Nach Anschlag in München: Regensburger Verdi-Chef verurteilt Hetze und lobt Polizei

Eine Woche ist seit dem Anschlag in München vergangen, als ein junger Afghane mit einem Auto in einen Protestzug der Gewerkschaft Verdi fuhr. Einer Frau und ihrer zweijährige Tochter kostete die Tat das Leben. Zur selben Zeit waren auch in Regensburg rund 800 Verdi-Mitglieder auf der Straße.
„Wir sind tief betroffen“, sagt Alexander Gröbner, Geschäftsführer Verdi Oberpfalz, der selbst beim Protestzug und der Demonstration am Haidplatz vor Ort war. „Das macht was mit einem, wenn zeitgleich an einem anderen Ort so etwas passiert.“
Am Gewerkschaftshaus hat am Sonntag eine Gedenk- und Solidaritätsveranstaltung für die Betroffenen des Anschlags stattgefunden.
Das Mitgefühl mit den Opfern steht allerdings nicht bei allen im Vordergrund, wie Gröbner berichtet: „Es ist bedrückend, dass uns nicht nur Beileidsbekundungen erreichen, sondern auch Nachrichten, die schon erstaunen.“ Dass die Gewerkschaft offensiv für Toleranz und Vielfalt werbe, komme nicht bei allen politischen Strömungen gut an und werde ihr nun entsprechend vorgehalten. Auch das sei für Gewerkschaftsmitglieder nicht einfach zu verkraften.
Rico Irmischer, erster Bevollmächtigter der Schwesterngewerkschaft IG Metall, pflichtet dem in aller Deutlichkeit bei: „Die Versuche, den mutmaßlichen Anschlag für die eigene politische Agenda und für den Wahlkampf zu nutzen, verurteilen wir scharf! Mit aller Klarheit: Es ist einfach widerlich, das Leid der Opfer, Betroffenen und Hinterbliebenen für den eigenen Vorteil zu nutzen.“
Angriff auf Ausländer ist Angriff auf Gewerkschaft
Aber: „Die Solidarität innerhalb der DGB-Familie steht“, sagt Gröbner. „Dass wir das Geschehene verurteilen, steht außer Frage. Aber wenn einer durchknallt und so etwas tut, hat das mit den anderen gar nichts zu tun“, bezieht er klar Stellung zu diskriminierender Instrumentalisierung des Herkunftslandes des Amokfahrers durch politische Akteure. Jeder Angriff auf Ausländer stelle zugleich einen Angriff auf die Gewerkschaften dar. „Das bestärkt uns in unserer Haltung für Toleranz und Weltoffenheit.“ Auch die Familie der beiden Todesopfer der Amok-Fahrt veröffentlichten ein Statement, in dem sie fremdenfeindliche Instrumentalisierung der Tat verurteilten und sich für Solidarität und Gleichheit im Sinne der Verstorbenen aussprechen. Das greift auch Irmischer auf: „Wir Gewerkschafterstehen zusammen, enger denn je – im Gedenken an Amel und Hafsa, aber auch um uns gegenseitig Halt, Stärke und Energie zu spenden.“
Keine Einschüchterung spürbar
Einen Rückzug der Gewerkschaftsmitglieder von den Straßen erwartet Gröbner nicht. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Leute eingeschüchtert sind.“ Es überwiege das Mitgefühl mit den betroffenen Kollegen in München.
Für die Polizei hat Gröbner nach dem jüngsten Protestzug durch Regensburg vor einer Woche nur Lob über: „Die Zusammenarbeit war ausgesprochen professionell und zielführend. Das Sicherheitsgefühl der Teilnehmer war von Anfang bis Ende ungebrochen.“ Schon jetzt stimme die Gewerkschaft sämtliche Streikkundgebungen und Demonstrationen mit Ordnungsbehörden und Polizei ab, um möglichst hohe Sicherheit für alle Personen vor Ort zu gewähren, schildert Gröbner. „Die Erfahrungen aus München haben hierbei unbestritten Einfluss auf unsere weiteren Sicherheitskonzepte.“
