Exklusiver Rundgang mit dem neuen Schlossherrn durch die Baustelle von Schloss Pilsach

Von Wolfgang Endlein · 16. Februar 2025 um 05:00

Über den kahlen Baumwipfeln leuchtet grün die Folie, die derzeit den Dachstuhl des Pilsacher Schlosses (Landkreis Neumarkt) einhüllt. Daneben dreht sich ein gelber Baukran durch den grauen Himmel.

Es tut sich einiges in dem Gebäude, das jahrelang eher abgeschirmt inmitten des Ortes lag. Nun öffnet der neue Schlossherr Armin Freiherr von Grießenbeck die große blaue Eingangstür. Dahinter verbirgt sich viel Historisches. Im vergangenen Jahr hatte der 63-Jährige das Gebäude gekauft.

Für den gebürtigen Regensburger, dessen vollständiger Name Armin Freiherr Grießenbeck von Grießenbach und Hahnreith lautet, ist es eine Art Heimkommen. Der familiäre Bezug zum Schloss reicht über seine weiblichen Vorfahren mehrere Jahrhunderte zurück. Mit dem Namen von Grießenbeck kam es schließlich durch die Heirat des Urururgroßvaters in Kontakt.

Der Generalmajor der königlich-bayerischen Armee ist inzwischen auch wieder nach Pilsach zurückgekehrt. Als Teil eines Bildes in einem Stammbaum, den sein Urururenkel im großen Saal in den Händen hält. Die Familie, das Schloss und der Ort: Im Gespräch mit Armin von Grießenbeck ist herauszuhören, wie sehr er diesen Bezug fühlt und welche Freude er daraus zieht.

Pilsacher Schloss wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört

„Der Name Grießenbeck ist, glaube ich, hier schon verwurzelt und bekannt“, sagt der neue Schlossherr – obwohl die Familie den Besitz 1863 verkauft hatte. Von Grießenbeck erzählt vom Besuch mit seiner kleineren Tochter beim örtlichen Bäcker. Eine Chronik hänge dort, die den Namen Grießenbeck erwähnt. Er spüre, dass der Bezug nicht einseitig sei. „Die Menschen sind interessiert. Wir sind äußert freundlich aufgenommen worden.“

Bis Sommer sollen die Arbeiten am Schloss fertig sein – wenn es keine Überraschungen gibt. Was bei einem im 17. Jahrhundert nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebautem Schloss nie ausgeschlossen werden kann. Aber der Bauherr ist optimistisch.

Wechselnde Besitzer in den vergangenen 150 Jahren haben das Schloss im Inneren stark verändert. Teils zum Vorteil des neuen Besitzers. Ohne manches Fenster, das man in früheren Zeiten mitunter auch am Denkmalschutz vorbei in die Mauern brach, wäre das Schloss weniger wohnlich.

Bei aller Liebe zu historischen Gemäuern, die von Grießenbeck sich zuspricht: Es soll kein Museum werden, sondern eine Wohnung für seine Familie mit zwei Kindern. Der Bauherr betont, dass er ein sehr gutes Verhältnis zum Denkmalschutz habe. Man liege auf einer Wellenlänge, einerseits die schützenswerte Substanz zu erhalten und andererseits eine wohnliche Atmosphäre schaffen zu können.

Mauern von Schloss Pilsach sind 1,80 Meter dick

Mit seinen 1,80 Meter dicken Mauern, dem massigen Baukörper und dem Wassergraben wirkt das Schloss von außen trutzig. Innen ist es aber dank vieler Fenster und hoher Decken heller als man es vermuten würde. „Der Grundriss ist nahezu gleich geblieben zum Ursprung“, sagt von Grießenbeck und ist damit glücklich. Die Zimmer sind seinem Geschmack nach geräumig, aber nicht zu groß.

Im Erdgeschoss wird empfangen, in einer großzügigen Küche gekocht und in einem Zimmer mit Kamin gegessen. Darüber im ersten Stock finden sich ein großer Saal, Zimmer zum Arbeiten und Wohnen. Im zweiten Stock sind die Schlafzimmer. Verbunden ist alles durch ein großzügiges Treppenhaus, dessen in der Mitte oval gelaufene Holzstufen das Alter des Schlosses spürbar machen.

Sichtbar ist das Alter ganz oben auf dem Schloss. Über ein Baugerüst geht es unter die grüne Folie, die den Dachstuhl umhüllt. Der stellt dem Bauherrn die größte Aufgabe. Durch kaputte Ziegel war Wasser gedrungen. Balken faulten. Von Grießenbeck zerreibt Holzreste zwischen den Fingern. Er zeigt auf die massive Holzdecke, deren Balken und Bretter sichtbar durchhängen.

Im Großen und Ganzen steht der Dachstuhl für sein Alter dennoch imposant da. Über die Jahresringe haben Experten festgestellt, dass die Bäume im Winter 1687 geschlagen wurden. Nicht nur der Schlossherr ist beeindruckt vom Geschick der damaligen Handwerker. Aktuell arbeiten deren heutige Nachfolger mit modernem Gerät daran, Gebälk und Dach für die nächsten Jahrhunderte fit zu machen.

Das Loch, in dem Kaspar Hauser gefangen gehalten worden sein soll

Das Gerüsts hinab und durch ein Fenster kehrt man zurück in das zweite Geschoss. Im dortigen Treppenhaus hebt von Grießenbeck eine unscheinbare Spanplatte hoch. Sichtbar wird ein dunkles Loch und bei näherem Hinsehen ein kleiner Raum zwischen den Geschossdecken. Hier soll der berühmteste Bewohner des Schlosses eingesperrt gewesen sein: Kaspar Hauser.

Um das Findelkind (1812-1833) rankten sich schon zu Lebzeiten allerlei Verschwörungstheorien wegen einer angeblichen hochadeligen Herkunft. Die Entdeckung des Zwischenraums war für die frühere Schlossbesitzerin und Schriftstellerin Klara Hofer Anlass, zu vermuten, Hauser sei in Pilsach als Kind gefangen gehalten worden. Ob das stimmt? Armin von Grießenbeck wiegt den Kopf hin und her. Er glaubt nicht daran. Aber es klingt zumindest spannend.

Spannend werden für den Schlossherrn auch die kommenden Monate bleiben. Das Abenteuer, auf das er und seine Familie sich eingelassen haben, ist im vollen Gange. Von Grießenbeck vermutet sich aber bildlich gesprochen inzwischen im Talgrund, was die baulichen und damit verbundenen finanziellen Herausforderungen anbelangt. Ab jetzt geht es aufwärts und dem Ziel entgegen.

„Irgendwann sagen Sie sich: ,Augen zu und durch’“, sagt der 63-Jährige mit einem Lachen. „Wichtig ist, dass man die Freude behält“, fügt von Grießenbeck an. Trotz allem Stress sagt er: „Es erfüllt mich und meine Familie mit großer Zufriedenheit.“

Schweres Gerät ist nötig, damit der unter Denkmalschutz stehende Wassergraben von Schloss Pilsach wieder fließendes Wasser hat. Foto: Endlein
Am Eingangsportal empfängt einem der neue Besitzer von Schloss Pilsach, Armin Freiherr von Grießenbeck. Foto: Endlein
Im Inneren des Pilsacher Schlosses, das Armin von Grießenbeck 2024 gekauft hat, ist es heller, als man vermuten würde. Foto: Endlein
Ein historisches Element der Einrichtung, das geblieben ist: das hölzerne Treppengeländer, das durch die zwei Stockwerke von Schloss Pilsach führt. Foto: Endlein
Das berühmte Loch, in dem Kaspar Hauser angeblich im Pilsacher Schloss eingesperrt war, versteckt sich aktuell unter einer Spanplatte. Foto: Endlein
Armin Freiherr von Grießenbeck mit einem Stammbaum seiner Familie, die eine lange Geschichte mit dem Schloss Pilsach verbindet.
Der Dachstuhl des Pilsacher Schlosses stammt aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Endlein
In Folge von eindringendem Wasser sind einige Balken des Dachstuhls von Schloss Pilsach gefault. Foto: Endlein
Der neue Schlossherr von Pilsach, Armin von Grießenbeck, begutachtet den Schaden. Foto: Endlein