Martina Mathes: Trauerfeier für eine „vorbildgebende Persönlichkeit“ Waldmünchens

Vor dem Altar erinnerten Geige, Schultasche, ein Schild mit der Entfernung zwischen Combourg und Waldmünchen, ein kleines Mehrgenerationenhäuschen und weitere Gegenstände an das Leben von Martina Mathes. Die Ehrenbürgerin war am 21. Januar kurz nach ihrem 70. Geburtstag gestorben.
Am Freitag wurde sie mit einer Urnenbeisetzung auf dem Waldmünchner Friedhof bestattet.
„Einmalig, einzigartig und außergewöhnlich“ sei Martina Mathes gewesen, sagt Pfarrer Albert Hölzl zu Beginn der Trauermesse in der Stadtpfarrkirche. Wir müssten dankbar sein, „dass Gott sie uns geschenkt hat!“ Zusammen mit den Priestern Markus Urban und Markus Daschner (beide ehemalige Schüler von Mathes) und dem Priester Thomas Helm (Sohn der Cousine von Mathes) sowie Diakon Alfons Eiber konzelebrierte er die Messe.
Der Mensch Martina Mathes
Mit einer kurzen, aber emotionalen Trauerrede hat er dabei das Leben von Mathes umrissen. Immer wieder stellte er den „Menschen Martina Mathes“ mit ihrer Liebe zu Frankreich und zu ihrem Beruf als Lehrerin heraus. Sie sei „eine kleine Frau, ganz groß“ gewesen. Als bei Autofahren das Lied „Every little thing she does is magic“ (Jedes kleine Ding, das sie tut, ist zauberhaft) gehört habe, habe er dabei an Mathes gedacht. So ein Mensch sei sie gewesen. Sie bleibe bei uns durch die Erinnerungen, die wir an sie haben. „Die Melodie ihres Lebens wird weiterklingen.“ Sie sei jetzt bei Gott und werde wiederauferstehen.
Musikalisch begleitet wurde die gesamte Messe vom Torelli-Orchester. Hier hatte Mathes die Geige gespielt.
An vier zentrale Punkte des Lebens von Martina Mathes erinnerte Landrat Franz Löffler. 1981 sei sie als Referendarin nach Waldmünchen gekommen. Ihre Schüler hätten sie geschätzt. Mit 36 Jahren sei sie bereits Schulleiterin geworden – als erste Frau an einer Wirtschaftsschule in Bayern. Ihre Schüler seien von der Wirtschaft geschätzt worden. Als die sechsstufige Realschule eingeführt wurde, war die vierstufige Wirtschaftsschule nicht mehr haltbar. Mathes habe ihm viele Argumente geliefert, um in Waldmünchen stattdessen eine Realschule aufzubauen. Wie ihre Haltung war, zeigten ihre Abschiedsworte als Schulleiterin: „Mein Arbeitgeber war nie das Kultusministerium, sondern es waren die Schüler.“
Katholische Soziallehre vorgelebt
Er sei ihr dankbar, so Löffler weiter, dass sie sich überzeugen ließ, in die Politik zu gehen. Mit guten Argumenten, statt lauten Tönen, habe sie Familien-, Jugend- und Wirtschaftspolitik als Stadträtin und Kreisrätin gemacht. Zudem sei Mathes eine „exzellente Brückenbauerin“. Im Sinne von „Nie wieder Krieg“ habe sie in den der Städtepartnerschaft mit Combourg den europäischen Gedanken gelebt. Mathes sei ein außergewöhnlicher, kluger und intelligenter Mensch gewesen. Sie habe „die katholische Soziallehre vorgelebt“.
„Die Stadt, der Stadtrat, das MGH, der Französisch-Stammtisch, das Partnerschaftskomitee und der Verein zur Förderung der Naturstiftung Böhmerwald-Schwarzachtal trauern bestürzt, betroffen und zutiefst berührt um diese Waldmünchen und die gesamte Region bereichernde Frau“, so leitete Bürgermeister Markus Ackermann seine Trauerrede ein. Es gebe im Leben das seltene Glück „Menschen zu treffen, denen zu begegnen einfach Freude macht“. Sie könnten andere „begeistern und überzeugen“. „Martina Mathes war so ein Mensch“, sagte Ackermann. Er hob die „freundliche, unkomplizierte, unaufgeregte und von keinerlei Eitelkeiten beeinträchtigte Art“ von Mathes hervor.
Zunächst ging der Bürgermeister auf Mathes Erfolg als Schulleiterin der Wirtschaftsschule ein, um aber auch die erfolgreiche Weichenstellung für die Realschule hervorzuheben. Vier Wahlperioden sei Mathes als Stadträtin eine „kluge Ratgeberin“ gewesen, die ihr Wissen auch im Kreistag einbrachte. Zudem sei Mathes 24 Jahre lang Dozentin der VHS und im Verein Waldmünchen aktiv gewesen.
Ein letzter Gruß an „Chère Martina“
Sie sei Initiatorin des Mehrgenerationenhauses gewesen, das 16 Jahre lang ihre Herzensangelegenheit war. Seit 2014 leitete Mathes auch den Französisch-Stammtisch, der in der Rede des Bürgermeisters einen „letzten Gruß“ an „Chère Martina“ sandte, ebenso wie die Naturstiftung Schwarzachtal ihrem Gründungsmitglied.
Breiten Raum in der Trauerrede nahm auch Mathes Engagement für die Städtepartnerschaft mit Combourg ein. Eine Delegation aus Combourg mit Bürgermeister mit Joël Le Besco war zur Trauerfeier extra angereist. 30 Jahre lang, so Ackermann, habe Mathes das Partnerschaftskomitee geleitet und trotz der Entfernung von 1300 Kilometern eine lebendige Freundschaft zwischen den beiden Städten geschaffen. Sehr am Herzen und von ihr auch stark finanziell unterstützt, waren die Aufführungen des Chateaubriand-Stücks von Bernhard Setzwein. Daraus entnahm Ackermann seinen letzten Gruß als Bürgermeister an die Ehrenbürgerin: „... mein Städtchen. Meine kleine Heimat. Wie schön es dort doch war. Ich verlasse Waldmünchen... mit einer Art Traurigkeit.“
Auch Combourg trauert
Zuletzt sprach der Bürgermeister von Combourg Joël Le Besco: Mit Waldmünchen trauerten auch viele Bürger von Combourg um Martina Mathes. Ihr zu Ehren werde man auch in Combourg einen Gedenkgottesdienst halten. Mathes sei das Fundament der Städtepartnerschaft. Sie habe einem „Geist der Freundschaft“ geschaffen, indem sie in Musik, Literatur und Geschichte das Verbindende in den Vordergrund gestellt habe. (Übersetzt wurde die Rede von Julia Bacherl vom Partnerschaftskomitee)




