich genauso abbilde wie die der gesamten Stadt. Vor allem die älteren Bevölkerungsteile mit 50 Jahren und mehr würden wachsen. Die Gesellschaft in ganz Deutschland werde älter – daher würden Themen wie Barrierefreiheit im öffentlichen Raum immer wichtiger.

Die Anwohner wünschten sich bei ihren Wortmeldungen vor allem bessere Straßen, mehr Gehwege und eine Verkehrsberuhigung im Viertel. Nachgefragt wurde auch nach einer Fernwärmeverbindung und einem Kiosk im Freizeitgelände. Das könne klappen, wenn etwa eine Minigolfanlage dazu komme, so Stoiber. Stadellohe unter der LupeBevölkerung: In dem Mischgebiet Stadellohe aus Gewerbe, Wohnen und Freizeit, das voruntersucht wurde, leben aktuell 138 Einwohner an 37 Wohnadressen. Davon sind 26 unter 21 Jahre alt, was etwa 19 Prozent der Einwohner des Stadtteils entspricht. 57 Bewohner sind von 21 bis 50 Jahren alt – das sind 41 Prozent an der Gesamteinwohnerzahl. 55 sind derzeit 50 Jahre oder älter, was einem Anteil von 40 Prozent entspricht.

Karte: Die Karte, die Ullrich an die Wand warf, zeigte den schwarz umrandeten Untersuchungsbereich für das künftige Sanierungsgebiet. Es umfasst sowohl die Gewerbebereiche in der Stadellohe (bis auf das Unternehmen Schierer) wie auch die Wohngebäude, die Großparkplätze und auch die Quadfeldmühle.

Farbe: Die farblichen Unterscheidungen zeigen Gebäude mit Gewerbe (dunkelgrau), Wohn- wie Mischgebäude in Hellgrau und Gelb und ältere Gebäude, die städtebaulich wichtig sind und saniert werden sollten (rot).Es gebe fünf Leerstände im Viertel, so Ullrich. In zehn Gebäuden lebten nur Personen im Alter über 50 Jahren.

Raum: Das Stadtviertel sei geprägt und gestaltet durchs Wasser – Hochwasser ebenso wie den früheren Altarm des Regens, der bis hierher führte (woher auch der Name stammt).

Themen: Handlungsfelder seien Stadtstruktur und Wohnen, Grün- und Freiflächen, Handel, Dienstleistungen, Gewerbe sowie Wegeverbindungen und auch Klimaschutz, da Versiegelungen wie dort bei den Parkflächen problematisch seien. „Regen sollte heute versickern“, so Ullrich. Die Quadfeldmühle habe überörtliche Bedeutung. Das Ortsbild solle verbessert werden, Radwege sollen dazukommen.

Franz Ullrich erläuterte die Grundlagen der Voruntersuchung.