Vegan, vegetarisch, nachhaltig: Wie Bio-Hersteller wie die Lammsbräu Wünsche der Kunden erfüllen

Kokos, Cranberrys, Mate: Die Biofach, die größte Biomesse der Welt, ist auch ein Spiegelbild der sich ständig verändernden Essgewohnheiten. Weniger Fleisch, vegan oder vegetarisch, gesund und nachhaltig. Die Vorlieben der Verbraucher werden spezifischer. Die Bio-Hersteller haben sie im Blick und reagieren.
Immer nah dran sein am Verbraucher, in Kontakt stehen, Wünsche erforschen. So mache es die Neumarkter Lammsbräu, sagt Inhaber Joannes Ehrnsperger. „Bevor wir selbst überlegen, fragen wir unsere Kunden. Das hat stets gut funktioniert. Es sind immer tolle Getränke herausgekommen.“
Neumarkt: Lammsbräu-Kunden dürfen mitbestimmen
Seit 2019 dürfen die Fans der Limonade Now bei der Produktentwicklung mitentscheiden, sagen, welchen Geschmack sie wünschen. Regelmäßig entsteht so eine Fan-Edition. „Mate Granate“ heißt die neueste Sorte. Für den „Geschmackskick“ sorgt laut Ehrnsperger geröstete Mate, ohne dass sie dominiere, gemischt mit fruchtigem Granatapfel und frischer Minze.
Das Ergebnis: Eine Mixtur, die bei der Biofach auch jenen schmeckt, die nicht unbedingt auf Mate stehen. „Mate für alle“, meint Ehrnsperger. Die Lammsbräu ist bei der Messe mit einem großen Stand vertreten und lädt das Fachpublikum dort auch zum Testen ihres Biers und Mineralwassers ein. Zwei Drittel seines Umsatzes macht das Unternehmen laut Ehrnsperger inzwischen mit alkoholfreien Getränken.
Einblick auf der Biofach-Messe in Nürnberg: Zu Hause gut kochen
Schon seit mehr als 30 Jahren stellt Sonnentor, der Kräuterhandel aus Österreich, bei der Biofach aus. „Uns geht es hervorragend“, berichtet Firmengründer Johannes Gutmann, „auch dank dieser Messe“. Trotzdem werde es in diesem Jahr bitter. Nicht fürs Geschäft, sondern geschmacklich.
„Wir greifen das Trendthema Bitterstoffe mit einer neuen Produktlinie auf.“ Bitterstoffe spielten für eine ausgewogene Ernährung eine zentrale Rolle. Und die gibt es jetzt im Sonnentor-Regal – in Form von Bittertee, Bitterpulver und Bitterspray. Der Wunsch nach Bitterem kam aus der riesigen Online-Fangemeinde. Da hieß es laut Gutmann: „Wir wollen nicht nur Süßes, wir wollen einen Gegenpol.“
Kevin Hornik aus München hat zwar noch keine große Fangemeinde, die ihm Anregungen gibt. Aber er entstammt einer Gastronomen-Familie, die in München Thai-Restaurants betreibt. Zu den Gästen hatte er guten Kontakt und erfuhr bald, was sie wünschten: Auch zu Hause gut und vor allem schnell Gerichte mit Thai-Geschmack zu kochen, „Convenience, aber allerbeste und nur pflanzliche Zutaten.“
Eine Nische, wie Hornik fand. Er tüftelte und tüftelte, alles in Alleinarbeit. Schließlich entstanden vier Bio-Instant-Currysoßen unter der Marke Kooray spice’n easy. Röstaromen bleiben dank eines selbst entwickelten Verfahrens, das er sich patentieren ließ, erhalten, ohne dass künstliche Zusatzstoffe erforderlich sind. „Das Pulver einfach mit Wasser aufgießen, und in drei Minuten ist eine super leckere Currysoße fertig.“ Dafür hat Hornik bereits Startup-Preise gewonnen.
Auf die Bewertungen und Kommentare ihrer Restaurant- und Catering-Gäste greifen die Tress-Brüder aus der Schwäbischen Alb zurück, wenn sie Suppen, Eintöpfe und Fertiggerichte für den „Restaurantgenuss zu Hause“ entwickeln, wie Dominik Tress erklärt.
Feinschliff vom Sterne-Koch
Seine Erfahrung: „Convenience wird ein immer stärkeres Thema.“ Vier Brüder, aufgewachsen in der Bio-Landwirtschaft, da liegen ihnen gute Bestandteile besonders am Herzen. „Unsere Produkte werden jeden Tag mit frischen Zutaten und dem Feinschliff von Simon (er hat 2024 einen Michelin-Stern bekommen) gekocht.“ Vor 15 Jahren haben die Brüder bei der Biofach ihre ersten vier bodenständigen Suppen präsentiert: Linsen, Kartoffeln, Karotte, Kürbis. Heutzutage wollen die Feinschmecker mehr, wissen sie. So wie das vegane Curry-Butter-Chicken mit Kürbis und Kokos, „ein Verkaufsschlager“.
Followfood hat sich vor allem durch seinen handgeangelten Thunfisch in Dosen einen Namen gemacht, und der ist laut Julius Palm auch immer noch „der Renner“ im ständig wachsenden Sortiment. Was kommt ins Sortiment? „Wir erkunden, was im konventionellen Handel gefragt ist und überlegen dann, wie wir diese Produkte besser und nachhaltiger gestalten können.“ Eines der Ergebnisse und aktuell im Umsatz „wahnsinnig schnell wachsend“: Bio-Instant-Nudeln, auf dem Markt als „Carbonara- und Chili Noddles“. Sie sprächen gerade das junge Publikum an, das Wert auf ein gesundes Fast-Food lege.
Nicht immer verträgt jeder Mensch jedes Lebensmittel. Schwieriger wird es bei gleich mehreren Unverträglichkeiten. Das wissen die HistaFood-Gründerinnen Ana und Melina aus eigener Erfahrung. Für sie wurde es immer problematischer, das Richtige zu finden.
Die Idee war geboren: selbst Lebensmittel zu entwickeln. Und zwar solche, die für gleich mehrere Intoleranzen gelten. Wie sehr derartige Produkte im Trend liegen, erfährt Mathis Heuser am Stand bei der Biofach täglich aufs neue. „Geeignet für histaminarme Ernährung, dazu glutenfrei, laktosefrei und überwiegend fructosearm, außerdem bio, vegan und ohne Zusatzstoffe“. Da dürfe man ruhig mal naschen, zum Beispiel den Beerenriegel mit Kokos und Cranberrys. Zwei Geschmackskomponenten, die sich viele Kunden gewünscht hätten.




