Chamer BRK ermöglicht dem schwerkranken Hermann H. Fahrt zum Heimsieg des FC Bayern

Hermann H. ist ein Riesenfan des FC Bayern München. Ganz besonders schwärmt er für Vereinslegende Thomas Müller. Haben die Roten ein Spiel, fiebert der Bad Kötztinger zusammen mit seiner Frau Halina S. zuhause vor dem Fernseher mit.
Ein Stadionbesuch? Der lag für H. in unerreichbarer Ferne… Der 66-Jährige kämpft mit einer Krebserkrankung, ist auf den Rollstuhl angewiesen und konnte seine Kellerwohnung in der Pfingstritt-Stadt seit geraumer Zeit nicht mehr verlassen.
Silke Geiger von der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung der Palliamo gGmbH und der zuständige Arzt Dr. Peter Zita wollten ihm unbedingt einen Ausflug an der Seite seiner Ehefrau ermöglichen.
So setzte sich Geiger mit stellvertretendem BRK-Rettungsdienstleiter Tobias Muhr in Verbindung, der in Cham das Projekt Herzenswunsch-Hospizmobil verantwortet. Mit dem Fahrzeug bereitet das Rote Kreuz schwerstkranken Patienten oder Menschen, die gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, eine Freude.
Die Sorgen verflogen schnell
Nach der Anfrage von Geiger arrangierte Muhr für H. in enger Absprache mit dem FC Bayern München einen Besuch in der Allianz Arena. Zum 7. Februar – an diesem Freitag sollte das Team abends gegen Werder Bremen auflaufen – war die Planung abgeschlossen. Nachmittags standen die Rettungssanitäter Max Stoiber (24), Louis Pscheidt (24) und Jonas Späth (23) mit dem Herzenswunsch-Hospizmobil bei H. vor dem Haus. In Fan-Montur des deutschen Rekordmeisters. Als der 66-Jährige das BRK-Trio sah, war das Eis schnell gebrochen. Sämtliche Sorgen, die er sich wegen der Reise gemacht hatte, waren verflogen.
H. hatte erst am Morgen erfahren, was Geiger und seine Frau heimlich eingefädelt hatten. „Wir wussten, dass es ihm gefallen wird. Aber: Er hatte große Bedenken und hat es sich eine ganze Weile nicht zugetraut“, erzählt Geiger.
Doch die Palliamo-Mitarbeiterin ließ nicht locker, machte ihrem Patienten zusammen mit Dr. Zita Mut. „Der Ausflug war am Ende quasi eine ärztliche Verordnung“, sagt Geiger.
Überraschung sorgt für neue Energie
Dass Hermann H.s Stimmung ein paar Stunden später in Windeseile umschlug, hatte entscheidend mit den drei Rot-Kreuz-Kräften zu tun. „Max, Louis und Jonas haben nicht nach Sanis ausgesehen, sondern nach drei jungen Burschen, die zum Fußball wollen und einen Spaß-Ausflug mit ihm machen. Da hast du gemerkt, wie seine Freude steigt“, berichtet Geiger. Max Stoiber erlebte es genauso. „Wir haben uns gleich blendend verstanden – sowohl mit seiner Frau als auch mit Hermann. Man hat ihm angemerkt, wie sehr er sich darüber gefreut hat.“
Die Gewissheit, „seinen“ FCB sehen zu dürfen, setzte bei dem Bad Kötztinger gewaltige Energien frei. Nachdem er wochenlang keinen Schritt mehr aus seiner Wohnung gesetzt hatte, stieg er – gestützt von Louis Pscheidt – aus eigener Kraft die Kellertreppe hinauf und ging zum Auto. Halina S. war tief gerührt. Mehr als einmal sagte sie: „Danke! Danke, dass es so etwas gibt und dass ihr so etwas möglich macht!“
Während Jonas Späth den Krankentransportwagen zum Ziel steuerte, saßen Max Stoiber und Louis Pscheidt hinten bei Hermann H. und seiner Frau. Der 66-Jährige war lange bei der Bundeswehr gewesen und hatte später als Versicherungsvertreter gearbeitet.
„Es waren wirklich gute Gespräche. Er hat uns viel aus seinem Leben erzählt“, berichtet Stoiber, der wie seine beiden Begleiter von H. eine besondere Bezeichnung erhielt. Der Fahrgast nannte die Rot-Kreuz-Ehrenamtlichen bald nur noch „seine Bodyguards“. „Die Jungs haben unglaublich auf mich aufgepasst“, ließ er Silke Geiger nach der Rückkehr wissen.
Auch sonst klappte alles wie am Schnürchen – dank der Vorarbeit von Tobias Muhr. Die Ordner informiert, Vereinsmitarbeiterin Nicole Coloma-Lorini nahm die Gruppe aus der Oberpfalz in Empfang. Sie lotste die Gäste nicht nur in den Rollstuhlfahrer-Bereich, sondern begleitete sie zuvor auch bei ihrem Rundgang durch das Museum des FC Bayern mit seinen Pokalen und Trophäen.
„Er hat tagelang gestrahlt“
Als H. auf der Tribüne angekommen war, sorgte Coloma-Lorini für einen weiteren Gänsehautmoment. Die Club-Mitarbeiterin übergab dem Bad Kötztinger ein von Thomas Müller signiertes Trikot mit der Rückennummer 25.
Die restliche Zeit gehörte dem Fußballerlebnis. „Hermann hat das Spiel sichtlich genossen“, sagt Max Stoiber – zumal es die Bayern gegen den Gegner aus dem hohen Norden mit 3:0 deutlich machten.
So nahm der 66-Jährige viel Kraft mit nach Hause. „Er hat tagelang gestrahlt. Die Unternehmung hat ihn richtig gepusht“, sagt Silke Geiger. So sehr, dass ihr Patient in der vergangenen Woche vor dem Auswärtsspiel in der Champions League gegen Glasgow scherzte: „Da könnten wir auch hinfahren. Jetzt wäre ich so weit.“
Genau diese Rückmeldungen seien es, die das Projekt Herzenswunsch und die Fahrten so wertvoll machten, meint Tobias Muhr. Stoiber, Pscheidt und Späth hätten einen „Megajob“ gemacht. „Und auch dem FC Bayern können wir nur für die Unterstützung danken.“
Stoiber ist gerührt. „Das ist das, was Spaß macht und was das Ehrenamt ausmacht“, sagt er. „Bei solchen Fahrten siehst du, was du Menschen ermöglichen und welche Freude du ihnen bereiten kannst.“
Frank Betthausen, BRK

