Der Waldmünchner Bürgermeister Ackermann fordert Zusammenhalt ein

Es waren eher düstere Gedanken, mit denen Bürgermeister Markus Ackermann in seine Rede zum Jahresempfang einstieg. Ganz klar merkte man, Ackermann macht sich Sorgen, was die große politische Lage, die Veränderungen in der Gesellschaft und die Verschlechterung der Wirtschaft betrifft. Dem setzt Ackermann seinen Wunsch auf Zusammenhalt entgegen. Den sieht er in vielen Teilen in Waldmünchen erfüllt. Doch sehen wir uns die Rede genauer an.
„Russland, China und der Iran tun alles dafür, dass die freiheitliche Welt den Bach hinunter geht und die Ordnung – von der Deutschland stark profitiert – nicht mehr besteht.“
Mit dieser Einschätzung gab Ackermann das wieder, was Professorin Gerlinde Groitl beim Jahresempfang des Landkreises gesagt hatte. Ackermann ging weiter auf die Rede ein und sagte, dass die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz die Unterscheidung von Wahr und Falsch erschwere und der politische Umbruch in den Gesellschaften dazu führe, dass politische Gegner als Feinde betrachtet werden.
„Will nicht sadistisch sein!“
„Ich will nicht sadistisch sein“, sagte Ackermann, aber mit einer schrumpfenden Wirtschaft gebe es ein weiteres Problem. Es gebe einen Dreiklang: „Billige Energie aus Russland – weg; Traumabsätze in China – weg; Kostenloser Schutz durch das US-Militär – weg!“ Das „Menu des Grauens“ (Zitat) setzte Ackermann fort, indem er einen Trend zu autoritären Staatsformen beschreibt und eine Haltung von Menschen benennt, die „Liebe, Wertschätzung und Mitgefühl durch Gleichgültigkeit, Respektlosigkeit und lustvolle Feindschaft“ ersetzt.
Auf der Suche nach einem Silberstreif habe er sich an die Reden von Bundeskanzler und Bundespräsident erinnert. Bei denen stand der Begriff Zusammenhalt im Mittelpunkt, so Ackermann. Er zitiert: „Unser Zusammenhalt macht uns stark.“ Danach wechselt er den Fokus: „Die Zukunft der Demokratie entscheidet sich in den Regionen, Städten und Gemeinden“, zitiert Ackermann den Zukunftsforscher Daniel Dettling und resümiert: „Beeinflussen können wir Gesellschaft, Politik und Umwelt bei uns zu Hause, in unserer Familie, in der Gemeinde, im Landkreis in der Region, in unserer Heimat.“ Waldmünchen arbeite „ganz bewusst an diesem Zusammenhalt“.
Mit diesen Worten leitet er den zum Jahresempfang gehörenden Rück- und Ausblick auf die Geschehnisse in Waldmünchen ein. Ackermann geht zunächst auf die Wirtschaft ein und stellt fest, dass im Gewerbegebiet Schwarzach die heimische Firma ehb ihr Betriebsgebäude errichtet und die Firma Streicher kurz vor dem Start des Geschäftsbetriebes stehen. Das Gründerzentrum habe mit Intercars einen weiteren Betrieb aufgenommen, und die Bäckerei Philipps sei mit ihrem 360 Grad Laib „überregional anerkannt“. Die Gastronomie am Marktplatz und am Perlsee habe engagierte Pächter gefunden. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Waldmünchen sei auch der Tourismus, der leichte Tendenz nach oben habe.
Breiten Raum in der Rede nahm der Bildungsstandort Waldmünchen ein. Ackermann stellte die anstehenden Millionenprojekte neue Schulküche und die Um- und Neubauten für die Ganztagesbetreuung in Waldmünchen und Geigant vor und zeigte die Bedeutung von Technikerschule und Jugendbildungsstätte für die Stadt. „Jede Investition in Bildung ist ein Beitrag zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung, zum Start in ein erfolgreiches Leben, zum Funktionieren von Staat und Wirtschaft, zum Erhalt und Schutz von Kultur und Umwelt.“
„Gemeinsam diskutieren und entscheiden“ werde man heuer über eine neue Stadthalle, sagte Ackermann. Er verwies zudem auf die Sanierung des Gasthauses Kamm, der Festspielbühne und die Umgestaltung von vier städtischen Plätzen. Für heuer stehe die Neugestaltung des Saubrunnenplatzes und die Möblierung des Marktplatzes an. Die ersten Bauplätze im Neubaugebiet Johannisbühl seien verkauft.
Mit Blick auf die Infrastruktur nennt Ackermann die abgeschlossenen Projekte an den Kläranlagen, die Ortsstraße in Grafenried und den Ausbau der Staatsstraße bei Geigant. Heuer werden der 2. Bauabschnitt der Ortsdurchfahrt Geigant, weitere Kanalsanierungen und der Neubau der Heimkehrerstraße angepackt. Beim schnellen Internet sind die Projekte im Gemeindegebiet nahezu abgeschlossen.
Bei den Feuerwehren verwies Ackermann auf die Anschaffungen der Drehleiter für die FFW Waldmünchen und eines LF 10 für die FFW Geigant. Heuer werde ein Mannschaftstransportwagen für die Feuerwehr Waldmünchen angeschafft.
Ein kulturelles Angebot „das für eine Stadt unserer Größenordnung bestimmt nicht selbstverständlich ist“, stellte Ackermann fest. Er hob das Trenckfestspiel und die Chateaubriandaufführungen heraus und erwähnte das Schülertheater mit der Bundespolizei, den Kultursommer und Veranstaltungen im Bürgertreff.
Bei der Vorstellung der Städtepartnerschaften sagte der Bürgermeister, dass man heuer erstmals die Sistercity in Plain besuchen werde und Ende August der Besuch in Combourg auf dem Programm stehe.
Appell zum Zusammenhalt
Zum Schluss seiner Rede griff Ackermann noch einmal den Beginn auf und stellte den negativen Entwicklungen die Zusammenarbeit in der Region gegenüber. Er sagte: „Unsere Gemeinde, unsere Heimat ist unser naheliegendstes Betätigungsfeld, in dem wir als Partner öffentliches Leben und Gemeinwesen zum Wohle aller gestalten können.“
Weiter sagte Ackermann: „Seien wir also nicht frustriert, wenden wir uns nicht ab, schimpfen wir nicht lautstark auf alles und jeden, sondern stehen wir als Demokraten zueinander und leben und pflegen wir als mündige Bürger unsere im Grundgesetz und unserer Kultur verankerten Werte durch ein konstruktives Miteinander, durch Kompromissbereitschaft – durch Zusammenhalt!“