Dieses Anwesen muss Ausbau der Kelheimer „Rennstrecke“ weichen

Bald wird ein markantes Gebäude zwischen Kelheim und Ihrlerstein abgerissen. Heimatforscher Erich Hafner zählt zu den Wenigen, die etwas über dessen Geschichte wissen. Die Bewohner von einst hatten einen einen wichtigen Job.
Im Vorfeld der Sanierung des zweiten Bauabschnitts an der „Rennstrecke“ zwischen Ihrlerstein und Kelheim wird laut Staatlichem Bauamt demnächst das Anwesen an der Kelheimer Straße 72 abgerissen.
Darüber hinaus seien nur „einzelne Flächen der aktuellen Straße vom Rückbau betroffen“, so die für den Landkreis Kelheim zuständige Abteilungsleiterin Daniela Fuchs auf Nachfrage.
Das Staatliche Bauamt habe das „nicht mehr standsichere“ Gebäude samt Grund erworben. Mitte März soll es abgerissen werden. Denn künftig wird sich ein Teil des kombinierten Geh- und Radwegs auf dem Grundstück befinden. Fuchs geht nicht davon aus, dass sich durch den Abriss des Gebäudes größere Einschränkungen für den Verkehr an der Staatsstraße ergeben werden.
Das Haus an der Kelheimer Straße 72 verorten viele Ihrlersteiner gar nicht mehr auf Brandler Gemeindegebiet. Gefühlt ist es „zu weit weg“. Laut Karte ist es das letzte vor der Gemeindegrenze zu Kelheim, kurz vor der S-Kurve.
Schon länger ist das Anwesen unbewohnt. Über seine Anfänge weiß Ihrlersteins Heimatforscher Erich Hafner einiges. Für seine Bücher zur Gemeindegeschichte hat er unter anderem im Häuser- und Steuerkataster von 1808 und im Urkataster von 1835 recherchiert. Dort finden sich Infos, wie alte Häuser und Höfe entstanden sind.
Die heutige „Rennstrecke“ liegt im Kelheimer Tal. Dort ließ um 1804 der Kelheimer Leonhard Ott das Haus mit der Nummer 72 errichten. Entsprechend nannte sich das Anwesen „Ottig-Gütl“, so Hafner. Die dazugehörigen Felder und Wiesen fanden sich oben auf der „Brand“ (damals Neukelheim). Erreicht wurden sie über den sogenannten „Kuhsteig“.
Der Besitzer des Anwesens „Kelheimer Straße 72“ hatte laut Hafner „die Pflicht für den Unterhalt der Kelheimer Talstraße zu sorgen. Bis zum Talbauern“. Konkret bedeutete dies – Straßengräben zu säubern oder nach Starkregen das Wasser abzuleiten. Auch das „Prucken“ zählte zu den Aufgaben. Dies geschah laut Hafner mittels Holzprügeln, die man in den Morast legte, um so sumpfige Stellen zu überbrücken.
Die Bewohner des Hauses „Kelheimer Straße 72“ erlebten, wie aus der ehemaligen „Salzstraße“ um 1820 die „Chaussee von Nürnberg“ wurde. So ist die heutige Staatsstraße auf einer Karte um 1820 betitelt.
Heute nennt sich die Straße bis zur Einmündung der Ihrlersteiner Hauptstraße „Kelheimer Straße“. Die Einheimischen nannten sie lange Zeit einfach nur „Talstraß’“, so Hafner. Eben weil sie durch das Kelheimer Tal führte. Mit dem Austragen der Bergrennen (1926 bis 1981) bürgerte sich der Name „Rennstrecke“ ein. Die kurvenreiche Strecke forderte den Teilnehmern einiges ab. Bald galt die „Rennstrecke“ als die schnellste, deutsche Rennstrecke, aber auch die gefährlichste, weil sie nicht asphaltiert war. Die im Hochsommer völlig ausgetrocknete Oberfläche staubte zudem gewaltig und nahm den Zuschauern die Sicht.