Der „grüne Kohlenstoff“ der Landwirte: BBV-Präsident Felßner besucht Wullnhof

Ziemlich prominenten Besuch hatte die CSU-Wahlkämpferin Martina Englhardt-Kopf am Montag auf den Wullnhof bei Waldmünchen gebracht. Günther Felßner ist nicht nur der Bayerische Bauernpräsident, sondern herausgehobener CSU- Politiker und tritt auf Platz drei der Landesliste zur Bundestagswahl am 23. Februar an. Er gilt als Wunsch-Landwirtschaftsminister Söders nach einem Erfolg bei der Bundestagswahl.
Der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp sagte, Felßner sei als Spitzenkandidat „wichtig für Entwicklung im ländlichen Raum“.
Der Wullnhof wurde nicht von ungefähr gewählt. Schließlich war Josef Wutz über Jahrzehnte der Kreisobmann des BBV und zuletzt sogar fünf Jahre lang der Bezirkspräsident. In dieser Funktion hat er auch Felßner kennengelernt, der sich freute, jetzt den Hof des BBV-Kollegen zu besichtigen. In Wullnhof betreibt Wutz mit 390 Rindern Milchwirtschaft und eine kleine Biogasanlage mit 75 Kilowatt Leistung. Täglich 9000 Liter Milch werden auf dem Hof produziert und gehen an die Molkerei Bechtel und letztlich unter dem Label „ein gutes Stück Bayern“ zum Discounter Lidl. Diese Molkerei hatte Felßner vorher besichtigt.
Mehr Landwirtschaft, nicht weniger: so könnte man den Leitgedanken Felßner um schreiben. Er sieht dabei die Landwirtschaft als entscheidenden Lieferanten von Nahrung und Energie in der Zukunft. Die Aufgabe von landwirtschaftlichen Flächen zugunsten der Natur hält er für ein Denken aus dem „vergangenen Jahrhundert“. In Zeiten der Überproduktion und der Umweltverschmutzung könnte die Absicht die Landwirtschaft zu reduzieren ja noch richtig gewesen sein, stellte Felßner dar.
Biomasse ist wichtig
Mittlerweile sei dies aber überholt, weil man aus dem „schwarzen Kohlenstoff“ aussteigen müsse. Damit meint Felßner fossile Energien. Die möchte er durch grüne Energie ersetzten. Als „grünen Kohlenstoff“ stellt er dabei besonders die in der Landwirtschaft aus Biomasse gewonnene Energie in den Vordergrund. PV-Anlagen erwähnte er nur mit einer Randbemerkung, Windenergie gar nicht. So müsse die Landwirtschaft künftig die Ernährung sichern. Mit den gleichen Flächen soll sie regenerative Energie über Biomasse und Tierhaltung erzeugen, biogene Alternativen zu Kunststoff anbauen und die Ressourcen Boden, Wasser und Luft sichern und erhalten.
Diese „Transformation“ werde Geld kosten. Felßner sprach von zehn Prozent des Bruttosozialprodukts, die durch eine höhere Arbeitsleistung der gesamten Gesellschaft erbracht werden soll. Den „Green Deal“ der EU bezeichnete er mehrfach als „Dirty Deal“. Das Versagen der jetzigen Regierungspolitik sieht Felßner nämlich vor allem darin, auf Kosten der Wirtschaft Regelungen zu erlassen.
Wie Felßner mit Regelungen umgehen will, machte er an einem Beispiel zur Gülleausbringung deutlich. Dies soll bei einer in einem bestimmten Prozentverhältnis verdünnten Gülle weiter per Hochbord möglich sein. Aber anstatt auf Anträge und Dokumentation dazu zu setzen, habe er vorgeschlagen, dass dies ähnlich wie bei Verkehrsregeln gehen müsse. Man stellt eine Regel auf und wer dagegen verstößt und dabei erwischt wird, wird bestraft. So ließe sich viel Bürokratie vermeiden. Sollte er Landwirtschaftsminister werden, dann würde ein Staatssekretär allein mit der Deregulierung beschäftigt sein.
Thema Anbindehaltung
Ein anderes Thema führte der Chamer BBV-Kreisobmann, Franz Holzapfel, i ein. Dabei ging es um die Anbindehaltung von Rindern, die noch von rund 50 Prozent der Betriebe im Landkreis praktiziert werde. Er wollte Felßners Haltung zu diesem Thema wissen. Die Anbindehaltung sei eh im Verschwinden begriffen, argumentierte Felßner. Solche Ställe würden nicht mehr gebaut. Er hätte das Verschwinden der Anbindehaltung abwarten können. Allerdings sei der gefundene Kompromiss mit einer Übergangszeit von zehn Jahren tragbar. Wichtig wäre für ihn, dass eine Kombination aus Anbindehaltung und Bewegungsstall weiterhin möglich wäre.