Mittelalter bis Jazz beim „Dirrmaler Wirt“: Waldmünchner Publikum ruft nach Wiederholung

Von Ingrid Milutinovic · 10. Februar 2025 um 15:00

Zunächst waren es (natürlich) nicht „The Saints“, die in den Dirrmaler Wirt strömten – sondern erst einmal - niemand. War doch durch ein Versehen die Eingangstür, nachdem sie für die ersten Gäste geöffnet bereits war, wieder geschlossen. Dann aber füllte sich schnell der Saal, weitere Stühle mussten beigeschafft werden, bis endlich auch der letzte Gast sein Plätzchen gefunden hatte.

Bei seiner Begrüßung entschuldigte Alois Nock in gewohnt souveräner und lockerer Manier mit einem leichten Lachen das kleine Missgeschick. „Bei dem vielen rauf und runter hat es wohl einer gut gemeint und die Tür wegen der Kälte zugemacht“.

Etwas Neues ausprobieren

„Wir wollten einfach mal etwas Neues ausprobieren“ erläuterte Nock und tat sich deshalb mit Hans Lorenz zusammen. Dieser hatte dann die Idee zu einer musikalischen Zeitreise, einer Reise durch die Musik vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Durch die Bank waren es Künstler aus der Region Waldmünchen und Furth im Wald, die Lorenz gut kannte und die ihre Beteiligung spontan zugesagt hatten.

Die Reise begann im Mittelalter. Annika Bosek und Korbinian Groß nahmen die Zuhörer mit in die Zeit des dreizehnten bis 17. Jahrhunderts. Groß erläuterte selber die einzelnen Musikstücke von Alfonso X „El Sabio“, Anthony Holborne und John Playford. Allesamt unterschiedlich und jedes in seiner Art einmalig und begeisternd.

Den nächsten Part bestritten Gustav Vitzthum, Emil Lorenz und Moritz Nagler. Die drei Jungs zeigten als Gitarrentrio, was man auch bereits in der Jugend zu leisten vermag. Voll konzentriert, aber trotzdem mit viel Spaß, waren die drei dabei. Gesellschaftstänze aus der Zeit um 1750 begeisterten die Zuhörer.

Diese Darbietung sollte Alois Nock bei seinem Schlusswort zu der Feststellungverleiten: „Die Großen waren gut, aber die Jungen waren viel besser“. Mit einem völlig anderen Beitrag ging es weiter. Katharina – unter anderem als „fesche Lola“ – und Michael Deglmann entführten die Zuhörer mit ihrer Schmunzelmuse nach Berlin. Katharina mit einer „frechen Berliner Schnauze“ hatte Lieder parat, die den Zuhörern – aufgrund ihrer Texte - oft auch etwas mehr als ein Schmunzeln entlockten. Satirische Lieder sozusagen aus dem täglichen Leben begeisterten.

Aber das war noch lange nicht das Ende. Es folgten weitere Highlights. Swing und Jazz und Dixie (eine frühen Form des Jazz) aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts ließen Toni und Leo Deglmann, Laurenz Schneider, Xaver und Hans Lorenz hören. Drei Saxophone, Trompete, Euphonium (eine kleine Tuba) und Schlagzeug brachten die Zuhörer in Stimmung. Die Moonlight Serenade von Glenn Miller oder auch der Titel „Oh, when the Saints go marching in“ jagte dem einen oder anderen einen leichten Schauer über die Haut. Ein ums andere Mal konnte Hans Lorenz sein musikalisches Talent entfalten und wechselte von einem Instrument zum anderen.

Durch die ganze Veranstaltung zogen sich Informationen von Hans Lorenz zu den einzelnen Musikstücken, wie sie in ihrer Zeit entstanden seien und vieles mehr. Dass es zum Beispiel im Mittelalter noch keine Noten gegeben habe, sonders es einfach so gelaufen wäre: „„Ich spiel vor, du spielst nach – dann kannst du es“.

Das Ende der Veranstaltung bildete die Bierbankerlmuse. Schnell schwappte die Stimmung über. Zunächst erst einige, dann der ganze Saal, schlugen den Takt mit und sangen dazu. Dass der eine oder andere vielleicht nicht ganz den richtigen Ton traf, wen störte das schon bei so viel Stimmung.

Wiederholung erwünscht

„Mir san vom Woid dahoam“ war dabei natürlich ein absolutes Muss. Der wohlverdiente Beifall nahm kein Ende und der laute Ruf nach einer Zugabe war einfach zu erwarten und wurde natürlich erfüllt. Der laute Wunsch nach einer Wiederholung des nicht nur gelungenen, sondern geradezu grandiosen Abends wird hoffentlich auch erhört werden.

Chronologisch begannen Annika Bosek und Korbinian Groß den Abend mit Musik aus dem Mittelalter.
Berliner Schnauze: Katharine und Michael Deglmann entführten die Zuhörer mit ihrer Schmunzelmuse.
Gustav Vitzthum, Emil Lorenz und Moritz Nagler begeisterten als Gitarrentrio.
Die Jazz- und Dixiecombo sorgte beim Publikum für Gänsehautfeeling.