Kein Grab mehr nach Kirchenaustritt? Burglengenfelds Pfarrer löst hitzige Debatte aus

Von Thomas Rieke · 14. Februar 2025 um 19:00

Es war nicht anders zu erwarten: Die Berichterstattung darüber, dass Menschen, die der katholischen Kirche den Rücken gekehrt haben, ihren Anspruch verwirkten, auf deren Friedhöfen bestattet zu werden, hat viele Bürger aufgewühlt. Pfarrer Michael Hirmer, Kopf der katholischen Stadtkirche Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf).

Pfarrer Michael Hirmer hatte mit seiner Information, die im Februar-Pfarrbrief der katholischen Stadtkirche nachzulesen ist, nach eigenen Angaben sensibilisieren und auf die Konsequenzen eines Kirchenaustritts aufmerksam machen wollen. In den sozialen Netzwerken wird er dafür teils attackiert, teils pflichten ihm die User uneingeschränkt bei.

Hier ein paar Kostproben: „Ich hoffe, der Herr Pfarrer kommt dann auch nicht zur Stadt und bittet um Unterstützung, wenn Kirchen, Pfarrämter und Pfarrheime renoviert werden müssen. Da will ich dann als Steuerzahler auch nichts mit der Institution Kirche zu tun haben“, meint ein Nutzer auf Facebook. Der Pfarrer habe mit seinem Vorgehen der katholischen Kirche einen Bärendienst erwiesen, „darum sollte sich mal der Bischof kümmern“, erklärte ein anderer. „Si tacuisses“ (hättest du nur geschwiegen), kommentierte ein Dritter.

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Andererseits erhielt der Seelsorger auch Zuspruch: „Pfarrer Hirmer hat vollkommen recht“, urteilte eine Frau. „Wenn jemand aus der Kirche ausgetreten ist, hat er doch seine Einstellung zum Ausdruck gebracht, dass er keine Kirche braucht, um seine Ruhe zu finden“, konstatierte ein weiterer User – und folgte damit voll der Argumentation des Priesters.

Pflichtaufgabe der Kommune

Rückendeckung gibt es für Hirmer auch von Christoph Leikam, dem Pfarrgemeinderatssprecher von St. Pankratius Dietldorf; die Pfarrei gehört zur Stadtkirche Burglengenfeld.

Leikam erinnert in einer umfangreichen Stellungnahme zunächst einmal daran, dass die Totenbestattung Pflichtaufgabe der Kommune sei. Burglengenfeld komme dieser Pflicht mit dem Friedhof in der Vorstadt nach. Dass es überhaupt noch katholische Friedhöfe in Dörfern gebe, sei dem jahrhundertelangen, oftmals ehrenamtlichen Engagement aktiver Kirchenmitglieder zu verdanken.

PGR-Sprecher kämpft gegen Missverständnisse

Die teils hitzig geführte Debatte in den sozialen Medien hat Leikam „mit Erstaunen zur Kenntnis genommen“. Fakt sei, wer sich aktiv und mit voller Überzeugung gegen die Institution Kirche entscheide und austrete, stelle sich „bewusst gegen die Solidargemeinschaft der Kirche und in ihrer Konsequenz auch gegen deren Infrastruktur“. Personen, die kein Mitglied der Kirche seien, zahlten folglich keine Kirchensteuer. Wenn diese nun an einem kirchlichen Friedhof bestattet werden möchten, deren Gebühren teilweise nur ein Drittel oder ein Viertel der Kosten kommunaler Friedhöfe ausmachten, sei dies „im doppelten Sinne unsolidarisch“.

Gleichzeitig versucht Leikam, möglichen Missverständnissen entgegenzuwirken. So würden, unter bestimmten Voraussetzungen, „selbstverständlich“ auch in Zukunft Mitglieder anderer christlicher Kirchen oder einer anderen Religion auf den katholischen Friedhöfen bestattet. Sie sollten jedoch einen „Bezug zum Dorf (zum Beispiel Familie)“ haben oder dort „fest verwurzelt“ gewesen sein. Gleiches gelte, wenn die „pastorale Not der christlichen Angehörigen“ des Verstorbenen (Nichtmitglied) dies erfordere. In solchen Fällen, die Hirmer in seinem viel kritisierten Beitrag „mit Sicherheit nicht gemeint“ habe, könne der Pfarrer zusammen mit der jeweiligen Kirchenverwaltung eine Einzelfallentscheidung zugunsten einer Bestattung treffen.

Pflicht, zur Stadtkirche zu stehen?

Wenn jemand, obwohl er kein Kirchenmitglied ist, eine Bestattung in einem der katholischen Friedhöfe wünsche, werde er sich zwangsläufig mit den Themen Tod, Glaube und Kirche auseinandersetzen müssen, meint der PGR-Sprecher weiter. Und er werde, „wenn auch zähneknirschend“ zur Stadtkirche Burglengenfeld stehen müssen. Das sei er den Ehrenamtlichen vor Ort und der kirchlichen Solidargemeinschaft schuldig.

Pfarrer Hirmer möchte sich in die Debatte nicht groß einmischen. „Ich sag’ dazu nichts mehr“, erklärt er am Telefon, um dann doch noch anzumerken: „Persönlich Betroffene können sich gern bei mir melden. Dann setzen wir uns zusammen an einen Tisch und klären das.“ Diese Botschaft sei sowieso von Anfang an sein Hauptanliegen gewesen.