Oberpfalzhalle ausverkauft: So war der Auftritt von Kabarettist Martin Frank in Schwandorf

Als Kabarettist weiß man nie so genau, wie sein Programm beim Publikum ankommen wird. Für Comedian Martin Frank gibt es dazu nur zwei Alternativen: Entweder man könne ihn leiden, dann könne man mit ihm einen schönen Abend verbringen. Oder eben nicht, dann empfiehlt der Solodarsteller, doch besser die Schwiegermutter vorbeizuschicken.
Wie viele Schwiegermütter nun am Freitagabend tatsächlich da waren, lässt sich nicht sagen. Fakt ist aber, dass etwa 800 Besucher in die ausverkaufte Oberpfalzhalle gekommen waren, die es vorzogen, den Valentinstag mit Frank zu verbringen. Und sie mussten ihr Kommen nicht bereuen. Denn seine Komik kam beim Publikum bestens an.
Alle erlebten einen vergnügten Abend und taten dazu auch noch was für ihre Gesundheit. Intensives und häufiges Lachen soll sich ja positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken, heißt es. Und dazu gab es definitiv ausreichend Anlass.
Von Identitätsproblemen bis zur Klimaneutralität
„Wahrscheinlich liegt’s an mir“, heißt sein aktuelles Programm, mit dem Frank knapp drei Stunden lang seine Sichtweise auf das Leben auf seinem Bauernhof und drum herum dem Publikum zu vermitteln versuchte. Dabei nahm er auch den aktuellen Zeitgeist kräftig auf den Arm. Gesellschaftspolitische Themen wie die Distanz gegenüber Fremden, Identitätsprobleme, Ernährung, die Männerrolle im Haushalt oder die Klimaneutraliät hat er geschickt in kleine, amüsante Geschichten gepackt und damit dieser doch eher schwierigen und trockenen Materie viel von ihrer Ernsthaftigkeit genommen.
Denn jeder habe in der heutigen Zeit so seine eigene Weltanschauung und jeder glaube, dass nur diese die allein seligmachende sei. Die Bühne seiner Geschichten sind dabei ein Mehrgenerationenbauernhof im konservativen Niederbayern und die Welt drum herum. Jede Generation auf dem Hof hat eine andere Lebensweise und eine andere Esskultur. „In jedem Stockwerk stinkt es anders“, so die Interpretation des Künstlers.
Letztlich blieb er eine Antwort schuldig, ob er nun die Kochkunst der Oma, die sich eine Mahlzeit ohne Fleisch nicht vorstellen kann und es zur Tarnung sogar in den Knödeln versteckt, der fleischlosen und zuckerfreien Kost seiner Schwester vorzieht. Auf eine Extra-Portion Zimt und Omega-3-Kapseln zum Dessert will er aber gerne verzichten.
Irgendwie sei ihm das mit dem Essen heutzutage alles zu kompliziert und zu politisch aufgeladen, meint er. Und selbst im Kaffeehaus fühlt er sich genervt, weil er dort zwar die Auswahl hat zwischen Mandel-, Lupin- oder Hafermilch, seine gewünschte Kuhmilch aber offensichtlich nicht ins Glaubenskonzept passt. Seit Freitagabend wissen die Gäste auch, woran der tote Fisch im Wasser, der im Fasching so gerne besungen wird, verendet ist. Seine Nussallergie sei ihm zum Verhängnis geworden, nachdem er ein Stück Vitalbrot geschluckt habe, das ins Wasser geworfen worden sei, wie der Künstler mit inbrünstigem Gesang in Form einer Arie in das weite Rund der Halle trillerte.
Gestorben ist auch der Gockel am Hof. Für große Trauer hat sein Ableben bei der stark feministisch angehauchten Cousine allerdings nicht gesorgt. Im Gegenteil. Endlich hat das Patriarchat am Hof ein Ende. Glücklich schien er mit seinem Leben sowieso nicht gewesen zu sein. Er habe sich nämlich im falschen Körper gefangen gefühlt, wie Frank erklärte. Eigentlich wäre er viel lieber eine Gans gewesen.
Geschichten aus dem tiefen bayerischen Wald
Auf einem einsamen Hof im tiefen bayerischen Wald gehen die Uhren in vielerlei Hinsicht ein wenig anders. Da kann ein plötzlicher Besuch aus der Stadt schnell mal zu einer emotionalen Blockade führen. Vor allem dann, wenn diese Person eine Klima-Aktivistin ist, die auf den CO2-Ausstoß bei der Rinderhaltung hinweist. Wo soll das noch hinführen? Irgendwann steht der Metzger mit seinem Bolzenschussapparat vorm Blumenkohl.
Zum Abschluss hatte Martin Frank noch einen Tipp für frisch verliebte Frauen. Es sei ratsam, so der Kabarettist, mit seinem Liebsten nicht gleich ins Bett zu springen, sondern erstmal vor den Geschirrspüler.
Zugaberufe blieben aus. Nach drei Stunden fühlten sich die Besucher offensichtlich bestens informiert über das Leben auf einem Mehrgenerationenhof im bayerischen Wald.