Fünf junge Waldmünchner erzählen von ihrem dreiwöchigen Trip durch Chile und Argentinien

Nein, damit würde man nun nicht wirklich den Süden von Südamerika verbinden. Aber genau diese Dinge konnten fünf Waldmünchner sehen, als sie auf eigene Faust einen fast dreiwöchigen Trip durch Chile und Argentinien starteten. Am Donnerstagabend nun haben drei aus diesem ehemaligen Quintett über ihre Reiseerlebnisse im Berghof Gibacht (Landkreis Cham) berichtet und jede Menge Tipps für Reisewillige gegeben.
Gut 80 Besucher waren gekommen. „Wir haben unsere Reiseroute selbst geplant, mit Hilfe von Reisebüchern und Google-Maps. Nur die Flüge, das Mietauto und einige wenige Unterkünfte waren im Voraus gebucht“, so Benjamin Schlegl in seinen einleitenden Worten.
Die drei Referenten gaben den Anwesenden auch viele Tipps für eine eigene Reise durch Südamerika. Denn Chile hat in der Nord-Süd-Ausdehnung rund 4200 Kilometern, und wer möglichst viel in drei Wochen sehen will, der braucht einen guten Plan.
Alles über 4000 Metern
Die begeisterten Bergsteiger Johannes Eisenhart, Lukas Gröbner, Fabian Kussinger, Annika Rief und Benjamin Schlegl führte der Weg zunächst in die Hauptstadt Santiago de Chile, von wo aus nach einem eintägigen Aufenthalt die Atacama-Wüste per Flugzeug angesteuert wurde. Drei Tage waren die Waldmünchner dort und erkundeten Salzwüsten, Vulkanberge und Lagunen – alles auf einer Meereshöhe von 4000 Metern und mehr. „Es ist eine bizarre, aber trotzdem äußerst abwechslungsreiche Region der Erde“, so Johannes Eisenhart. Ein Highlight war dabei ein Bad bei Null Grad in kleinen Seen, die von heißen Geysiren gespeist wurden.
Dann ging es für die Reisgruppe mit dem Flugzeug in den Süden in die Region Patagonien. Mit dem Pick-up ging die Reise weiter auf der berühmten „Carretera Austral“. Die Straße ist die einzige Nord-Süd-Verbindung in Chile und besteht zu rund 60 Prozent aus Schotter. Zunächst ging es für einen Abstecher nach Norden, um dem Queulat-Gletscher (ein überhängender Gletscher) einen Besuch abzustatten.
Gletscher und Marmorhöhlen
Die Gruppe erreichte die südlich gelegene Stadt Puerto Rio Tranquillo am zweitgrößten See von Südamerika, dem General Carrera. Der für Patagonien berüchtigte Wind pfiff ordentlich, die Autotüre war oftmals kaum aufzubekommen. Auf dem Weg begegneten die Waldmünchner auch einer einheimischen Feuerwehr, die Spendengelder auf der Straße sammelte.
Die selbst ehrenamtlichen Feuerwehrler kamen dem gerne nach, und erhielten im Gegenzug ein tolles Bild mit dem chinesischen Feuerwehrauto. Puerto Rio Tranquillo ist zentraler Punkt für Gletschertouren und berühmt für seine Marmorhöhlen am See. „Dann ging es mit Steigeisen und Pickel über und in den Exploradores-Gletscher, der auf einer Höhe von 200 Metern liegt“, erzählte Fabian Kussinger.
Die Weiterfahrt führte entlang des großen Sees über die Grenze nach Argentinien, wo die Landschaft östlich der Anden karg und wüstenähnlich wurde. In Argentinien war das Hauptziel das berühmte Bergsteigerdorf „El Chalten“ am Rande des Nationalparks „Los Glaciares“. Der Ort ist der Ausgangspunkt für Wanderungen und Expeditionen zu den Bergmassiven des Fitz Roy und des Cerro Torre.
So gut wie alle berühmten Bergsteiger und Kletterer waren dort in den letzten Jahrzehnten, um den Cerro Torre zu bezwingen. „Wir haben uns Schlafsäcke und Zelte besorgt und sind dann zu einer dreitägigen Treckingtour gestartet“, so Kussinger. Insgesamt 40 Kilometer sind die Fünf durch den Nationalpark gewandert, mit zwei Übernachtungen bei -5 Grad, einer Katzenwäsche im Gletscherwasser und Essen aus der Dose. Die Hauptreisezeit war schon vorbei, und so gab es nur wenig andere Outdoor-Junkies.
Auch lesenswert: Antonia Buschek (23) und Tobias Jelinek (26) sind das Further Ritterpaar 2025
Mit tollen Eindrücken ging es zurück in die Zivilisation ins argentinische El Calafate, von wo aus der Gletscher Perito Moreno besucht wurde. Dieser Gletscher ist ein wahres Naturschauspiel, weil er wächst und regelmäßig einen See anstaut, bis dieser durchbricht. „Das Knacken des Eises und das Herabfallen von Eisbrocken bleibt in Erinnerung“, so Eisenhart. Das war für die fünf dann aber auch schon der letzte große Ausflug, denn die Hiobsbotschaften über Corona erreichten die Reisenden und so musste kurzerhand eine frühzeitigere Rückreise organisiert werden, was nicht einfach war.‚
Südlichste Großstadt der Welt angesteuert
Schnellstmöglich überquerte die Gruppe (gerade noch) die Grenze nach Chile und steuerte die südlichste Großstadt der Welt, Punta Arenas, an. Nachdem die vorzeitige Rückreise mit Flugzeugen endlich eingetütet war, bleib noch Zeit, die Stadt an der Magellanstraße zu erkunden. Ein deutsches Feuerwehrhaus fiel dabei sofort in den Blick. Es wird noch heute von den deutschen Auswanderern betrieben. Und dann gab es natürlich Wale, Delphine und besondere Vögel zu sehen.
Dann waren alle fünf wieder in München zurück – drei Tage früher als geplant und kurz vor dem ersten Lockdown. „Wir würden es genau so wieder machen“, so das Fazit der drei bei ihrem Vortrag im Berghof Gibacht.



