Schwache Konjunktur sorgt in der Baubranche für Probleme – nicht alle trifft es gleich hart

Steigende Preise und die wirtschaftliche Lage bringen Baubetriebe in der Region Neumarkt in Schwierigkeiten. Doch während einige ziemlich zu kämpfen haben, ist die Stimmung bei anderen vergleichsweise optimistisch. Welche Faktoren machen den Unterschied?
Es gab schon einfachere Zeiten für die Baubranche und Handwerker in der Region Neumarkt. Eine schwächelnde Konjunktur, gestiegene Kosten sowie die generelle politische Lage lassen einigen Unternehmen Sorgenfalten auf der Stirn stehen.
Doch längst nicht jede Baufirma ist gleich stark betroffen: Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Betrieben, die sich auf Neubauten spezialisiert haben und Unternehmen, die sich um Umbauten und Sanierungen kümmern.
Entlassungen sind ein Thema
„Wer rein mit Neubau zu tun hat, wird zur Zeit arg gebeutelt“, sagt Werner Keckl, Obermeister der Neumarkter Bauinnung. Entlassungen und Stellenabbau seien bei solchen Firmen durchaus Thema – auch in der Region Neumarkt. Besser dran seien laut Keckl Unternehmen, die auch Umbauten oder Sanierungen im Portfolio haben. „Momentan ist es sehr gut, wenn man breit aufgestellt ist.“
Die Ursache für die momentan schwierige Situation sieht Werner Keckl vor allem in steigenden Kosten. „Die Baupreise, die Energiekosten und die Zinsen steigen rasant. Da müssen einige Baubetriebe kämpfen.“ Der Obermeister hofft daher auf Hilfe aus der Politik, zum Beispiel in Form von staatlichen Förderprogrammen. „Aber seit es in der Bundesregierung Probleme mit dem Haushalt gibt, sieht es hier vielleicht auch nicht mehr so rosig aus.“
Trotzdem gibt sich Keckl optimistisch. Die Situation sei zwar angespannt, „aber die Baubranche war in harten Zeiten schon immer resistent. Und gebaut werden muss schließlich immer.“ Eine Prognose, wie es in den nächsten Monaten weitergeht, kann er nicht geben. „Das wäre ein Blick in die Glaskugel. Aber wir hoffen natürlich auf einen Umschwung im Frühjahr oder Sommer.“
Eine harte Zeit durchleben momentan auch Malerbetriebe. Ernst Reischböck, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung, merkt, dass sich die Auftragslage bei Privatbauten verändert hat. „Die Leute sind zurückhaltender. Sie überlegen sich jetzt, wofür sie ihr Geld ausgeben.“ Maler spürten das besonders. Denn falls es Probleme beim Strom oder bei der Heizung gebe, müssten Hausbesitzer unbedingt tätig werden. Ein neuer Fassadenanstrich könne hingegen warten. „Bei Malerarbeiten sparen die Leute eher.“
„Die Leute sind zurückhaltender. Sie überlegen sich jetzt, wofür sie ihr Geld ausgeben.“
Ernst Reischböck, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung
Wie sich die Situation in diesem Jahr entwickelt, darüber kann auch Ernst Reischböck nur spekulieren. „Das hängt von den Zinsen ab und davon, ob der Staat Anreize schafft, die die Bauwirtschaft ankurbeln.“ Einige Malerbetriebe in der Innung hätten sich Nischen gesucht, um sich über Wasser zu halten. „Sie bieten auch andere Handwerker-Tätigkeiten mit an, sodass Kunden mehr Dienstleistungen aus einer Hand bekommen.“
Weitgehend normal scheint die Situation noch in der Holzbau-Branche zu sein. „Aber für diejenigen, die auf Neubau spezialisiert sind, wird es schwieriger“, sagt der Obermeister der Zimmerer-Innung, Josef Zachmeier. Da auch Zimmerer viel mit Sanierungen zu tun hätten, gehe es ihnen etwas besser. Seiner Branche macheten aber trotzdem Zinssteigerungen, höhere Preise und die Kürzung von Zuschüssen zu schaffen. „Das ist brutal teuer. Was die Politik hier macht, ist definitiv nicht kundengerecht“, ärgert er sich.
Neubau so gut wie tot
Josef Mersch, Vorstandsmitglied in der Innung betont ebenfalls, dass Zimmerer auch bei Altbauten benötigt werden und deshalb vom Rückgang bei Neubauten oft nicht direkt betroffen seien. Und Wohnraumbedarf gebe es schließlich immer. „Aber vielleicht kommen nach ein paar fetten Jahren jetzt einfach ein paar magere Jahre.“
Zweckoptimismus ist auch bei der Innung für Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik angesagt. „Insgesamt ist die Auftragslage in Ordnung, aber der Bereich Neubau ist so gut wie tot“, formuliert es Beisitzer Franz Lerzer. Da aber einige Altbau-Sanierungen anfallen, gebe es für seine Branche trotzdem genug Arbeit. Die Ursachen für den Quasi-Stillstand bei Neubauten sieht er vor allem beim Geld. „Die Materialkosten und die Zinssätze sind zu hoch. So viel verdienen die Leute nicht.“
Großartige Änderungen erwartet Lerzer vorerst nicht: „Es wird das repariert werden, was repariert werden muss. Vielleicht haben wir auch mal eine energetische Dachsanierung“, sagt er. Da Sanierungen immer anfallen, glaubt Lerzer nicht, dass die Situation für Spenglereien sowie für Sanitär- und Heizungsbetriebe existenzbedrohend werden könnte. „Da sollten wir die Kirche im Dorf lassen.“
Eine insgesamt noch gute Auftragslage meldet Albert Kurzendorfer, stellvertretender Obermeister der Metall-Innung. Im privaten Bereich hätten die Anfragen aber schon nachgelassen. „Die schwächelnde Konjunktur wird sich auch bei uns bemerkbar machen, wenn auch zeitversetzt.“
Viele merken noch nichts
Wie die Lage im März oder April sein wird, kann er nicht vorhersagen. Kurzendorfer geht davon aus, dass die Situation manche Betriebe in ihrer Entwicklung hemmen wird. Trotzdem will er abwarten und nichts von vornherein schlechtreden. „Was bleibt uns denn anderes übrig?“
Ähnlich sieht das Oswald Nibler, Vorstandsmitglied der Innung für Elektro- und Informationstechnik. Sein Betrieb sei bis Mitte des Jahres sogar ausgelastet und er müsse Aufträge absagen. „Klar gibt es einen Einbruch in der Baubranche, aber im Elektro-Bereich fallen immer Reparaturen und Umbauten an“, sagt er. Nibler hat darum keine Bauchschmerzen. „In den letzten Jahren hat es schon öfter Schwierigkeiten gegeben. Aber es war noch nie so, dass wir nicht mehr wussten, wie es weitergehen soll.“