Alkoholfreies Bier bei Neumarkter Brauereien im Trend – doch bei manchen haperts am Geschmack

Für viele gehören zu den Feiern rund um den Jahreswechsel ein oder mehrere Bier dazu. Generell klagen Brauer aber, dass der Konsum in Deutschland zurückgeht. Es gibt jedoch ein wachsendes Segment: Alkoholfreies Bier. Auch die Neumarkter Brauereien Gansbauerei, Lammsbräu und Glossnerbräu setzen darauf – auch wenn es nicht einfach ist, den süßlichen Geschmack zu vermeiden.
„Alkoholfreies Bier ist wie ein Duftbaum am Fahrradlenker. Nutzlos.“ Witze über alkoholfreies Bier gibt es viele. Nach wie vor wird die Sparte von manchem nicht für voll genommen. Wobei deren Zahl drastisch sinkt. Die Brauereien produzieren immer mehr alkoholfreies Bier, was sie ohne entsprechende Nachfrage nicht täten. Laut Statistischem Bundesamt ist die Produktion in den vergangenen zehn Jahren um 109 Prozent gestiegen.
Die Akzeptanz alkoholfreier Biere steigt in Neumarkt
Die drei Neumarkter Brauereien machen keine Ausnahme. Ob Gansbrauerei, Glossnerbräu oder Lammsbräu, alle berichten von einem steigenden Ausstoß an Bier ohne Alkohol. „Die Akzeptanz von alkoholfreiem Bier beim Verbraucher stetig steigt“, sagt Firmenchef Michael Gloßner.
Die Gansbrauerei hat 2021 auf die Entwicklung reagiert und erstmals selbst alkoholfreies Bier hergestellt. Von knapp unter zwei Prozent Anteil an der Gesamtproduktion ist dieser inzwischen laut Geschäftsführer Goswin Diepenseifen auf 2,5 Prozent gestiegen.
Zwei bis vier Prozent lege der Anteil an der Gesamtproduktion jährlich zu, sagt Gloßner für seine Brauerei. 25 Prozent der jährlichen Bier-Produktion sei inzwischen ohne Alkohol. Die Lammsbräu verkauft laut Firmenchef Johannes Ehrnsperger inzwischen sogar mehr Bier ohne Alkohol als solches mit.
„Wir rechnen damit, dass sich der Trend fortsetzen wird“, sagt Ehrnsperger und liegt damit auf einer Linie mit Gloßner und Diepenseifen. Die Lammsbräu hat ihre Produktpalette dem Trend entsprechend auf zehn Sorten alkoholfreie Biere und Biermischgetränke wie Radler ausgebaut. Die Gansbrauerei bietet ein Helles und ein Radler ohne Alkohol an. Die Glossnerbräu hat zusätzlich noch ein Weißbier im Angebot.
Lammsbräu will wichtige Inhaltsstoffe im Bier erhalten
Auch wenn mancher alkoholfreies Bier nach wie vor als kein „richtiges“ Bier belächelt, es steckt viel Wissen, Erfahrung und Technik in der Produktion, wie die Brauerei-Leiter betonen. „Die Technik hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, was zu sehr guten alkoholfreien Bieren heute geführt hat“, sagt Michael Gloßner.
Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, alkoholfreies Bier herzustellen: Die Gärung zu stoppen, bevor zu viel Alkohol entsteht, oder diesen dem Bier nach der Gärung zu entziehen. Diverse unterschiedliche Techniken werden dafür eingesetzt (siehe Artikelende), die sich unterschiedlich auf den Geschmack auswirken können.
Bei der gestoppten Gärung bleibt Zucker zurück, weshalb so hergestellte alkoholfreie Bieren süßlich schmecken. Die Lammsbräu setzt dennoch auf diese Technik. Im Gegensatz zu Verfahren, bei denen im Nachgang entalkoholisiert werde, blieben so alle wertvollen Inhaltstoffe des Bieres und das volle Aroma enthalten, sagt Ehrnsperger. Damit die Biere nicht zu süßlich schmecken, gibt die Lammsbräu hauseigenen Sauergut (nichtalkoholisch fermentiertes Gerstenmalzextrakt) zu.
Die Glossnerbräu braut ihr alkoholfreies Bier ebenfalls mit Kälte, welche die Gärung stoppt. Michael Gloßner begründet das auch mit einem anderen Aspekt: Für kleine und mittlere Brauereien sei die technisch einfache Methode im Gegensatz zu teuren Filteranlagen finanziell machbar. Die Gansbrauerei lässt das Bier hingegen entalkoholisieren. Dabei arbeitet sie mit einer anderen Brauerei zusammen.
„Wir sehen unsere Alkoholfreien schon immer als ganz eigene Kategorie.“ Johannes Ehrnsperger, Unternehmer
Doch wie soll alkoholfreies Bier schmecken? Manche Brauereien kombinieren für den gewünschten Geschmack unterschiedliche Methoden. Auch durch ein nachträgliches Zusetzen von weiterem Aromahopfen versuchen manche Brauer, am Geschmack zu drehen.
Für Goswin Diepenseifen ist dabei klar, dass bewusst versucht werde, dem Geschmack von Bier mit Alkohol möglichst nahe zu kommen. „Da hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr viel Positives getan.“ Michael Gloßner teilt diese Sicht, sagt aber auch: „Ganz wird es vermutlich nicht gelingen“.
Glossnerbräu hat noch 0,5 Prozent Alkohol
„Wir sehen unsere Alkoholfreien schon immer als ganz eigene Kategorie“, sagt Ehrnsperger und dass die Lammsbräu nicht die alkoholhaltigen Biere nachzuahmen versuche. „Unser Augenmerk lag darauf, einfach ein richtig gutes Getränk zu brauen.“
Alkoholfrei steht zwar drauf, aber etwas Alkohol ist dennoch in den Bieren der Lammsbräu. Das gilt auch für jene der Glossnerbräu und der Gansbrauerei. Sie alle haben maximal 0,5 Prozent Alkohol, was ihnen gemäß den rechtlichen Vorgaben erlaubt, sich alkoholfrei zu nennen. Andere Brauereien bieten inzwischen aber auch schon Biere mit 0,0 Prozent Alkohol.
So wird alkoholfreies Bier hergestellt
Gestoppte Gärung: Mit Hilfe von Hitze oder Kälte wird die Gärung gestoppt, so dass das alkoholfreie Bier nicht mehr als die maximal erlaubten 0,5 Prozent Alkohol enthält.
Vakuum-Rektifikation: Alkoholisches Bier wird in einem Vakuums so erhitzt, bis der Alkohol verdampft. Das tue er bei einem Vakuum schon bei 35 Grad, sagen Hersteller entsprechender Anlagen. Die im Dampf enthaltenen Geschmacksstoffe werden destilliert und dem Bier zugesetzt.
Filtration: Alkoholisches Bier wird durch eine Membran gefiltert.
Hefen: Durch spezielle Hefestämme entsteht nur wenig Alkohol.