Wahlkampf kurios: KI schätzt Schwandorfer CSU-Abgeordnete auf 60 – Sie nimmt’s gelassen

Da hat es der CSU-Direktkandidatin Martina Englhardt-Kopf (kurz MEK) doch tatsächlich einmal kurz die Sprache verschlagen. Bei einer KI-Analyse wurde die Schwandorferin ungeniert zur Bundestagsabgeordneten gekürt, die am schnellsten gealtert sein soll. MEK sieht aus wie 60 und nicht wie 43, findet die Künstliche Intelligenz. Ein Affront?
Die Bundespolitikerin wusste noch gar nichts von ihrem „Glück“, als sie die MZ am Telefon in ihrem Büro erreichte. „Warten Sie, jetzt muss ich gleich einmal aufstehen und in den Spiegel schauen“, sagte sie. Nein, wie 60 würde sie nicht ausschauen, so ihr Urteil auf den ersten Blick. „Oder was meinen Sie?“, fragte MEK.
Ausgelöst hat die Altersfrage das Onlineportal www.onlinecasinosdeutschland.com. Es ließ nach Angaben der Agentur twenty-eight agency GmbH mit Sitz in Berlin eine KI-gestützte Bilderkennungssoftware das Alter aller Bundestagsabgeordneten auf Basis ihrer offiziellen Porträtfotos schätzen.
Bundestagswahlkampf soll seine Spuren hinterlassen haben
Das Ergebnis: „Gerade im Wahlkampf kann es stressig für die Bundespolitiker werden. Besonders bei der Schwandorfer Abgeordneten Martina Englhardt-Kopf hinterlässt das politische Amt seine Spuren: Nach Einschätzung eines KI-Programms sieht die Politikerin 17 Jahre älter aus, als sie eigentlich ist“, schreibt eine Sprecherin der Agentur in einer Pressemitteilung.
Englhardt-Kopf muss lachen. „So sieht man also nach dreieinhalb Jahren mit der Ampel-Regierung in Berlin aus“, sagt sie mit einer gehörigen Portion Ironie. Bei der Analyse sei die Künstliche Intelligenz wohl an ihre Grenzen gestoßen, findet MEK. „KI kann eben doch noch nicht alles.“
KI machte Marianne Schieder (SPD) um zehn Jahre jünger
Freilich hätte sich die CSU-Politikerin mehr darüber gefreut, wenn sie wie ihre Bundestagskollegin Marianne Schieder abgeschnitten hätte. Denn die Sozialdemokratin, 62 Jahre alt, wurde von der Bilderkennungssoftware zehn Jahre jünger gemacht. Eines der größten Komplimente macht die KI übrigens einem gewissen Anton Hofreiter von den Grünen. Der soll nicht wie 55, sondern wie 33 aussehen. Liegt das womöglich an seinem langen Haar? Das bleibt offen.
Denn zum Modus operandi der KI ist das bekannt: Um das Alter aller 732 Bundestagsabgeordneten einordnen zu können, soll ein Gesichtserkennungsmodul eingesetzt worden sein, das die Position des Gesichts im Bild identifiziert und anpasst. „Anschließend analysiert ein neuronales Netzwerk die extrahierten Gesichtsmerkmale, einschließlich der Form von Augen, Nase, Mund und der Hauttextur. Durch den Vergleich dieser Merkmale mit einer umfangreichen Datenbank von Gesichtern unterschiedlichen Alters kann die KI eine Schätzung des Alters der abgebildeten Person abgeben“, heißt es.
Martina Englhardt-Kopf irritiert das alles nicht. „Ich fühle mich topfit und jung. Das Alter ist relativ, es steht ja nur am Papier“, sagt sie. Doch eines würde sie dann schon noch gerne wissen: Kürzlich hatte selbiges Portal mittels KI-Analyse die schönsten Bundestagsabgeordneten gekürt. Die Wertung fand aber ohne MEK statt. Denn damals war die Schwandorferin eine von zehn Abgeordneten, bei denen die KI „auf Basis der offiziellen Profilbilder der Bundestagswebsite keine Attraktivitätsanalyse“ vornehmen konnte. „Sachen gibt‘s“, sagt MEK und muss weiter. Der Wahlkampf „und die wirklich wichtigen Themen“ rufen.