Warum zwei Frauen in Waldmünchen ein keltisches Fest zum Ende des Winters begehen

Von Martin Hladik · 30. Januar 2025 um 11:00

„Am 2. Februar laden Katharina Gruber und Kinga Köhler ab 18 Uhr zur Kakaozeremonie anlässlich des keltischen Festes Imbolc ins Mehrgenerationenhaus ein“ – so heißt es in einer Ankündigung des MGH Waldmünchen. „Was ist das, bitte?“ hat sich der Autor gedacht und sicher auch mancher Leser.

Der erste Blick bei solchen Fragen geht heutzutage ins Netz. Da heißt es auf Wikipedia zum Beispiel: „Der Name Imbolc kommt vom altirischen imb-folc (Rundum-Waschung) und kennzeichnet es damit als Reinigungsfest.“ Ok, also sowas wie ein Frühjahrsputz, oder doch nicht? Ein weiterer Blick ins Netz zeigt, dass es sogar Festivals zu diesem Namen gibt und alles irgendwo etwas mit neuzeitlichem Schamanismus zu tun hat.

Keltisches Jahreskreisfest

Wirklich weiterhelfen können aber Katharina Gruber (26) und Kinga Köhler (41), die die Imbolc-Veranstaltung in Waldmünchen machen. Beide stammen aus der Region. Beide eint das Interesse an der Natur. Gruber macht derzeit eine Ausbildung als Heilpraktikerin, Köhler als Erlebnispädagogin.

„Imbolc ist ein Jahreskreisfest“, sagt Köhler und Gruber ergänzt: „Es gehört zum Zyklus der Natur, und das Gespür dafür geht uns immer mehr verloren. “ Das keltische Imbolcfest entspreche einfach am meisten dem, was sie fühlten, betonen beide.

Es sei ein Reinigungsfest, sagt Köhler. „Es wird ab Anfang Februar wieder heller“, stellt Gruber fest. Lichtmess sei die christliche Entsprechung des alten keltischen Festes. „Ich wasche das Alte von mir und gehe ins Neue“, verdeutlicht Köhler. Und in diesem Sinne habe es auch etwas mit dem Frühjahrsputz zu tun.

Auch wenn sie sich als Schamanin ausgebildet habe, sagt Gruber, habe das für sie nichts mit Religion oder Glauben zu tun, sondern sei „eher eine Lebenseinstellung“. Für sie sei alles beseelt, der Wind, das Feuer, die Natur überhaupt. In der Verbindung mit der Natur erlebe sie „Selbstermächtigung“. „Ich weiß dann, dass es mir gut geht!“, sagt Gruber.

Der neu-keltische Jahreskreis hat acht Festtage, die mit den Tag- und Nachtgleichen, den Sonnwendtagen und vier dazwischenliegen Jahrestagen zu tun haben. Laut Wikipedia ist allerdings umstritten, ob sich die Festtage tatsächlich auf ursprünglich keltische Feste beziehen. Einer dieser Festtage ist der Imbolc. Sehr bekannt, und schon beinahe touristisch, ist das Sommersonnenwendefest in Stonehenge.

Was geschieht in Waldmünchen? Zunächst machen Köhler und Gruber darauf aufmerksam, dass die Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus von Frauen für Frauen ist. „Erfahrungsgemäß melden sich auch nur Frauen an“, sagt Gruber. Für Männer werde man einen anderen Termin im Jahreskreis finden. Die Frauen sollen sich ganz ungezwungen und ohne Verpflichtungen fühlen. Das gehe in einer solchen Umgebung leichter, erklärt Köhler. Hier sprächen zwei Frauen andere Frauen an, um zu zeigen, „dass wir als Weiber ganz schön viel Power haben“.

Man werde mit einer Kakaozeremonie beginnen. Dabei werde echter Kakao mit Öl zubereitet. Danach folge „befreites Tanzen“, um alles loslassen und von sich schütteln zu können, erklären beide. Die Nachfrage, warum ausgerechnet Kakao, der habe doch sicher nichts mit den Kelten zu tun, beantwortet Köhler. Das stimme. Dennoch sei Rohkakao eine wichtige Pflanze mit großem Potenzial für solche Zeremonien. Kakao werde die Fähigkeit zur „Reinigung und Herzöffnung“ zugesprochen, ergänzt Gruber.

Immer wieder betonten beide Frauen, dass diese Jahreskreisefeste viel mit dem Wunsch zu tun haben, wieder Kontakt mit der Natur und den jahreszeitlichen Abläufen zu haben. Das Fest müsse auch nicht Imbolc heißen, es sei einfach eine Feier der anstehenden Veränderungen in der Natur. Für solche Empfindungen hätten beide in der keltischen Mythologie die größte Entsprechung gesehen, sagt Köhler.

Heilsame Natur

Der Kreis, der sich für dieses Thema direkt interessiert, sei eher klein. Man treffe sich eher zufällig bei Veranstaltungen, erzählt Gruber. Allerdings interessierten sich viele Menschen für Achtsamkeit und ein Zurück zur Natur. Das sehe man zum Beispiel in den Interessen an Yogakursen , sagt Gruber.

Wie heilsam aus ihrer Sicht Natur ist, machen Beide an Beispielen deutlich. Viele Menschen würden sich ständig Reels ansehen, aufs Handy schauen und die umgebende Natur nicht wahrnehmen, erklärt Gruber. Und Köhler ergänzt: Sie erlebe den Wald als entspannend. „Da werden keinerlei Bedingungen an mich gestellt.“ Diese Erfahrung erkläre vielleicht auch, warum die Genesungrate von Menschen im Krankenhaus größer ist, wenn sie einen Baum sehen können.