Vom Pferdemädchen zur Kampfsportlerin: Emily Götz (17) fliegt zur Karate-WM

Vom Pferdemädchen zur Kampfsportlerin: Emily Götz aus Chammünster hat vor drei Jahren ihre Leidenschaft für die Kampfkunst entdeckt. Jetzt ist sie zur Karate-WM zugelassen. Schon in wenigen Tagen startet ihre Reise nach Rhodos. Die 17-Jährige spricht darüber, wieso sie dem Sport so verfallen ist und was ihre größte Herausforderung bei der Weltmeisterschaft sein wird.
Diejenige, die heute mit geballten Fäusten und Kampfschrei auf der Matte steht, war früher ein „Pferdemädchen“. So beschreibt sich Emily Götz selbst, wenn sie an die Zeit denkt, bevor sie Karate praktizierte. „Ich wollte schon immer Kampfsport machen“, erinnert sich Emily, die in der Nähe von München aufgewachsen ist.
Sport half ihr in schwerer Zeit
Mit dem Tod ihres Pferdes und einem Umzug habe die 17-Jährige eine Zeit durchlebt, in der es ihr nicht so gut ging, erzählt sie. Im Landkreis Cham angekommen, habe sich die heutige Chammünsterin erstmals an der Kampfkunst probiert – und kann seitdem nicht mehr ohne.
Im November 2021 hatte sie ihr erstes Probetraining bei der Kampfkunstschule Geiger mit Sitz in Viechtach. „Der Sport hatte zu der Zeit eine rettende Rolle“, so die 17-Jährige.
Anfangs hat sie als Schülerin am Training teilgenommen. Später trainierte sie für sich alleine. „Das war mir irgendwann zu langweilig“, sagt Götz. Deshalb hat sie nach einiger Zeit beim Anleiten in den Schülergruppen mitgeholfen und „festgestellt, dass ich echt viel Zeit auf der Matte verbringe. Freitags stand ich teilweise vier Stunden auf der Matte“, sagt Götz, die mittlerweile den braun-violetten Gürtel hat. Daraufhin sei sie fest als Trainerin für Schüler in ihrer Altersklasse eingestellt worden.
„Der Sport hat relativ schnell mein ganzes Leben eingenommen. Ich wollte immer mehr machen und habe was gebraucht, wo ich meine Energie hinkanalisieren kann, weil ich zu viel davon habe“, sagt Emily und lacht.
„Krass, dass es jetzt zur WM geht“
Ihren ersten Wettkampf bestritt sie im September vergangenen Jahres. Es war die Deutsche Meisterschaft, bei der sie gleich den zweiten und dritten Platz belegte. „Ich bin da ohne Erwartungshaltung reingegangen und war voll zufrieden mit meiner Leistung“, sagt Götz.
Bei der Deutschen Meisterschaft im Sommer diesen Jahres sicherte sie sich in den Kategorien „Traditional“ und „Hardstyle“ je den ersten Platz und fuhr schließlich mit der Qualifizierung für die Weltmeisterschaft in ihrer Altersklasse nach Hause. „Ich habe mir gedacht: Krass, dass es jetzt zur WM geht“, sagt Götz, die fünf- bis sechsmal die Woche trainiert.
An zwei bis drei Tagen wöchentlich geht sie nach eigener Aussage ins Fitnessstudio, um Kraft und Ausdauer zu verbessern. Zudem übt sie die Abläufe („Kata-Training“) auf der Matte. Am Wochenende fokussieren sich Emily und ihr Trainer Jonas Holzer (22) aus Voggendorf, der ebenfalls bei der WM in Rhodos antritt, auf Emilys Technik. Zudem ist die 17-Jährige, die die Q12 auf dem Benedikt-Stattler-Gymnasium in Bad Kötzting besucht, selbst noch dreimal die Woche drei bis vier Stunden als Trainerin tätig.
Den Kopf ausschalten
Im Karate sind nicht nur Kraft und Ausdauer entscheidend, sondern auch mentale Stärke und Disziplin. Ausreichend Schlaf, die richtige Ernährung und auch mal Pausen sind wichtig, um fit zu bleiben und Erfolge zu erzielen. Das Gesamtpaket mache Emily Spaß. „Deswegen bin ich dem Sport so verfallen. Er hat mittlerweile einen hohen Stellenwert in meinem Leben.“
Für Emily wird die größte Herausforderung bei der WM sein, den Kopf auszuschalten und „nicht so viel zu denken. Den richtigen state of mind genau an diesem Tag zu treffen“, sagt sie.
Es könne zum Problem werden, wenn die Kampfkunstsportlerin nicht bei der Sache ist oder wenn „man im Kopf hat, dass man aufpassen muss. Wenn etwas nicht gepasst hat, darfst du nicht daran denken, sondern musst einfach weitermachen“, so Trainer Jonas Holzer. Die Chancen auf einen Sieg hängen laut Holzer sehr stark von der Tagesform ab. „Aber wir sind gut vorbereitet und können mit einem guten Gefühl nach Rhodos fliegen“, ergänzt er.
„Du musst im Hier und Jetzt sein. Wenn man nicht bei sich und seinem Körper ist, passieren Fehler“, sagt Emily Götz, für die Dabeisein nicht alles ist. „Der Titel ,Vize-Meisterin’ wäre schon ganz schön cool. Der WM-Titel wäre noch geiler“, sagt sie. Ihr Ziel sei es, 100 Prozent zu geben. „Mir ist egal, wie die Konkurrentinnen abliefern. Ich will am Ende dastehen und wissen: Das sind meine 100 Prozent, die ich geben konnte. Es ist das ,You vs. You-Ding’. Ich will mir selbst was beweisen“, sagt Emily, die dankbar ist für die Unterstützung ihres Trainers Jonas und für diejenigen „die das Potenzial in mir gesehen haben, denn sonst wäre ich nicht hier“.
Sponsoren gesucht
Weltmeisterschaft: Am Sonntag, 20. Oktober, geht es los. An diesem Tag wird Emily in Rhodos ankommen. Ab Dienstag finden die Wettkämpfe statt. Am Samstag, 26. Oktober, geht es zurück nach Deutschland.
Sponsoren: Emily würde sich über finanzielle Unterstützung freuen. Interessierte können sich per E-Mail an emily-goetz@web.de melden. Die Kampfkunstschule Geiger stellt Spendenquittungen aus.
