Hilfe für obdachlose Familien in Regensburg: Wie geht es voran?

Von Mittelbayerische Zeitung · 19. September 2024 um 19:00

Die SPD-Fraktion fordert einen Bericht zur Umsetzung des Gesamtkonzepts für Wohnungslose in Regensburg und die Stadträte erfahren: Bald ist Spatenstich für das Übergangsheim in der Augsburger Straße. Wohnungen für große Familien fehlen allerdings.

Ein Bagger ist schon angerückt: An der Augsburger Straße, gegenüber der Autobahnausfahrt Kumpfmühl, lässt die Stadt den Baugrund für ihr Chancenhaus mit bis zu 100 Schlafplätzen für wohnungslose Familien untersuchen.

Als Übergangsheim eine Zwischenstation

Das soll als Übergangsheim eine Zwischenstation vor dem Umzug in eigene Wohnungen sein. Daran mangelt es jedoch, das machte Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) am Mittwoch im Sozialausschuss des Stadtrats deutlich.

Die SPD-Fraktion hatte einen Bericht zur Umsetzung des 2022 beschlossenen Konzepts zur Obdachlosen- und Wohnungslosenhilfe gefordert. SPD-Stadtrat Alexander Irmisch betonte an Freudenstein gewandt, „dass es sich bei dem Antrag nicht um einen Angriff auf Sie als Sozialbürgermeisterin oder auf die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung handelt, sondern dass es uns vielmehr darum geht, gemeinsam und zeitnah die Lage von Menschen, die auf eine gut funktionierende Wohnungs- und Obdachlosenhilfe der Stadt Regensburg angewiesen sind, zu verbessern“.

Spatenstich voraussichtlich in den nächsten Wochen

Sozialamtschef Christoph Gailer kündigte einen großen Bericht im Oktober an, trug aber kurz den Sachstand vor. Er berichtete, das 2023 beschlossene Chancenhaus habe die Planungs- und Vergabephase durchlaufen. Spatenstich und Baubeginn seien voraussichtlich in den nächsten Wochen.

„Die Baufirma sagt, sie braucht ein Jahr, bis das Ding bezugsfertig ist.“ Für die im Frühjahr angeschobene Frauenunterkunft habe die Stadt einen Träger gefunden, die Leistungsvereinbarung stehe kurz vor dem Abschluss. Die Einrichtung soll wohl 30 statt 20 Plätze bieten.

Stadt will nach und nach 20 Wohnungen zur Verfügung stellen

Im Rahmen des Projekts „Neustart Wohnen“ will die Stadtbau GmbH dem Sozialamt ab Herbst 2025 nach und nach 20 Wohnungen zur Verfügung stellen. Freudenstein erklärte: „Das ist natürlich nicht ausreichend. Wir müssen zwingend zu einem System kommen, wie das durchaus in anderen Städten praktiziert wird, dass wir regelmäßig Wohnraum bekommen für wohnungslose Familien, sonst ist das nicht zu lösen.“ Sie sei nach wie vor„voller Hoffnung“, dass die Stadtbau entsprechende Wohnungen zur Verfügung stelle.

Vor allem seien Angebote für Familien nötig, die „einfach nur obdachlos sind, weil sie viele Kinder haben“, also etwa vier oder fünf. Sie appellierte an die Stadträte im Stadtbau-Aufsichtsrat: „Wir brauchen große Wohnungen.“

In der Aussiger Straße derzeit 46 Wohnungen belegt

In der Notwohnanlage in der Aussiger Straße im Stadtnorden, wo die Stadt auch Familien unterbringt, sind derzeit 46 Wohnungen belegt, das entspricht einer Auslastung von 64 Prozent. Dort leben laut Gailer aktuell 168 Personen, 82 Erwachsene und 86 Kinder. Zehn Wohnungen seien von Deutschen belegt, 29 von Menschen aus Südosteuropa und sieben von Menschen mit anderen Staatsangehörigkeiten.