Waldmünchner Urlaubsland will großes Digitalprojekt beantragen

Drei Wünsche hat die Stadt Waldmünchen heuer im Regionalbudget des Aktionsbündnisses Cerchov plus. Entweder soll es zehn Großschirme für den Marktplatz geben, alternativ neutrale Biertischgarnituren oder eine Überdachung für die Veranstaltungsbühne. Welcher und ob einer der Wünsche erfüllt wird, entscheidet jetzt ein Gremium der ILE.
Allerdings machte der Zweite Bürgermeister Martin Frank darauf aufmerksam, dass das Regionalbudget pauschal um 25 Prozent auf 75 000 Euro gekürzt wurde und damit auch die Wunscherfüllung bescheidener ausfalle.
Bürgermeister erkrankt
Frank leitete die Sitzung für den erkrankten Markus Ackermann. Auch mehrere Stadträte waren der Sitzung ferngeblieben. Man sei aber „trotz der Lücken“ beschlussfähig, sagte Frank eingangs der Sitzung.
Vorgestellt wurde dem Stadtrat auch die neue Umsetzungsbegleitung des Aktionsbündnisses Cerchov plus. Wie berichtet, wird künftig die Beratungsfirma CIMA das externe Projektmanagement übernehmen, da die bisherige Projektmanagerin Ines Niedziella erkrankt ist. Bettina Scheck, die sich aufseiten der Stadtverwaltung um Cerchov Plus kümmert, sagte, dass man froh sei, CIMA so kurzfristig als Partner gewonnen zu haben. Eine Nachfrage von Stadtrat Christian Lommer, ob es bei der CIMA einen für das Aktionsbündnis zuständigen Ansprechpartner gebe, beantworte der Zweite Bürgermeister so: Der Vorteil von CIMA sei, dass es sich um ein Team handele, also könnte auch ein Wechsel leichter personell verkraftet werden.
„Erfreut“, so der Beschlussvorschlag, haben die Stadträte auch zur Kenntnis genommen, dass das Finanzministerium die Stadt bei Investitionsmaßnahmen weiterhin mit Stabilisierungsmitteln in Höhe von 500 000 Euro unterstützt.
Die Stadt wünscht sich eine „Digitale Erlebniswelt“. Über Internet und Social-Media-Kanäle soll die „regionale Identität“ gestärkt werden. Dafür will die Stadt ein Projekt des Heimatministeriums nutzen, das sich Heimat-Digital-Regional-Förderrichtlinie nennt. Allerdings kann das die Stadt nicht allein tun. Das Förderprogramm lässt einzelne Gemeinden nicht als Antragsteller zu, allerdings Vereine. Also nutzt die Stadt Waldmünchen den als Verein organisierten Zusammenschluss von sechs Gemeinden im Waldmünchner Urlaubsland. Dieser Tourismusverband stellt jetzt den Antrag auf eine Digitale Erlebniswelt.
Das Projekt könnte bis zu 350 000 Euro kosten, würde drei Jahre laufen und wäre bis zu 90 Prozent förderfähig. Dabei werden die Beiträge, die jede einzelne Gemeinde zu leisten hat, nach den Übernachtungszahlen gestaffelt, wie Bürgermeister Frank auf Nachfrage von Stadtrat Simon Aumann erklärte. Damit müsse zwar Waldmünchen den größten Anteil der zehnprozentigen Restsumme aufbringen, werde aber auch als Tourismusort am meisten davon haben.
Was sich konkreter hinter dem Projekt verbirgt, listet die Sitzungsvorlage so auf: digitale Angebote aus Kunst und Kultur, Videos und Bildergalerien von Veranstaltungen, digitale Angebote der Nachbarschaftshilfe, des Seniorenmobils und der Erwachsenenbildung, Aufrufe zu Projekten, eine digitale Bürger-Pinnwand, digitale Darstellung wichtiger Objekte aus den Museen, Testimonials zu regionalen Erfolgen, ein KI-Assistent, ein Analysetool und Begleitung durch einen Kümmerer. Ziel der Aktion sei es , „durch die Stärkung der regionalen Identität den negativen demografischen Entwicklungen entgegenzuwirken“.
Neue Zeiten im Touri-Büro
Veränderungen gibt es auch beim Tourismusbüro selbst. Es soll neue Öffnungszeiten bekommen. So wird eine Mittagspause eingeführt. Dafür werde das Tourismusbüro aber eine Stunde früher, nämlich um 8 Uhr öffnen. Dies werde auch den Touristen entgegenkommen, vermutet der 2. Bürgermeister Frank. Die neuen Öffnungszeiten ab März sehen damit so aus: Oktober bis Juni: Montag bis Donnerstag 8 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12.30 Uhr. Im Sommer von Juli bis September ist das Tourismusbüro zusätzlich am Freitagnachmittag von 13.30 bis 16 Uhr und am Samstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.
Viel Leistung für vergleichsweise wenig Geld
Kurz und knapp hat heuer Susanne Nock den jährlichen Tätigkeitsbericht des Mehrgenerationenhauses vorgestellt. Dabei machte sie deutlich , dass das Haus mit rund 50 000 Euro Unterstützung „klar kommt“ . Das meiste Geld kommt dabei vom Bund, 10 000 Euro kommen von der Stadt. Weitere 10 000 Euro waren 2024 als Anschubfinanzierung für die Nachbarschaftshilfe gedacht. Diese 10 000 Euro stehen heuer nicht mehr zur Verfügung. Jetzt findet die Bürgersprechstunde nur noch 14-tägig statt und ein Teil der Arbeiten wird durch Ehrenamtliche getragen, zudem versuche man einen Zuschuss über die Stiftung Ehrenamt zu erhalten. Nock: „Wir haben nicht viel Geld, sind aber zufrieden, wenn die Mittel aus dem Familienministerium kommen.“ Kämen sie nicht, werde man im Sommer vor einer akuten Finanznot stehen.
Ansonsten nutzte Nock die Gelegenheit im Stadtrat zu sprechen, um kurz das umfangreiche Programm des Hauses vorzustellen und einen Ausblick auf neue Projekte zu geben. Nock erinnerte an die Kleidertauschpartys im Frühjahr und Herbst, die auf großen Anklang in der Bevölkerung stießen. Das MGH habe sich an der Demo für mehr Demokratie beteiligt. Für den Spieletreff im Gemeinschaftshaus der Seniorengenossenschaft habe man das Haus verlassen. Mit dieser Aktion bewerbe man sich auch für den Bayrischen Engagementspreis. Man habe eine Osteraktion gemacht, organisiere jedes Jahr den „begehbaren Adventskalender“ und veranstalte ein die ganze Stadt umfassendes Weihnachtswichteln. Im MGH hätten mittlerweile etliche Selbsthilfegruppen ihren Treffpunkt sowie mehrere Chöre ihre Heimat. In der Erwachsenenbildung organisiere man Sprachkurse und biete Kreativ-Kurse an. Sehr gut angenommen werde der Digital-Treff für ältere Menschen. Zusammen mit dem Kneippverein kümmere man sich um Gesundheits- und Sportkurse. Das MGH arbeite mit dem Seniorenbeirat, der neuen Gemeindeschwester und der KAB zusammen.
Zur Personalsituation sagte Nock ohne auf Einzelheiten einzugehen: „Wir kommen über die Runden.“ Verschiebungen wurden in der Gruppe ausgeglichen.
Beim Ausblick auf 2025 sagt Nock, dass es demnächst ein en Kochkurs mit Rezepten der alten Römer gebe und man an verschiedenen Samstagen Straßenflohmärkte plane, bei denen im Sinne der Nachhaltigkeit die Anwohner straßenzugweise Dinge anbieten sollten, die sie nicht mehr brauchten. Zudem sei eine Kooperation mit dem deutsch-tschechischen Hindleprojekt geplant.
Der 2. Bürgermeister Martin Frank dankte dem MGH-Team für ihren Einsatz. Dass die Nachbarschaftshilfe nach der Anschubfinanzierung ohne zusätzliche Mittel der Stadt laufe, lobte er.
Gedenken an Martina Mathes im Stadtrat
In einer langen Schweigeminute gedachte der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag der verstorbenen Stadträtin und Ehrenbürgerin Martina Mathes. Bürgermeister Martin Frank stellte noch einmal die Leistungen von Mathes, als Schulleiterin, in der Politik und im Ehrenamt, für das MGH und die Städtepartnerschaft mit Combourg heraus.
Der Trauergottesdienst für Martina Mathe findet am Freitag um 14.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Stephan. Für die Ehrengäste werden Plätze reserviert: Stadtrat, kommunale Ehrengäste, Stadtverwaltung im rechten Seitenschiff (Eingang Stefanstraße/Kirchturm); Gäste aus Combourg, Partnerschafts-Komitee, Französisch-Stammtisch und Mehrgenerationenhaus im linken Seitenschiff (Eingang Kirchstraße), Familie der Verstorbenen und Kollegium der früheren Wirtschaftsschule im Hauptschiff. Die Ansprachen von Landrat und Bürgermeister finden nach dem Gottesdienst in der Kirche statt, anschließend ist die Urnenbeisetzung am Waldmünchner Friedhof.
Für auswärtige Gäste ist ab Mittag das Mehrgenerationenhaus geöffnet. Im MGH kann auch die Kondolenzpost abgegeben werden.
Jürgen Lampatzer wird der Nachrücker
Bei der Sitzung am Dienstag gab Bürgermeister Martin Frank bekannt, dass Jürgen Lampatzer für Mathes in den Stadtrat nachrücken wird. Die Vereidigung werde in der Märzsitzung geschehen. Lampatzer schreibt dazu: „ Der plötzliche Tod von Martina Mathes hat auch mich völlig geschockt. Während meiner Schulzeit war Frau Mathes bereits Schulleiterin an der Ludwig-Erhard-Schule. Von 2014 bis 2020 war mein Platz im Waldmünchner Stadtrat unmittelbar neben Martina Mathes. Bei den Kommunalwahlen 2020 konnte ich 1099 Stimmen erzielen, was mich zum 1. Nachrücker für die CSU Waldmünchen machte. Ich habe mich dazu entschieden die Nachfolge anzutreten. Aus Respekt vor Frau Mathes aber erst zur Märzsitzung, nach der Beisetzung.“


