Schwandorf hat jetzt seinen 42. Friseur – Das sagen Experten zum Mix in der Innenstadt

Von Martin Kellermeier · 15. Februar 2025 um 19:00

Die Stadt Schwandorf wird von manchen Kritikern gern als Stadt der Friseursalons, Nagelstudios, Handyläden und Dönerbuden bezeichnet. Ein neues Geschäft passt da ins Bild: Mohamad Saeed hat an der Wackersdorfer Straße seinen Salon Elias eröffnet.

Mit dem Barber Shop ist er in Schwandorf in bester Gesellschaft. Denn hier gibt es mittlerweile 42 Friseurläden. Saeed ist ein gebürtiger Syrer. Seit 2014 lebt er nach eigenen Angaben in Deutschland. Im Folgejahr begann er als Friseur in Schwandorf, Amberg und Regensburg zu arbeiten, sagt der 43-Jährige. Das Handwerk war ihm nicht fremd. In der Nähe von Damaskus habe er vor seiner Flucht nach Deutschland einen eigenen Salon betrieben. Diesen Schritt wollte er nun auch in seiner neuen Heimat wagen.

Gesagt, getan. Seit Februar empfängt Mohamad Saeed die Kunden in seinem Geschäft an der Wackersdorfer Straße, gleich neben dem DS Home Store. Er hat seinem Barber Shop „Salon Elias“ genannt. Der Name kommt nicht von ungefähr: Saeeds kleiner Sohn, der zusammen mit Schwester Lilas in einer Wohnung an der Regensburger Straße aufwächst, heißt auch so.

Dem Syrer ist bewusst, dass es in Schwandorf schon einige Friseurläden gibt. Allein in der Innenstadt gibt es nach Angaben des städtischen Pressesprechers Andreas Hofmeister 14 Friseurbetriebe. Im gesamten Stadtgebiet seien es gar 42. Davon hätten fünf Betreiber zum Zeitpunkt der Anmeldung keine deutsche Staatsbürgerschaft gehabt.

Im neuen Salon Elias setzt man vor allem auf Stammkunden

Saeed ist einer von ihnen. Er fürchtet die Konkurrenz nicht. „Qualität setzt sich durch“, ist der 43-Jährige von seiner eigenen Arbeit überzeugt. In sein neues Geschäft würde er viele Stammkunden mitbringen. Einer davon ist Mowafak Abobaker. Er stammt ebenfalls aus Syrien.

Ein Barbier ist eigentlich für das Schneiden, Trimmen und Rasieren von Barthaaren zuständig. Saeed bietet neben diesen Leistungen auch Augenbrauenzupfen und eben Haareschneiden an.

Damit reiht er sich in die Vielzahl der Friseurbetriebe im Stadtgebiet ein. Ria Achhammer, Ehrenkreishandwerksmeisterin und stadtbekannte Friseurin mit zwei Filialen in der Innenstadt, blickt besorgt auf die Branche. „Seit der Pandemie geht es dem Friseurhandwerk sehr schlecht. Wir konnten uns seit Corona nicht wirklich erholen“, sagt Achhammer. Durch neue Barber Shops würden die etablierten Salons „vor allem Konkurrenz im Herrenbereich bekommen“. Die ausländischen Friseure würden zwar längere Öffnungszeiten haben, dafür aber auch teilweise auf ungelerntes Personal setzen, so Ria Achhammer.

Anstelle weiterer Barber Shops würde sich die Ehrenkreishandwerksmeisterin mehr „normale Geschäfte“ wünschen, die von ansässigen Schwandorfern geführt werden. Ein Blumengeschäft oder eine Lebensmittelladen wären für Ria Achhammer eine sinnvolle Ergänzung in der Schwandorfer Innenstadt.

Ähnlich sieht das Sophie Weber, ebenfalls Friseurmeisterin mit einem Salon in der Rathausstraße und Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins. Auch sie würde sich in der City „zusätzliche spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte, wie zum Beispiel Feinkostläden oder Boutiquen für nachhaltige Mode“ wünschen. „Sie könnten das bestehende Angebot bereichern und zur Attraktivität des Stadtzentrums beitragen“, ist sich Weber sicher. Das Citymanagement im Rathaus sollte potenzielle Geschäftsinhaber aktiv ansprechen, wünscht sich die Vereinsvorsitzende. So könnten gezielt Lücken im Branchenmix geschlossen werden. Auch Förderprogramme und eine Unterstützung bei der Standortsuche wären aus Sicht der Geschäftsfrau wünschenswert.

Intensiver Wettbewerb unter Schwandorfer Friseuren

Dass sich nun ein weiterer Friseurladen in der Stadt niederließ, kommentiert Weber nüchtern. In der Neueröffnung spiegle sich „die anhaltende Nachfrage nach Friseurdienstleistungen“ wider. „Mit insgesamt 42 Salons in der Stadt ist der Wettbewerb zwar intensiv, doch bietet er den Kunden eine vielfältige Auswahl“, konstatiert Weber.

2. Bürgermeister Andreas Wopperer, der zuletzt den erkrankten OB Andreas Feller (beide CSU) im Amt vertreten hat, stellt fest: „Grundsätzlich ist jeder ordentliche Betrieb besser als ein Leerstand.“ Der tiefgreifende Wandel der Innenstädte mache auch vor Schwandorf nicht halt. „Liebgewonnener klassischer Handel, Dienstleistung oder ähnliches werden immer weniger, nicht zuletzt aufgrund des Kundenverhaltens und der Anforderungen der Betreiber“, erklärt der CSU-Politiker und denkt dabei an den Online-Handel oder „viele ebenerdige Parkplätze vor der Ladentür“.

Die Veränderung der Innenstadt könne und werde aber auch die Stadt nicht stoppen können. „Schon gar nicht allein“, steht für Wopperer fest. Man versuche, den Wandel positiv mitzugestalten. Die Wirtschaftsförderung bemühe sich um Nach- und Neunutzungen, und das Citymanagement organisiere Aktionen und Veranstaltungen. Ferner gebe es ein kommunales Förderprogramm, das Hauseigentümer bei baulichen Maßnahmen unterstützt.

Und dann wären für Wopperer noch Bemühungen der Stadt erwähnenswert, welche die Aufenthaltsqualität in der City erhöhen sollen. Die Pocket Parks seien dafür ein Beispiel. Aber auch von der Neugestaltung des Schmidt-Bräu-Areals verspricht sich der OB-Stellvertreter viel: „Die auf dem Gelände geplanten öffentlichen Einrichtungen für Bildung, Freizeit und Kultur werden für weitere Belebung und Publikumsfrequenz sorgen.“

So bewerten Schwandorfer Bürger den Geschäfte-Mix in der Innenstadt

Susanne Schönfelder (65), Schwandorf: „Auch wenn es in Schwandorf schon eine große Auswahl an Geschäften gibt, fehlt es mir ein bisschen an Gastronomie und Modegeschäften. Auch ein paar mehr Apotheken in der Innenstadt wären nicht verkehrt.“

Ilona Knecht-Jesberger (70), Schwandorf: „Also ich wünsche mir noch mehr Bistros in der Innenstadt. Auch ein paar gemütliche Kneipen wären schön. Das Angebot, das es gibt, ist in Ordnung, aber vor allem für die ältere Generation könnte es noch mehr geben.“

Jusuf Aziri (46), Schwandorf: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Angebot an Läden in der Innenstadt. Besonders oft gehe ich hier Klamotten einkaufen. Was mir fehlt, sind dagegen Parkplätze. Nah am Marktplatz zu parken, ist leider nicht so einfach.“

Dibran Borovci (35) und Sohn Imran (7), Schwandorf: „Ich gehe oft mit meinem Sohn in der Innenstadt einkaufen Ich habe gerade erst erfahren, dass H&M zugemacht hat. Das ist ja der Wahnsinn, da waren wir so oft und haben Kleidung gekauft. Schade.“