30 Obdachlose schlafen in Regensburg auch bei Minusgraden draußen: So können Sie helfen

„Es ist schrecklich“, sagt Josef Lesniak, der im Winter auch schon öfter draußen geschlafen hat. Ob an den Händen oder am Kopf – die Kälte krieche dann in jedes Körperteil. Tagsüber wisse er nicht, wie er die Zeit verbringen soll, in der Nacht könne er nicht schlafen.
Die Securitydienste wecken ihn auf und schicken ihn weiter. „Man ist ständig müde“, erklärt er. Lesniak ist nicht der Einzige, der weiß, wie sich Obdachlosigkeit im Winter anfühlt. In Regensburg gibt es derzeit 20 bis 30 Personen, die eine Unterbringung ablehnen sowie lieber draußen schlafen und leben, gibt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, Auskunft. Ihre Anzahl schwanke stark. Brigitte Weißmann, Leiterin des Referats Soziale Beratung bei der Caritas Regensburg, sagt, dass es seit November 90 Anrufe am Kältetelefon gab.
Das können Passanten tun
Dieses Handy ist ein Baustein des Hilfsprogramms für Wohnungs- und Obdachlose Noah. An dessen Nummer (0175 145 56 69) können sich noch bis Ende März rund um die Uhr Menschen wenden, die den Schlafplatz eines Obdachlosen entdecken und sich fragen, ob Hilfe notwendig ist. Dann rücken die Streetworker der Caritas aus und bieten der Person einen Schlafplatz im Warmen an, Tee oder einen Schlafsack, Decken und Winterkleidung.
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Im Winter 2023/24 habe es etwa 100 Anrufe auf dieser Nummer gegeben. Weil es seit dem Jahreswechsel kalt ist, die Sache laut Weißmann gerade richtig anlaufe und das Handy noch sechs Wochen freigeschaltet sein wird, geht sie davon aus, dass es in diesem Jahr mehr Anrufe sein werden.
Etwa zehn Prozent dieser Anrufe bezeichnet die Referatsleiterin als relevant. Das seien etwa Meldungen von Passanten, die unsicher sind, ob ein schlafender Klient in einer lebensbedrohlichen Situation ist oder nicht. Zum letzten dieser relevanten Anrufe sei es am Dienstag gekommen. Bei allen weiteren Anrufen gehe es um andere Fragen, wie Kontaktmöglichkeiten, Kleiderspenden oder Übernachtungsanfragen.
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Auch nehmen Betroffene das Hilfsangebot der Caritas im Fall einer Meldung beim Kältetelefon laut Weißmann lediglich vereinzelt an. Bis heute habe es zwei Taxifahrten zum Tag-Nacht-Halt, einer Unterkunft für Obdachlose, gegeben. Danach entschieden sich die Klienten allerdings dazu, künftig in der Unterkunft zu übernachten, berichtet sie.
Fälle, in denen es um Leben oder Tod ging, waren noch nicht darunter. „Die Personen waren immer erweckbar und ansprechbar“, sagt Weißmann. In so einem Fall würde die Caritas den Rettungsdienst kontaktieren. Sollten Anrufer Symptome wie Kältezittern, Teilnahmslosigkeit oder Schläfrigkeit bei einem Betroffenen feststellen, sollten sie sofort selbst den Rettungsdienst kontaktieren, betont die Caritas-Expertin.
Probleme von Menschen, die im Winter auf der Straße schlafen, sind vielfältig. Weißmann spricht etwa die Unterkühlung an, die sie als potenziell lebensgefährlich bezeichnet. „Der Körper verliert Wärme schneller, als er sie produzieren kann“, sagt sie. Zudem seien Körperteile wie Finger, Zehen, Nase und Ohren besonders anfällig für Erfrierungen. Diese Frostbites könnten zu dauerhaften Schäden führen.
Stress, Angst Depressionen
Bereits bestehende gesundheitliche Probleme wie Atemwegserkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte die Kälte verschärfen, andere wie Mangelernährung könnten entstehen, wenn der Zugang zu Nahrungsmitteln eingeschränkt ist. Hinzu kommen laut Weißmann psychische Belastungen wie Stress, Angstzustände und Depressionen, Schlafmangel und Erschöpfung oder soziale Isolation.
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Und so hat auch Lesniak sich deswegen vor kurzem dazu entschieden, lieber in einem der Iglous bei der Hilfe für Wohnungs- und Obdachlose Noah zu übernachten. Aus Gründen, die er lieber nicht nennen will, sei das zwar nicht unbedingt seine erste Wahl. Aber: „Da ist es ruhig, trocken und sicher“, sagt er.