Pläne für Sanierungsgebiet: So sollen Stadt-Osten samt Schulberg zukunftsfähig werden

Von Mittelbayerische Zeitung · 17. Oktober 2024 um 05:00

Die Stadt Cham plant, nun – nach dem Areal ums Kloster und der Altstadt – auch das Gebiet zwischen Bahnhof und Badstraße als Sanierungsgebiet auszuweisen und damit einmal diese Fläche insgesamt attraktiver zu gestalten, zum anderen für Sanierungsmaßnahmen finanzielle oder steuerliche Förderungen zu ermöglichen, gerade auch für Privatinvestoren.

Am Dienstagabend stellte der Stadtplaner und Architekt Diplom-Ingenieur Franz Ullrich vom Bamberger Büro plan & werk seine Ideen für dieses 30 Hektar große Areal wenigen, aber interessierten Bürgern im Langhaussaal des Rathauses vor.

Kernlinie des gesamten Gebietes soll ein „Band der guten Möglichkeiten“ sein, das im Prinzip schon besteht, aber als Verbindungsband der anliegenden Stadtbereiche durch gestalterische, modernisierende, aber auch bauliche Maßnahmen hervorgehoben und attraktiver gestaltet werden soll. Damit soll die östliche Stadt mitsamt dem Schulberg zukunftsfähig gemacht werden und die Aufenthaltsqualität in der Stadt erhöhen, wie Bürgermeister Martin Stoiber die Intention der Maßnahme erklärte.

Franz Ullrich erwähnte gleich eingangs, dass das von seinem Büro untersuchte Gebiet, das im Kern den Schulberg umfasst und in seinen Ausläufern bis zum Gebiet des Kanuclubs am Ende der Badstraße sowie ans Ende der Altenstadter Straße und auf der anderen Seite bis zum Bahnhof reicht, schon mit einer breiten Fülle an ganz verschiedenen Nutzungsangeboten für die Bürger versehen ist.

Missstände beseitigen

Da gibt es neben Wohnen, Gewerbe und Handel die vielen Schulen, das Stadion mit der Stadthalle daneben, medizinische Einrichtungen, die Chamer Feuerwache, soziale Einrichtungen, Vereine, Jugendclub, Park usw. Doch teilweise seien diese Angebote vereinzelt gelegen, nicht sichtbar, unattraktiv gestaltet oder lägen wie in der Badstraße in einer Sackgasse, die nur über einen Zugang erreichbar ist.

Um durch die Regierung der Oberpfalz als Sanierungsgebiet ausgewiesen zu werden, müssten die vorhandenen Missstände des Areals, die durch eine Sanierung beseitigt oder zumindest gemildert werden sollen, aufgelistet werden, erklärte Ullrich. Und so marschierte er bildhaft vom Bahnhof aus über dieses mit gelben Strichen auf dem Plan symbolisch eingezeichnete „Band der guten Möglichkeiten“ durch den Stadtpark am Seniorenheim und am Friedhof vorbei hinauf auf den Schulberg, weiter ging’s über den Parkplatz gegenüber dem Arbeitsamt über schmale Wege hinunter zum städtischen Stadion und an der Stadthalle, hinter der kaum bekannte freie Flächen seien, entlang zur Badstraße bzw. zur Altenstadter Straße, die durch die Bahnlinie voneinander getrennt sind.

Mit Fotos zeigte Ullrich auf, was optisch, funktional oder auch barrieremäßig nicht optimal sei. Leerstände gebe es hier relativ wenig, aber viele Gebäude hätten Sanierungsbedarf, es gebe große brachliegende Flächen, Barrieren gebe es zahlreiche, der öffentliche Raum sei insgesamt in einem schlechten Zustand.

Leitsätze für das Konzept seien: Stärkung und Entwicklung des Sport- und Kulturzentrums am Stadion durch Integration ins Wegenetz, Ergänzung der Mantelbebauung und Verbindung mit der Stadthalle. Weiter eine Qualifizierung „Band der guten Angebote“ zwischen Bahnhof, Schulberg, Stadion, Stadthalle, Festplatz und Campus als alternative Ost-West-Verbindung; Beseitigung von örtlichen Konflikten und Barrieren“, etwa zwischen Wohnen und Gewerbe oder Verkehr.

So sei angedacht, die Sackgasse Badstraße durch einen Fußgänger-/Radfahrer-Tunnel unter der Bahnlinie mit der Altenstadter Straße zu verbinden und so etwa auch eine Erweiterung des Campus dorthin zu ermöglichen.

In dem Zusammenhang wurde von einem Bürger der schon öfter vorgeschlagene Bahnhaltepunkt beim Campus für die Berufsschüler sowie die Studenten angesprochen. Der Bürgermeister erzählte, dass er den wie auch den Tunnel bei einem langen Gespräch mit der Bahn angesprochen habe. Für beides bestünden Möglichkeiten, aber noch nichts Konkretes. Aber man solle jetzt schon Pläne machen, damit man was zur Hand hat, wenn eine Umsetzung doch mal möglich sein wird.

Ullrich verwies auf Umwälzungen in einigen Bereichen, die schon im Gange seien, etwa im westlichen Teil des Gebietes, wo das Gewerbe Dienstleistungsbetrieben oder medizinischen Einrichtungen weiche, oder in der Badstraße, in der ein Nutzungswechsel vor sich gehe. Wenn man dann noch die bisher ungenutzten Zwischenräume fülle, etwa mit Cafés, Ruhezonen, Treffpunkten, Pflanzungen, und das attraktive Regenufer mit einbeziehe, dann gewinne dieser Stadtbereich sehr an Qualität.

Dazu müssten die derzeit oft unansehnlichen Gebäude aber auch entsprechend neu gestaltet und eventuell zueinander abgestimmt werden, um ein harmonisches Bild zu ergeben. Dann könne das Gebiet ein anziehendes Dienstleistungs- und Bildungsareal werden. Wenn man das anvisierte „Band der guten Möglichkeiten“ verwirkliche und dann über die Badstraße und Brunnendorf zurück in die Altstadt führe, dann schließe sich der Kreis hin zum Ausgangspunkt Bahnhof.

Stoiber verwies darauf, dass die Stadt in diesem Gebiet nur wenige Grundstücke besitze, die meisten seien in Privatbesitz. Falls das Areal als Sanierungsgebiet ausgewiesen wird, was Anfang nächsten Jahres stattfinden solle, und ein Anlieger Sanierungsvorhaben plant, solle er sich an Stadtbaumeister Franz Pamler wenden, der zu Fördermaßnahmen beraten könne. Stoiber machte aber auch deutlich, dass nicht jedes Vorhaben gefördert werde.

Stadtrat Günther Lommer bemerkte, dass das gelbe Band eher was für Fußgänger sei, wenn man vom Bahnhof aber in die Badstraße wolle, fahre man eher mit dem Auto dorthin. Ullrich erwiderte, dass sich dieses Band an bestehenden Wegen orientiere. Man dürfe es nicht als geplanten Neubau sehen, es solle nur die geplante Beziehungsachse symbolisieren. Und an dieser Trasse seien ja die Angebote oder sollen dort entstehen, die für die Bürger, die auf dem Weg auch in Teilabschnitten unterwegs sind, attraktiv sind.

Die schwierigste Aufgabe sei die Verbindung der Badstraße mit der Altenstadter Straße. Der angedachte Tunnel wäre noch sinnvoller, wenn am Ende der Altenstadter Straße ein Parkhaus für Berufsschüler und Studenten entstünde.

Das rief den Widerspruch von Stadträtin Claudia Zimmermann hervor, die eine Diskrepanz zwischen der Förderung des Fußgänger- und Radverkehrs und einer Steigerung der Attraktivität des Autoverkehrs entdeckte. Ullrich betonte, er wolle nur den Parkdruck bei der Berufsschule am Ende dieser Sackgasse beenden. Insgesamt sollen aber die Wege für Fußgänger und Radfahrer ertüchtigt werden und möglichst auch der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden.

Pläne auch für Stadellohe

Abschließend bemerkte der Bürgermeister, dass 2025 auch die Stadellohe als Sanierungsgebiet überplant werden soll. „Wir versuchen derzeit alles, um die Aufenthaltsqualität der Stadt zu erhöhen, damit sie im Wettbewerb mit anderen Kommunen gut dasteht.“ Auch wenn die wirtschaftlichen Aussichten unsicher sind, die Stadt stehe noch gut da und plane deshalb in die Zukunft, zumal es für Sanierungsprojekte bis zu 60 Prozent Förderung gebe. „So können wir uns trotzdem weiterentwickeln.“ Es lohne sich, etwa Leerstände als Wohnungen oder Studentenzimmer umzubauen.

Am Mittwoch, 23. Oktober, gibt es um 19 Uhr eine Bürgerversammlung im Langhaussaal zum Thema Flutbrücke, Sechs-Millionen-Projekt.

Das „Band der guten Möglichkeiten“ soll die grundsätzliche Attraktivität der anliegenden Stadtgebiete aufzeigen und durch Sanierungsmaßnahmen noch erhöht werden. Fotos: Holder Hierl