Private Bauanträge steigen leicht: Ist die Bauflaute im Landkreis Neumarkt bald überwunden?

Nach dem Bauboom kommt die Bauflaute. Im Landkreis Neumarkt wurden in den vergangenen zehn Jahren noch nie so wenig private Bauanträge gestellt wie 2023. Das zwingt nicht nur einige Firmen dazu, sich umzustellen, sondern verhindert auch geplante Projekte. Doch Experten sehen Licht am Ende des Tunnels.
Die Haubner Group setzt seit einiger Zeit auf Modulbauweise – auch bei Häusern. Die Devise: Günstiger, schneller, nachhaltig und zu 95 Prozent in einer Halle vorproduziert. Statt im Pöllinger Gewerbegebiet, wo der Hauptsitz des Unternehmens ist, plante das Familienunternehmen ein neues Werk in Neumarkt. Das verkündeten sie im vergangenen Jahr im Gespräch mit unserer Zeitung.
Ziel war, dass dort Module für den Hausbau in Serie produziert werden. Dafür vorgesehen waren Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe. Doch nun liegen die Pläne vorerst auf Eis, bestätigte Wolfgang Haubner vor gut einem Monat. Im Wohnungsbau werde derzeit die Handbremse angezogen. Die Produktion verlaufe weiterhin in den bestehenden Hallen.
Lage für Kleinbetriebe teils „dramatisch“
Mit Investitionen halten sich derzeit auch andere Baufirmen in der Region zurück, weiß der stellvertretende Obermeister der Bauinnung, Oswald Hirsch. Er ist Geschäftsführer bei Fuchs Systembau. Zwar treffe das Unternehmen Fuchs die Baukrise nicht stark, weil es breit aufgestellt sei. Dafür sei die Lage für einige Kleinbetriebe aber „dramatisch“. Denn der klassische Ein- und Zwei-Familienhausbau sei nahezu zum Erliegen gekommen. „Private Investoren bleiben durch die hohen Zinsen und politischen Parameter lieber in der Mietswohnung“, sagt Hirsch.
Der Negativ-Trend bei privaten Bauanträgen, zu denen der klassische Hausbau zählt, sei in fast allen deutschen Landkreisen bemerkbar, sagt Pressesprecher Michael Gottschalk. Tatsächlich ging laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser in Deutschland zwischen Januar bis Oktober 2023 um mehr als ein Drittel zurück. Gestiegene Baupreise treffen auf hohe Zinsen. „Das macht es vielen nicht mehr möglich, ihr Vorhaben zu verwirklichen“, sagt Gottschalk.
Private Bauanträge so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr
Einen Bau-Boom im Landkreis Neumarkt gab es vor allem 2021. Die Zahl der privaten Bauanträge lag bei mehr als 1300. 2023 lag die Zahl nur noch bei 850. Blickt man auf die Zahlen bis 2014 zurück, so verzeichnet das Landratsamt sonst keine so niedrige Zahl privater Bauanträge.
Die Stadt Neumarkt unterscheidet in ihrer Auswertung nicht zwischen privaten und öffentlichen Bauanträgen. Die Gesamtzahl aller gestellten Bauanträge hat sich nur leicht verringert. Im Jahr 2019 betrug sie 466, 2021 und 2022 liegen die Anträge bei mehr als 600. Im vergangenen Jahr sank die Zahl auf 541. Aber selbst wenn Bauanträge genehmigt werden, bedeute das derzeit nicht, dass auch wirklich gebaut wird, sagt Gottschalk. In einigen Fällen werde trotz Genehmigung nicht mit dem Bau begonnen.
Häuslebauer kämpfen mit Unsicherheiten
Ein Haus zu bauen sei heute „ein gigantischer Kostenfaktor“, so Hirsch. Privatleute schreckten dabei nicht nur die hohen Baukosten und Zinsen ab, sondern auch die vielen Vorschriften, Unsicherheiten und die generell gestiegenen Lebenshaltungskosten. Auch im Sanierungsbereich sehe die Lage nicht wirklich besser aus.
Das bedeutet: Baufirmen haben im privaten Sektor weniger Aufträge und müssen sich teils umstellen. Bei der Haubner Group liegt nach eigenen Angaben der Fokus nun vermehrt auf öffentlichen Ausschreibungen zu gefördertem Wohnen, Kindergärten, Schulen oder Flüchtlingsunterkünften. Auch Hirsch nimmt wahr, dass der Wettbewerb um öffentliche Ausschreibungen größer geworden ist. Einige Firmen nähmen auch vermehrt kleinere Aufträge an. In besseren Zeiten hätten sie diese womöglich nicht gleich umgesetzt. Das Ziel: „Die Firmen versuchen, ihr Personal zu halten.“
Positive Zukunftsaussichten für die Baubranche
Sind die Betriebe in der Region also in ihrer Existenz bedroht? So prekär schätzt Hirsch die Lage nicht ein. In und um Neumarkt sei das Bau-Niveau grundsätzlich immer gut gewesen. Das bestätigt auch Gottschalk. „Die Baubranche kämpft schon immer mit Auf und Abs“, sagt Hirsch. Man sei gewohnt, aus Krisen stärker herauszugehen. „Wir schaffen das schon. Es geht sicher wieder aufwärts, denn der Wohnungsbedarf ist hoch.“
Gottschalk stimmen erste Zahlen aus diesem Jahr optimistisch: Bisher gab es schon mehr als 330 private Bauanträge – im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Anstieg.
Ängste nehmen durch mehr Beratung
Fischerhaus: Barbara Fuchs ist Geschäftsführerin des Fertighausunternehmens Fischerhaus in Bodenwöhr. Ihre Familie führt die Baufirma Fuchs in Berching. Der Schwerpunkt von Fischerhaus liegt auf Ein- und Zweifamilienhäusern aus Holz.
Individuelle Lösungen: Trotz knallharten Budgetfragen bewähre sich ein beratungsbasiertes Geschäftsmodell, sagt Fuchs in einer Pressemitteilung. Man wolle die Bedürfnisse der Kunden erfüllen, ohne dass die Qualität leidet. Abwägen sei gut, Angst könne jedoch Geld und Lebensqualität kosten. Denn der Bedarf zu bauen verschwinde nicht.
Probleme: Wie für andere Baufirmen sei es für Fischerhaus während der Branchenkrise eine Herausforderung, Fachpersonal zu halten.