„Nerven stärken in Rötz“ – damals und heute: Das schätzten Urlauber schon vor über 100 Jahren

Von Stefanie Bauer · 15. Februar 2025 um 11:00

„Mit der alljährlichen Wiederkehr des Urlaubes, der Ruhe- und Erholungszeit, stellt sich mancher die Frage: ‘Wo wende ich mich hin, um von den Mühen und Beschwerden meines Berufes auszuruhen und meine Nerven zu stärken?‘“ Die Frage, die in einem etwa 115 Jahre alten „Werbeprospekt“ für „Rötz im Bayerischen Wald – Sommerfrische und Luftkurort“ gestellt wird, wird wohl nie alt.

Steffi Porsch vom Schwarzwihrbergverein besitzt eine Kopie dieses Prospekts. Ein genaues Erscheinungsdatum ist darin nicht genannt, anhand des Inhalts lässt sich das Original des Gehefts etwa auf das Jahr 1910 festlegen. Damals war Rötz noch eine Stadt mit 1354 Einwohnern, während das Einwohnermeldeamt die Gesamteinwohnerzahl 2024 mit 3485 angab.

Tourismus und Außenwerbung sind nach wie vor wichtige Themen für Städte und Gemeinden. Im Rötzer Stadtrat ging es vor kurzem um die Selbstdarstellung im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit und um Werbemaßnahmen, die helfen, sich positiv abzuheben. Manches hat sich dabei im Lauf von 115 Jahren verändert, manches ist in erstaunlichem Maße gleich geblieben.

Mit einem „ausgedehntem Tal, durch bewaldete Höhenzüge geschützt, liebliche und romantische Gegend für Gesunde, Kranke und Rekonvaleszenten“, so wurde vor über einem Jahrhundert für Urlaub in Rötz geworben. Im Hinblick auf Hochgebirge oder Alpen hieß es, es gebe „viele Erholungsbedürftige, die sonst ganz gesund sind, aber einen Aufenthalt in Höhen von 1000 Metern nicht gut vertragen können“ – Rötz, das auf etwa „454 Metern über dem Meere liege“, hat sich da angeboten.

Empfehlenswerte Gasthöfe

Abgebildet im Prospekt und zum Teil beschrieben sind beispielsweise die Schwarzachbrücke, die Idylle am Schwarzachufer, der Burghof der Schwarzenburg mit Wartturm, das Wutzschleif-Wehr und die Spiegelglasfabrik Wutzschleife. Auch die Höllmühle mit Aussicht auf den Schwarzwihrberg gab es noch, in den Siebziger Jahren ist sie im Eixendorfer Stausee versunken.

Unterschiede zu damals gibt es auch in der Verkehrsanbindung: An der Hauptlinie Schwandorf-Furth lag das Kgl. Eisenwerk Bodenwöhr. „Von hier aus zweigt die Lokalbahn nach Neunburg v. W. ab, als Endstation. Ein viermaliger Omnibusverkehr stellt die Verbindung der elf Kilometer betragenden Entfernung mit Rötz her. Billige Privatfuhrwerke stehen stets zur Verfügung.“

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Die Bahnlinie Rötz – Neunburg vorm Wald, die 1969 stillgelegt wurde, war damals noch nicht gebaut worden, erst 1915 wurde die Strecke Richtung Rötz verlängert. Die alte Dampflok beim Oberpfälzer Handwerksmuseum, die 1973 mit drei Zugmaschinen an die Stelle des ehemaligen Bahnhofs Hillstett gebracht worden war, ist noch heute eine der Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

Aufgeführt im Prospekt sind auch „empfehlenswerte Gasthöfe und Geschäfte in Rötz“, zum Beispiel die – heute ehemaligen – Gasthöfe „Zur Post“ und „Thammersche Brauerei“.

Ebenfalls interessant sind die aufgeführten Preise – ein Beispiel: „Wohnung pro Zimmer und Bett 60 Pfg., bei längerem Aufenthalt 30 Prozent billiger. Mittag: Suppe, Fleisch mit Gemüse und Mehlspeise 70 Pfg.; Abendtisch nach Wahl 60 Pfg. Einfaches Frühstück – Kaffee mit Brot – 25 Pfg.“ Daneben gab es auch noch „bessere Verpflegung“, die etwas teurer war. Ein Zimmer mit einem Bett pro Tag und Person inkl. Bedienung lag bei 70 und 50 Pfg, bei längerem Aufenthalt nach Übereinkommen billiger.

Eixendorfer Stausee ist beliebtes Ausflugsziel

Ausflugs- und Wanderziele werden beschrieben, mit Recht lese man über den Schwarzwihrberg in „die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern“, dass der Berg zu den schönsten Punkten der Oberpfalz gehört, die Steinerne Wand wurde als Naturschönheit „gebührend gerühmt in der bekannten Zeitschrift ‘Das Bayerland‘, und übrigens: „Die Schwarzach führt moorhaltiges Wasser von vorzüglicher Qualität.“ Heute punktet die Stadt nach wie vor mit der herrlichen Landschaft und der Schwarzenburg auf dem Schwarzwihrberg, wo jährlich auch das beliebte Festspiel „Märchenzeit für Jung und Alt“ zur Aufführung kommt. Außerdem mit dem Oberpfälzer Handwerksmuseum, in dem Zeugnisse vergangener Zeiten bewundert werden können und natürlich mit überregional bekannten Veranstaltungen wie der „Althistorischen Rötzer Fasenacht“ oder dem Rötzer Heimatfest.

Der Eixendorfer Stausee, so viel ihm auch weichen musste, dient heute nicht nur dem Hochwasserschutz, er gilt auch als beliebtes Ausflugsziel. Angeln, Baden in der FreizeitWelle, dem Hallen- und Freibad mit Sauna, oder im Badeweiher Heinrichskirchen, Wandern, Fahrradfahren, Mountainbiken, Golf, Nordic Walking, Wintersport und vieles mehr: Eine Übersicht über die Freizeitmöglichkeiten, auch über die Landkreis- und Landesgrenze hinaus, findet man auf der Homepage der Stadt.

Und natürlich gibt es eine Broschüre, in dem die Vorzüge des „Waldmünchner Urlaubslandes“, also neben denen von Waldmünchen, Schönthal, Tiefenbach, Treffelstein und Gleißenberg auch die der Stadt Rötz, beschrieben werden.

Fokus auf Natur und Kultur

Der Fokus wird auf die einzigartige Natur und Kultur gerichtet. Es gibt Informationen über Gästekarte und Unterkünfte in Rötz, und „von jedem Punkt in der Innenstadt erreichen Sie in circa fünf Minuten die unberührte Natur. Wälder, bezaubernde Seen und romantische Flussufer lassen Sie schnell den Alltag vergessen“ – das hat sich in all der Zeit nicht geändert.

Luftkurort mit Flussbadewasser und Freizeitmöglichkeiten

Luftkurort: Ein Luftkurort mit Annehmlichkeiten „in Bezug auf billigen Aufenthalt, große Auswahl lohnender und gefahrloser Spaziergänge und Ausflugsorte“,geeignet, „Gottes freie Natur mit all ihren Reizen nach Herzenslust genießen zu können, ist Rötz, ein freundliches Städtchen in der östlichen Oberpfalz“, heißt es im Prospekt etwa aus dem Jahr 1910.

Vergnügungen: Für solche war „insofern bestens gesorgt, als jedem, der hier längeren Aufenthalt nimmt, Gelegenheit geboten ist, sich mit der Ausübung der Jagd und des Fischens beschäftigen zu können.“ Schützen war die Gelegenheit geboten, „sich am Scheibenschießstand vergnügen zu können“.

Wasser: Die Fest-Übersicht zum 500. Jahrestag der Hussitenschlacht von 1933 (Druck u. Verlag: L. Flierl, Buchdruckerei, Neunburg v. W.) gab das Wasser der Schwarzach an als „weich wie selten eins, etwas moorhaltig, daher von dunkler Färbung, aber in der Regel ganz rein, mit einem Worte: ein selten ideales Flussbadewasser.“ Und wer einmal ein solches Bad genommen, „fühlt sich wie neugeboren und freut sich beim Verlassen des Bades schon wieder auf das folgende“.