Ein Herzstück von Burglengenfeld steht zum Verkauf – die Stadt hält sich zurück

Da schlägt das Herz eines jeden echten Lengfelders höher: Mit dem Hauptgebäude des Almenhofs steht das mutmaßlich älteste Wohnhaus der Stadt zum Verkauf. Der Preis von 235 000 Euro hört sich verlockend an. Doch die unter Denkmalschutz stehende Immobilie mit rund 560 Quadratmetern Nutzfläche müsste vom neuen Besitzer renoviert, wenn nicht gar von Grund auf saniert werden.
Wie heimatbewusste Burglengenfelder wissen, ist die Stadt aus vier Urhöfen entstanden. Der Almenhof ist einer davon – und im Prinzip der einzige, der noch vollständig erhalten ist.
Einst herrschaftlicher Sitz
Die noch heute imposante Anlage mit dem Renaissance-Torhaus und den übers Eck stehenden Flankentürmchen dürfte aus dem späten 16. Jahrhundert stammen. Die erste urkundliche Erwähnung des Geländes lässt sich aber bereits im Jahr 817 finden, heißt es im Heimatbuch von Margit Berwing-Wittl. Die anderen Höfe (Zaschka-, Wieden- und Thurnhof) sind vermutlich im 10. oder 11. Jahrhundert entstanden.
Die Sanierung denkmalgeschützter Objekte kann eine echte Herausforderung sein. Manch Pläne sind schon gescheitert, wie am Beispiel eines weiteren Burglengenfelder Urhofs zu sehen ist. Mehr dazu lesen Sie hier.
Laut Berwing-Wittl war der Almenhof über Jahrhunderte herrschaftlicher Wohnsitz. Zurückgehend auf den Kauf durch Matthias Altmann 1578 ist seitdem auch der Name „Altmannshof“ gebräuchlich. Noch 300 Jahre später heißt die Anlage jedenfalls „Altmannsches Gut und Schlösschen“. 1806 wurde hier eine kurfürstliche Flintensteinmanufaktur eingerichtet, im nördlichen Teil war eine Gaststätte untergebracht.
Die Eigentumsverhältnisse haben sich immer wieder verändert. Das Torhaus gehört heute der Stadt, die kleineren Gebäude sind in privater Hand, und das mächtige Eckgebäude, von dem jetzt die Rede ist, war längere Zeit im Besitz des Sozialwerks Heuser. Es sanierte die Innenräume, um in fünf Wohneinheiten Beschäftigte einzuquartieren.
Erste Gespräche mit Behörden waren bereits geführt
2021 erwarb ein Immobilieninvestor aus dem Städtedreieck das historische Gebäude, um es nach und nach zu sanieren. Der junge Mann, der anonym bleiben möchte, hatte schon erste Gespräche mit allen relevanten Behörden geführt und einen Architekten beauftragt. Dem Vernehmen nach war das Ergebnis alles andere als ernüchternd, im Gegenteil. Von der Denkmalpflege habe es für die Pläne positive Signale gegeben. Die gestellten Anforderungen seien nachvollziehbar gewesen.
Je mehr Details der Eigentümer über das Objekt erfuhr, um so mehr wuchs seine Begeisterung. Der Dachstuhl beispielsweise soll aus dem 17. Jahrhundert stammen und einem Kirchenschiff ähneln, was in der Oberpfalz einmalig sei. Doch dann orientierte sich der Geschäftsführer einer GmbH beruflich um. Und sein neuer Weg schließt ein weiteres Engagement als Makler aus. Daher die Verkaufsabsicht.
Seit 1. Januar ist das Altmann’sche Schlösschen nun auf dem Immobilien-Portal des Landesamts für Denkmalpflege zu finden. Der Zustand wird als „renovierungsbedürftig“ bezeichnet. Die existierenden Wohnungen könnten auch als Gewerberäume genutzt werden, heißt es. Es liege in der Hand des Käufers zu entscheiden, wohin die Reise gehe.
Schwärmerische Töne
Ansprechpartner ist mit Luis Hermann ein Immobilienkaufmann aus Maxhütte-Haidhof. Er spricht von einem „charmanten“, „spannenden“, ja „einzigartigen Objekt“, das er gern in sein Portfolio aufgenommen habe. Erste Interessenten hätten sich schon gemeldet.
Dass die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude für die Verantwortlichen schnell zum Stresstest werden kann, ist kein Geheimnis. Ausgerechnet an einem weiteren Burglengenfelder Urhof, dem Zaschkahof, sollte sich dies erst in diesen Jahren bestätigen. Ein Investor aus dem Kreis Kelheim wollte Teile des Ensembles in moderne Eigentumswohnungen verwandeln, scheiterte aber krachend. Bis heute ist unklar, wie es mit den traurigen Resten des Ensembles weitergeht.
Wäre deshalb im Fall des Almenhofs nicht die Stadt gefordert, um ein ähnliches Desaster auszuschließen? Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) winkt ab. Die Stadt werde ihr Vorkaufrecht nicht ausüben. Sie gehe davon aus, dass der Eigentümer bereits mit privaten Interessenten in Verhandlungen stehe, die in der Lage wären, das Objekt auf Vordermann zu bringen.

