Haubner Group aus Neumarkt setzt mit ihren Holzmodulen auf temporäres Bauen

Von Eva Gaupp · 7. September 2023 um 11:00

Bauen wird immer teurer. Deshalb sieht die Neumarkter Haubner Group jetzt eine sehr gute Chance für ihre neue Art zu bauen: Holzhäuser aus Modulen. In einem neuen Werk sollen mehr als 2000 Module im Jahr gefertigt werden.

Im März hatte die Familie Haubner ihre Pläne bereits formuliert – inzwischen lägen einige Angebote für geeignete Grundstücke in der Region vor, sagt Matthias Hube. Der Chief Sales Officer (CSO) zeichnet seit 1.September für den Vertrieb der neuen Sparte verantwortlich. Sie werde vom Umsatz sicher die größte werden, sagt Hube.

Aber auch die anderen Bereiche des Unternehmens wie Treppenbau und Nebengebäude profitierten sicher davon, ist sich der kaufmännische Leiter Alexander Deim sicher. „Der Trend geht hin zu Generalunternehmen. Kunden möchten alles aus einer Hand.“

Haubner Group aus Pölling will alles aus einer Hand bieten

Da sieht sich die Haubner Group gut aufgestellt. Schon jetzt böten sie von der Planung des Gebäudes bis zur Montage alles aus einer Hand, sagt Deim. Darüber hinaus hätten sie aus ihrem Portfolio die dazu passenden Carports, Müllhäuschen oder Treppen, mit denen die Haubners ursprünglich einmal angefangen hatten.

Die Module werden aktuell nur am Standort im Pöllinger Gewerbegebiet produziert. Fünf von ihnen werden gerade in der großen Halle montiert. Bis zur Badezimmerfliese und der Steckdose werden die Module mit den einzelnen Zimmern verputzt und samt Fenstern komplett fertig gestellt, um sie dann auf der Baustelle zusammenzufügen.

Derzeit übernehmen noch selbstständige Handwerksbetriebe einzelne Gewerke. Ziel sei es jedoch, Elektriker oder Fliesenleger selbst im Team zu haben, sagt Hube. Deshalb werde sich die Zahl der Mitarbeiter von 200 „ganz locker verdoppeln“, schätzt Hube. Allerdings weiß er auch, dass es nicht so einfach werden wird, diese Mitarbeiter zu finden. Um Anreize zu setzen, plane die Familie unter anderem, Stipendien zu vergeben.

Der Ausbau der neuen Sparte erfolge in mehreren Schritten: Zunächst sollen im Jahr zwischen 400 bis 500 Module gefertigt werden, innerhalb von sechs Monaten könnte die Produktion bereits eine vierstellige Zahl erreicht haben. „Wir wollen richtig Gas geben.“ In einer dritten Ausbaustufe peilt die Haubner Group 2000 bis 2500 Module in der neuen Fertigung an. Die Sparte soll laut Hube mit den Aufträgen wachsen.

Das neue Werk werde in der Umgebung entstehen, entsprechende Flächen seien ihnen schon angeboten worden. „Das Unternehmen ist in Neumarkt verwurzelt, außerdem ist es strategisch nicht interessant, weit weg zu gehen“, ergänzt Deim. „Das weiteste sind 25 Kilometer Luftlinie.“

Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag werde die Haubner Group zusammen mit Partnern in die neue Sparte investieren, kündigt Matthias Hupe an. „Respekt für die Familie, jetzt so eine Investition zu tätigen, da alle anderen auf die Bremse treten.“ Wolfgang Haubner hatte in einem Gespräch im März rund 30 Millionen Euro genannt.

Hausmodule sind flexibel einsetzbar

Die Module in der Halle hat eine Kommune für Asylunterkünfte geordert. Zunächst. Denn sie werden nicht auf festen Fundamenten für alle Ewigkeit platziert, sondern bleiben durch Schraubfundamente mobil und flexibel. „Das ist die Zukunft“, sagt Alexander Deim. So könnten die Module für andere Nutzungen versetzt und immer wieder anders kombiniert werden.

Effektiv sei die Modulbauweise dann, wenn möglichst viele gleiche Module entstünden, erklärt Hube. Das sei der Gedanke des kostengünstigeren seriellen Bauens. Diese eigne sich genauso für Einfamilienhäuser wie auch für Appartmentanlagen, Krankenhäuser oder Bürokomplexe.

Diese nachhaltige Idee gefiel den beiden Besuchern von Bündnis 90/Die Grünen sehr gut: Die Freystädterin Nicole Brock kandidiert für den Landtag und leitet das Bauamt einer Gemeinde in Mittelfranken. Der Regensburger Jürgen Mistol ist seit zehn Jahren Landtagsabgeordneter und seit 2018 Sprecher für die Themen Bauen und Wohnen seiner Partei. „Wir müssen die Baustoffe wieder verwerten statt entsorgen“, sagt Mistol.

Doch wie so oft in Deutschland kämpft auch die Haubner Group mit der Bürokratie. Das fängt bei den Bauvorschriften an und hört bei der Logistik auf. Denn die Module entsprechen nicht den Maßen eines Standard-Containers und müssen deshalb jedes Mal als Sondertransport angemeldet werden. Dennoch ist Hube optimistisch: „Temporäres Bauen ist die Zukunft.“

Nicole Brock und Jürgen Mistol von den Grünen besuchten die Haubner Group in Neumarkt. Der kaufmännische Leiter Alexander Deim /2.v.li.) und der Vertriebsleiter für den Modulbau, Matthias Hube (2.v.re.), stellten das Unternehmen vor.
Derzeit fertigt die Haubner Group Modulhäuser für eine Kommune, die zunächst als Wohnungen für Asylbewerber bestimmt sind. Da die Häuser kein festes Fundament bekommen, können sie danach für andere Zwecke genutzt werden.
Garagen waren die ersten Module, die die Haubner Group entwickelt hat. Auch sie werden fertig verputzt ausgeliefert.
Nachhaltigkeit wird nicht nur bei den Haubners groß geschrieben. Für einen Kunden werden Fensterbretter aus recycelten Pet-Flaschen eingebaut.