Gelebte Tierliebe: Christine Scheugenpflug aus Abensberg gibt Straßenhunden ein Zuhause auf Zeit

Christine Scheugenpflug bietet in ihrer Villa Herzblut in Abensberg im Landkreis Kelheim Straßenhunden ein Zuhause auf Zeit. Ihr Ehrenamt bringt auch so manche Herausforderung mit sich.
Luckys kleines Glück währte nicht lange: Bald nach der Vermittlung erhielt Christine Scheugenpflug einen Anruf, die neuen Besitzer wollten den Hund nicht mehr. Seitdem lebt Lucky bei ihr. Sie hat ihn ins Herz geschlossen, ärgerlich sind solche Vorfälle aber trotzdem.
Seit 2019 bietet Scheugenpflug Hunden aus Rumänien ein Heim auf Zeit. In ihrer Villa Herzblut werden die Vierbeiner eine oder zwei Wochen an Menschen oder andere Tiere gewöhnt, bevor sie dann weitervermittelt werden. Manche Hunde werden auch sofort nach der Ankunft vermittelt. Scheugenpflug ist im Verein Straßenhunde Rumänien in Not, der dort ein Tierheim betreibt und Hunde aus dem Elend holt.
Neues Heim muss passen
In diesem Tierheim kommen kranke oder ganz junge Hunde unter. Vor allem um diese jungen Hunde kümmert sich Scheugenpflug, und zwar ehrenamtlich. Bevor sie sich zu sehr an ein Rudel im Tierheim gewöhnen, vermittelt sie sie von Abensberg aus an Tierliebhaber in ganz Deutschland. Und das ist bisweilen ganz schön zeitaufwendig. Denn vor der Ausreise müssen die Tiere gechipt, entfloht, entwurmt und geimpft werden, die Papiere für die Ausreise müssen fertig sein und vor allem muss ein Transporter eingesetzt und geplant werden, wer aus dem Verein den fährt und wie viele Hunde auf einmal transportiert werden können.
Früher war Scheugenpflug selbst öfter in Rumänien mit dabei. Nach einem Herzinfarkt wollte sie mit dem Fahren kürzertreten. Aber sich um die Hunde zu kümmern, damit wollte sie nicht aufhören, „die sind wie Seelenbalsam“. So entstanden im Garten die Zwinger, in denen sie sich im Sommer um bis zu sechs Hunde gleichzeitig kümmert, sie hegt und pflegt.
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Vermittelt werden die Hunde dann unter anderem über ihren Blog. Aber nicht jeder, der sich bei ihr meldet, bekommt automatisch einen dieser süßen Wollknäuel: „Ich unterhalte mich lange mit den Leuten, schaue mir auch an, wie sie wohnen.“
Es kam auch schon mal vor, dass sie einen Hund wieder mitnahm, weil es nicht gepasst hat, weil sie beim Besuch vielleicht festgestellt hatte, dass die Umgebung dem Tier nicht gerecht wird, dass vielleicht gerade gebaut wird, zu wenig Zeit für ein neues Familienmitglied wäre.
Auch passt nicht jedes Tier zu jedem Menschen. Dann kann es sein, dass die Hundehalter in spe schon mal ohne Hunderl abziehen.
Und dann gibt es Fälle, in denen die Hunde wieder zurückkommen, etwa, weil sich jemand aufgrund eines Schicksalsschlags plötzlich nicht mehr um den Vierbeiner kümmern kann, was sicherlich passiert.
Scheugenpflug ärgert sich aber, wenn sie merkt, dass es nur Ausreden sind und vermeintlich Krankheiten vorgeschoben werden. Auch, dass jemand von einem Hund zuerst total begeistert ist und sich dann, wenn alles organisiert ist, doch anders entscheidet, sei in letzter Zeit ein ums andere Mal passiert.
„Perfect Match“ finden
Aber noch sind die Fälle, in denen Scheugenpflug das „Perfect Match“ für Mensch und Tier findet, weitaus häufiger. Und auch nach der Vermittlung hält Scheugenpflug Kontakt zu den neuen Haltern, zumindest in der ersten Zeit: „Zu Weihnachten bekomme ich an die 100 WhatsApp-Nachrichten mit Bildern.“ Die Tierfreundin hat sich einen Ordner angelegt, in dem genau notiert ist, welcher Hund an welchen Besitzer ging.
Der Ordner verrät freilich nichts über den Herzschmerz, der in jedem Abschied auch mitschwingt. „Vor allem der letzte Hund einer Gruppe, der dann bis zur Übergabe im Haus bleiben darf, damit er nicht alleine ist, wächst mir ans Herz“, so Scheugenpflug.
Ans Herz gewachsen ist ihr auch Lucky. Ganz entspannt räkelt der sich auf dem Teppichboden. Zusammen mit Stella, einem weiteren Findling aus Rumänien, hat Lucky bei Scheugenpflug ein Stück vom ganz großen Glück gefunden. Und sie auch in ihm und in der Arbeit mit den Straßenhunden.
Zweite Chance für schlecht behandelte Kreaturen:
Straßenhunde Rumänien: Der Verein Straßenhunde Rumänien in Not aus Abensberg kümmert sich nicht nur um die vielen Straßenhunde, die frei herumlaufen und die zu domestizieren schwierig ist. Für die gibt es Futterstellen und sie werden kastriert. Im rumänischen Faget gibt es ein Tierheim für schwache sowie junge Hunde, die ohne Hilfe keine Überlebenschancen hätten. Infos auf www. strassenhunde-rumaenien-in-not.de.
Villa Herzblut: Seit 2019 gibt es die private Pflegestelle Villa Herzblut in Abensberg. In der Regel haben drei bis maximal neun Pflegehunde in der Villa Herzblut Platz, meist kümmert sich Christine Scheugenpflug in ihrer Pflegestelle um fünf bis sechs Hunde gleichzeitig. Sie hat schon 140 Hunde vermittelt. Mehr Infos gibt es auf www. villaherzblut.de.



