Familie der Anschlagsopfer von München veröffentlicht emotionale Botschaft

Von Passauer Neue Presse · 16. Februar 2025 um 05:12

Eine 37-Jährige und ihre zweijährige Tochter sind tot. Zwei Tage nach dem Anschlag in München sind sie an ihren schweren Verletzungen gestorben. Die Familie der Getöteten bat die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Samstagnachmittag zum Gespräch – und veröffentlichte eine emotionale Botschaft.

Mutter und Tochter waren am Donnerstag bei dem Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi gewesen, in den ein 24-jähriger Afghane mit seinem Auto gefahren war. Mindestens 39 Menschen wurden verletzt, darunter auch die Mutter und ihr Kind. Das Mädchen saß im Kinderwagen.

In dem Statement, das der Mann und Vater mit Angehörigen im Namen von Familie und Freunden vorbereitet hatte, bedanken sie sich für die Anteilnahme und Solidarität: „Wir bedanken uns bei den Hilfskräften, bei den Pflegekräften, Ärztinnen für die gute Unterstützung, Begleitung und für den emotionalen Beistand“, heißt es im Online-Artikel der SZ. Auch die Vornamen der Getöteten nennt die Familie: Mutter Amel und Tochter Hafsa.

Tod nicht nutzen „um Hass zu schüren“

Die 37-Jährige, geboren in Algerien, war mit vier Jahren nach Deutschland gekommen. Sie studierte Umweltschutz und arbeitete seit 2017 als Ingenieurin bei der Stadt München – zuletzt als Sachgebietsleiterin bei der Münchner Stadtentwässerung. Der Familie ist es wichtig, heißt es bei der SZ, dass der Tod von Mutter und Tochter nicht genutzt werde, „um Hass zu schüren“. Er dürfe nicht politisch instrumentalisiert werden.

Weiter zitiert die SZ das Statement: „Amel war ein Mensch, der sich für Gerechtigkeit eingesetzt hat. War aktiv für Solidarität, Gleichheit und setzte sich für Arbeitnehmer*innenrechte ein und gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung. Ihr war es sehr wichtig, ihrer Tochter diese Werte mitzugeben.“

Fahrer sitzt inzwischen in Untersuchungshaft

Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Tat einen islamistischen Hintergrund hat. Der Fahrer sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Als Anhaltspunkt für die islamistische Motivation hatte die Leitende Oberstaatsanwältin der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) der Generalstaatsanwaltschaft München, Gabriele Tilmann, am Freitag unter anderem die Aussage von Polizisten genannt, der Fahrer habe nach der Tat „Allahu Akbar“ gerufen.

Der 24-Jährige habe in einer Vernehmung auch eingeräumt, den Wagen absichtlich in das Ende des Verdi-Demonstrationszugs gesteuert zu haben. Die Aussagen deuteten auf eine religiöse Motivation hin, sagte Tilmann am Freitag. Details zu den Äußerungen während der Vernehmung wollte sie nicht nennen.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Die Ermittlungen stünden zwar noch am Anfang, betonte Tilmann. Sie traue sich aber, nach derzeitigem Stand von der Annahme eines islamistischen Hintergrunds zu sprechen. Unter anderem seien Chats auf dem Smartphone des Fahrers ausgewertet worden.

Aufgrund der besonderen Bedeutung des Falls übernahm am Freitagabend die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. „Es besteht der Verdacht, dass die Tat religiös motiviert war und als Angriff auf die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verstehen ist“, teilte die oberste Anklagebehörde in Deutschland in Karlsruhe mit. Die Tat sei geeignet, die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führt weiter das Bayerische Landeskriminalamt.

Spendenaufruf für Anschlagsopfer

Der Afghane hatte sich laut den Ermittlern zuletzt rechtmäßig in Deutschland aufgehalten. Wie aus einem Gerichtsurteil gegen die Ablehnung seines Asylantrags aus dem Oktober 2020 hervorgeht, soll er über seine Fluchtgeschichte gelogen haben. Im April 2021 erließ die Stadt München jedoch einen Duldungsbescheid und im Oktober 2021 eine Aufenthaltserlaubnis für den 24-Jährigen.

Der DGB und der Verein „Gewerkschaften helfen“ riefen zu Spenden auf. „Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen und ihren Familien“, heißt es in dem Aufruf. Man wünsche allen Verletzten Genesung. „Doch Worte allein reichen nicht – jetzt ist konkrete Hilfe, jetzt ist unsere Solidarität gefragt!“ Mit den Spenden wolle man Betroffene und deren Familien unterstützen, „um die medizinische Versorgung zu stemmen, den Alltag neu zu organisieren und einfach wieder Mut zu fassen“, hieß es.