Insolvenz bei Berger Baufirma: Wie geht es der Baubranche im Landkreis Neumarkt?

„Es stimmt“, sagt Alexander Dörrmann. Der Bauunternehmer aus Berg hat für seine gleichnamige Firma Insolvenz angemeldet. Was passiert mit dem Unternehmen? Hat die gesamte Branche im Landkreis Neumarkt ein Problem? Die Lage bei kleineren, mittleren und größeren Bauunternehmen ist unterschiedlich.
6098 Menschen aus dem Landkreis arbeiteten laut Agentur für Arbeit im Juni 2024 im Baugewerbe. Das sind rund zehn Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 40 davon sind bei der Dörrmann Bau GmbH angestellt.
Zuletzt haben sie unter anderem an so prominenten Projekten wie dem neuen Hochschulgebäude in Neumarkt mitgearbeitet. Nun steckt das Bauunternehmen in finanziellen Schwierigkeiten. Als Grund dafür nennt der Firmenchef „Zahlungsausfälle in einer Größenordnung, die wir nicht überbrücken konnten“.
Potenzieller Investor für insolvente Berger Baufirma Dörrmann Bau
Das Amtsgericht Nürnberg eröffnete daher Ende Januar ein Insolvenzverfahren. Bis Ende März werde auf jeden Fall an den aktuellen Projekten wie beispielsweise der Schulsanierung in Pyrbaum weitergearbeitet, sagt Dörrmann.
Er sei optimistisch, dass es auch über März hinaus mit der GmbH weitergehe, sagt Dörrmann. „Wir arbeiten gerade an einer Lösung, wie der Geschäftsbetrieb langfristig fortgeführt werden kann.“ Insolvenzverwalter Patrick Meyerle berichtet von fortgeschrittenen Gesprächen mit einem potenziellen Investor.
In den amtlichen Bekanntmachungen zu Insolvenzverfahren ist Dörrmann Bau bislang eine Ausnahme. In den vergangenen Wochen und Monaten finden sich keine weiteren Einträge zu regionalen Firmen aus der Baubranche.
Neumarkter Bauunternehmen Klebl meint: Baupreise bleiben hoch
In dieser pendeln die Einschätzungen verschiedener Akteure zwischen Optimismus und Pessimismus hin und her. Werner Keckl, langjähriger Obermeister der Bauinnung und Unternehmer aus Deining, will eigentlich Optimismus verbreiten. „Wir brauchen schließlich Wohnungen“, sagt er. Geld ist seiner Ansicht nach durchaus vorhanden und die Zinsen hätten sich stabilisiert.
Allerdings – und da schlägt Pessimismus durch – seien die Menschen verunsichert. Sie scheuten sich, zu investieren. Weshalb der Bau von Einfamilienhäusern nahezu zum Erliegen gekommen sei. Bei Mehrfamilienhäusern gebe es noch etwas mehr Aufträge. Bei öffentlichen Ausschreibungen wetteiferten inzwischen deutlich mehr Unternehmen um den Zuschlag mit einem entsprechendem Preisdruck. Keckl sieht die Politik gefordert.
Ein Ansatzpunkt aus Keckls Sicht sind die Energiepreise. Die seien sehr hoch. Die teure Produktion von Material sei ein Treiber für die Baukosten. Lohnkosten, CO2-Bepreisung, Mautgebühren: „Das sind alles Preistreiber“. So erwartet auch das Neumarkter Bauunternehmen Klebl nicht, dass die Baupreise sinken, sondern sich höchstens auf einem hohem Niveau stabilisieren werden.
Hohes Niveau bei den Bauanträgen in den vergangenen Jahren in Neumarkt
Werner Keckl erwartet für seinen Betrieb, „dass es ein hartes Jahr werden wird“. Es werde seine Zeit brauchen, bis sich eine neue Regierung finde und mögliche Maßnahmen wirkten. Von einem Übergangsjahr 2025 geht auch Klebl aus.
Es sei keineswegs alles Friede-Freude-Eierkuchen, sagt Fabian Blomenhofer, der dennoch durchaus optimistisch nach vorne blickt. „„Ich habe wieder mehr Anfragen“, sagt er über seine Baufirma in Berngau mit zwölf Mitarbeitern. „Bei Einfamilienhäusern ist es aber tatsächlich ruhiger geworden“, sagt Blomenhofer über die Auftragslage. „Aber wir kommen auch von einem sehr hohen Niveau her.“
Das lässt sich beispielhaft an den Bauanträgen in der Stadt Neumarkt ablesen. 2021 und 2022 waren die Zahlen mit mehr als 600 Anträgen sehr hoch. 2023 und 2024 ging es wieder etwas runter auf eine Marke um die 500. Die Zahlen der ersten Monate deuteten auf ein ähnliches Niveau hin, erklärt das Rathaus.
Max Bögl und Klebl melden Rekorde bei den Aufträgen
Gegenläufig dazu ist eine Beobachtung, die Klebl bei seiner Baustoffhandel-Sparte gemacht hat. An deren Umsätzen spüre man, dass in der Region weniger gebaut werde, erklärt das Unternehmen.
Vor allem der Wohnbau ist für den Hauptverband der Baubranche ein Hemmschuh für eine positive Entwicklung der Bauunternehmen. Anders ausgedrückt: Wer vom Wohnbau abhängt, der hat zu kämpfen.
Dazu passt, dass die Großen der Branche, in deren Portfolio Wohnbau nur ein Standbein ist, zuletzt Rekordzahlen vermeldeten. Die Sengenthaler Firmengruppe Max Bögl präsentierte Ende Januar so volle Auftragsbücher wie noch nie: Aufträge in Höhe von vier Milliarden Euro finden sich darin.
Eine Rekord bei den Aufträgen meldet auch Klebl. Es profitiert von einigen lukrativen Großprojekten in der Wirtschaft. Unter anderem baut es an der Werkserweiterung für Porsche in Leipzig. Die Auslastung sei dadurch über 2025 hinaus gesichert, erklärt Klebl.
Ein Projekt im Landkreis ist für Klebl der neue Standort von Chefs Culinar in Pilsach. Dabei sollen auch kleinere Baufirmen aus der Region profitieren: Klebl setze als Generalunternehmer verstärkt auf solche, erklärt die Geschäftsleitung.