Zwei Tage nach Anschlag auf Demo in München: Kind (2) und Mutter (37) tot

Von Passauer Neue Presse · 15. Februar 2025 um 18:04

Nun ist es Gewissheit: Der Anschlag auf eine Demonstration in München hat zwei Todesopfer gefordert. Eine Münchnerin und ihre kleine Tochter sind ihren Verletzungen erlegen.

Zwei Tage nach dem Anschlag auf eine Demonstration in München gibt es neben vielen Verletzten auch Tote zu beklagen. Die Opfer: eine Mutter und ihr zwei Jahre altes Kind. Die 37-jährige Frau und ihre Tochter seien beide am Samstag gestorben, teilte das bayerische Landeskriminalamt mit. Sie waren am Donnerstag bei dem Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi gewesen, in den ein 24-jähriger Afghane mit seinem Auto gefahren war. Mindestens 39 Menschen wurden verletzt, darunter auch die Mutter und ihr Kind.

Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte die Abschiebung des Täters an. „Er wird nach dem Verbüßen seiner Strafe auch in das Land zurückgeführt, wo er herkommt“, sagte Scholz in München bei einer Wahlkampfveranstaltung in München. Wer eine derartige Tat begehe, könne sich „auf gar nichts mehr berufen“. Der 24-jährige Afghane müsse für seine „unverzeihliche Tat“ verurteilt werden.

Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Tat einen islamistischen Hintergrund hat. Der Fahrer sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Als Anhaltspunkt für die islamistische Motivation hatte die Leitende Oberstaatsanwältin der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) der Generalstaatsanwaltschaft München, Gabriele Tilmann, am Freitag unter anderem die Aussage von Polizisten genannt, der Fahrer habe nach der Tat „Allahu Akbar“ gerufen.

Aussagen deuteten auf eine religiöse Motivation hin

Der 24-Jährige habe in einer Vernehmung auch eingeräumt, den Wagen absichtlich in das Ende des Verdi-Demonstrationszugs gesteuert zu haben. Die Aussagen deuteten auf eine religiöse Motivation hin, sagte Tilmann am Freitag. Details zu den Äußerungen während der Vernehmung wollte sie nicht nennen.

Die Ermittlungen stünden zwar noch am Anfang, betonte Tilmann. Sie traue sich aber, nach derzeitigem Stand von der Annahme eines islamistischen Hintergrunds zu sprechen. Unter anderem seien Chats auf dem Smartphone des Fahrers ausgewertet worden.

Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen

Aufgrund der besonderen Bedeutung des Falls übernahm am Freitagabend die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. „Es besteht der Verdacht, dass die Tat religiös motiviert war und als Angriff auf die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verstehen ist“, teilte die oberste Anklagebehörde in Deutschland in Karlsruhe mit. Die Tat sei geeignet, die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führt weiter das Bayerische Landeskriminalamt.

Der Afghane hatte sich den Ermittler Ermittlern zuletzt rechtmäßig in Deutschland aufgehalten. Wie aus einem Gerichtsurteil gegen die Ablehnung seines Asylantrags aus dem Oktober 2020 hervorgeht, soll er über seine Fluchtgeschichte gelogen haben. Im April 2021 erließ die Stadt München jedoch einen Duldungsbescheid und im Oktober 2021 eine Aufenthaltserlaubnis für den 24-Jährigen.

Spendenaufruf für Anschlagsopfer

Der DGB und der Verein „Gewerkschaften helfen“ riefen zu Spenden auf. „Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen und ihren Familien“, heißt es in dem Aufruf. Man wünsche allen Verletzten Genesung. „Doch Worte allein reichen nicht – jetzt ist konkrete Hilfe, jetzt ist unsere Solidarität gefragt!“ Mit den Spenden wolle man Betroffene und deren Familien unterstützen, „um die medizinische Versorgung zu stemmen, den Alltag neu zu organisieren und einfach wieder Mut zu fassen“, hieß es.