Die Waldmünchnerin Julia Ackermann: „Über Japan kann ich ewig erzählen“

„Der Abend wird spannend“, da ist sich der Dirrmaler-Wirt, Alois Nock, sicher. Tatsächlich, wenn man Julia Ackermann zuhört, sobald sie über Japan spricht, dann denkt man immer wieder: „Boah, das habe ich nicht gewusst. Interessant“.
Ein Jahr hat die Tochter des Bürgermeisters 2023/24 in Japan verbracht und das Land und die Leute lieben gelernt. Mehr als sie wahrscheinlich selbst erwartet hätte. 3000 Bilder hat sie gemacht. Einen Teil davon will sie bei einem Vortrag am 16. Februar um 18 Uhr im Dirrmaler -Wirt zeigen. 300 Fotos habe sie schon ausgewählt, aber sie werde wohl noch einmal eine Auswahl treffen müssen. Ein Problem, über Japan zu erzählen, hat Julia jedenfalls nicht: „Ich kann ewig erzählen, dabei habe ich soviel noch gar nicht gesehen!“
Der Vortag ist auch so etwas wie ein Geschenk an Elisabeth Ruhland. Denn sie als ehemalige KAB-Vorsitzende habe den Anstoß dazu gegeben, der neue Vorsitzende Alois Nock hat die Anregung umgesetzt.
Wie bei jeder guten Erzählung gehört auch zu dieser eine kleine Liebesgeschichte. Denn in Japan hat Julia Ackermann auch einen Partner gefunden. Zusammen mit Katsuhiro Shimizu hat sie sich viele der Sehenswürdigkeiten in Tokio angesehen. Schon im März will sie ihren Freund, den sie kurz Kats nennt, wieder in Japan besuchen. Vorher will sie den Waldmünchnern aber in einem Vortrag mehr Wissen über das fernöstliche Land vermitteln.
Google-Translator zur Verständigung
Ein Jahr lang war Julia Ackermann als Work-and-Travel in Japan. Das bedeutet, als unter 30-Jährige nutzte sie ein Visum, das ihr ein Jahr lang Arbeiten und Reisen in Japan erlaubt. Größtes Problem dabei war die Sprache, berichtet Ackermann. „Nur etwa 50 Prozent der Japaner sprechen Englisch“, sagt sie. Zwar habe sie einen zweimonatigen Sprachkurs in Tokio gemacht. Aber ihre Idee, sich danach wenigstens in Grundbegriffen unterhalten zu können, musste sie sich abschminken. Selbst heute noch tue sie sich schwer mit der japanischen Sprache und Schrift. Ihr Freund dagegen lerne Deutsch wesentlich schneller. Und so musste sich Julia Ackermann mit Hilfe des Google-Übersetzers auf dem Handy durchschlagen, was gut geklappt habe.
Arbeiten wollte Julia Ackermann bei ihrem Japanaufenthalt auf einer Farm. Die Gelegenheit dazu bekam sie auf der Nordinsel Japans, in Hokkaido – bei uns durch den gleichnamigen Kürbis bekannt. Hokkaido ist ländlich und von der Landwirtschaft geprägt. Auf ihrer Farm kümmerte sich Julia um die Brokkoli-Ernte. Der Brokkoli sei mit einer Art Sichel per Hand geerntet worden. Dass sei wegen des ständigen Bückens ziemlich anstrengend gewesen. Trotzdem: „Ich mag Brokkoli immer noch!“, sagt Julia.
Dort habe sie eine ältere Dame kennengelernt, die ihr sehr geholfen und viel über die japanische Kultur beigebracht habe. Über ihre Vermittlung habe sie auch in einem kleinen Laden Cupcakes und Obsttartes verkaufen können. Dazu muss man wissen, dass Julia Ackermann gelernte Konditorin ist und vor ihrer Zeit in Japan drei Monate in einer Patisserie in Frankreich gearbeitet hatte. In Japan machte sie die Entdeckung, dass dort die Patisserie auf höchstem Niveau steht und vergleichbar zu der in Frankreich ist. Ein Lieblingskuchen der Japaner sei übrigens der Baumkuchen, das Zunftzeichen aller deutschen Konditoren. Bei uns ist der Kuchen kaum mehr zu erhalten, in Japan dagegen fast überall präsent.
Nach ihrem Aufenthalt in Hokkaido erkundete Julia die Mega-City Tokio. Dabei lernte sie ihren Freund Kats kennen. „Es war nicht geplant, dass ich jemanden kennenlerne“, sagt Julia. Dennoch setzte sie auch mit zwei Freunden aus Waldmünchen, die sie besuchten, die Reise durch Japan fort. Sie besichtigte die Insel von Nord nach Süd und ist von der Vielfalt der Landschaften begeistert. Während die südlichen Inseln geradezu tropisch seien, sehe Hokkaido fast aus wie Deutschland. Sie habe die Kaiserstadt Kyoto besucht und war von den Städten der Atombombenabwürfe, Nagasaki und Hiroshima, tief beeindruckt.
Ein gutes Reiseland
Japan sei auf jeden Fall eine Reise wert, fasst Julia zusammen. Das Land sei auch für alleinreisende Frauen sicher und durch den guten Wechselkurs zum Yen relativ günstig.