16,5-Millionen-Projekt: Spatenstich für neues Pflegezentrum in Tiefenbach erfolgt

Von Christa Bucher · 14. Februar 2025 um 05:00

Zehn Grad und Sonnenschein hätte sich Tiefenbachs Bürgermeister Ludwig Prögler für den Mittwoch gewünscht. Stattdessen gab es Dauerregen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Sei’s drum. Für Tiefenbach und seine Bürger war es trotzdem ein guter Tag, um nicht zu sagen: ein Glückstag. Denn im Beisein zahlreicher Ehrengäste erfolgte der Start für ein lang ersehntes Projekt: der Spatenstich für das neue Pflegezentrum Christopherus der SWB Sonnenwohnbau GmbH. „Es geht los! Wir freuen uns“, sagte Prögler.

Die Bedeutung des Pflegezentrums sei für die Kommune enorm, sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Es sei eine wichtige Investition in die Zukunft, betonte der Bürgermeister. Deshalb hätten er, der Gemeinderat und die Verwaltung das Projekt im Vorfeld nach Kräften unterstützt und die erforderliche Vorarbeit geleistet. Schon da habe sich gezeigt: Die Zusammenarbeit mit Sonnenwohnbau-Geschäftsführer Josef Eglseder und seiner Frau Brigitte sowie den künftigen Betreibern des Pflegeheims, Werner und Gerda Duschner, sei gut, offen, konstruktiv und vor allem zielführend. So hätten die Weichen für die Verwirklichung des Pflegezentrums gestellt werden können.

Das neue Seniorenzentrum sei eine wichtige Antwort auf die demografische Entwicklung der immer älter werdenden Bevölkerung, sagte Prögler. Hier könnten ältere Menschen ihren Lebensabend wohnortnah verbringen. Sie würden nicht alleine gelassen, sondern würden dort neue Kontakte, wichtige Unterstützung und sicherlich beste Betreuung finden. Dafür stehe die Arztfamilie Duschner, die auf diesem Gebiet über langjährige Erfahrung verfüge.

Ein weiteres wichtiges Angebot sei zudem das betreute Wohnen, garantiere es doch Selbstständigkeit und Sicherheit. In ihrer eigenen Wohnung könnten die Bewohner weiterhin nach ihren Vorstellungen leben und dabei gleichzeitig Service- und Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen. „Das verspricht hohe Lebensqualität im Alter“, sagte Prögler.

Das Wohn- und Pflegezentrum biete aber auch zahlreiche Arbeitsplätze, die der Gemeinde guttun würden. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, diese alle zu besetzen. Aber: Das Ehepaar Duschner habe zu verstehen gegeben, dass es diesbezüglich guter Dinge sei.

Natur und Infrastruktur

Aber was hat die SWB Sonnenwohnbau GmbH dazu bewogen, dieses Seniorenzentrum in Tiefenbach zu errichten? Die Antwort darauf gab Brigitte Eglseder. Da sei zum einen die unberührte Natur mit dem nahen Silbersee, zum anderen die höfliche Anfrage des Bürgermeisters. Hauptgrund sei aber, dass sich der Ort hervorragend in das Konzept der SWB einfüge: ein infrastrukturell gut aufgestellter Ort, ein Grundstück nicht weit vom Ortskern entfernt, der entsprechende Bedarf an älteren Menschen und die Unterstützung von Behörden, Politikern und Mitbürgern. Die Kombination aus betreutem Wohnen, stationärer Pflege und einer Demenzwohngruppe ermögliche eine individuelle, bedarfsgerechte und heimatnahe Versorgung.

Aber auch für die Kommune bringe das Pflegezentrum Vorteile mit sich. Es würden Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen geschaffen. Das wiederum gebe einen wirtschaftlichen Impuls. Die lokale Wirtschaft werde gestärkt und biete berufliche Perspektiven in der Region. Neben der medizinisch-pflegerischen Versorgung werde aber auch der soziale Zusammenhalt gefördert, ist Eglseder überzeugt. Das Pflegezentrum werde die Lebensqualität älterer Menschen in Tiefenbach sichern und verbessern. Villa und Haus Christopherus stünden für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, sie seien „Wertschätzung für die Lebensleistung unserer älteren Mitbürger“.

Landrat Franz Löffler nannte den Bau des Pflegezentrums eine „mutmachende Investition“ in Zeiten, in denen der demografische Wandel eine der größten Herausforderungen sei. Die Menschen würden immer älter, der Pflegebedarf steige unwillkürlich, gleichzeitig gingen vielmehr Menschen in den Ruhestand, als junge Arbeiter nachkämen. „Eine schwierige Situation“, gab Löffler unumwunden zu. Da dürfe man sich nichts vormachen. Die Ressourcen, Geld und Fachkräfte, würden knapp. Deshalb habe man sich im Landkreis Gedanken gemacht, wie man es ermöglichen könne, dass Menschen möglichst lange daheim leben können, sagte Löffler und verwies auf die Gemeindeschwester. In dieselbe Richtung gehe das ambulante betreute Wohnen, eine „ressourcenschonende und durchaus intelligente Maßnahme“. Der dritte Pfeiler sei die stationäre Pflege, die möglichst wohnortnah angeboten werden sollte. An die Investorenfamilie gewandt, sagte er deshalb mit einem Augenzwinkern: „Sie geben die richtige Antwort auf diese drängenden Fragen der Zeit. Wir bräuchten mehr Eglseders!“ Nichtsdestotrotz müssten die Standards verändert werden, ist der Landrat überzeugt. Die Digitalisierung, auch KI-gestütztes Arbeiten, könnten dabei helfen. Denn: „Wir dürfen uns dem nicht verschließen, sonst schaffen wir das nicht.“

In dasselbe Horn stieß auch Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf. Sie warnte davor, dass soziale Themen in der aktuellen politischen Debatte nicht untergehen dürften. Sie wisse um die Bedarfe in der Pflege. Umso mehr freue sie sich, dass mit dem neuen Seniorenzentrum zumindest ein Teil davon gedeckt werde.

MdL Dr. Gerhard Hopp sagte, dass das Programm „PflegesoNah“ des Freistaats ein wichtiges Förderinstrument sei. So konnten 2024 für 85 Millionen Euro 2000 neue Pflegeplätze geschaffen werden. Wichtig sei, dass im ländlichen Raum die gleichen Bedingungen herrschten wie in den Städten. Das Pflegezentrum in Tiefenbach sei deshalb nicht nur für die Gemeinde, sondern die gesamte Region wichtig.

Bevor der Spatenstich erfolgte, sprach Pfarrer Albert Hölzl ein Segensgebet dafür, dass der Bau unfallfrei über die Bühne gehen möge. Nun heißt es: „Ärmel hoch, lässt uns gemeinsam den Grundstein legen“, sagte Brigitte Eglseder. „Mit diesem Spatenstich schaffen wir nicht nur Räume, sondern ein Stück Heimat für die Zukunft und Lebensqualität unserer Mitbürger.“

Klaus Geiwagner vom Architekturbüro BauArt stellte das Pflegezentrum im Detail vor. Entstehen werden zwei Gebäude. Das Gebäude Eins enthält eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für zwölf Personen im Erdgeschoss, betreutes Wohnen mit 14 Wohnungen in den Obergeschossen. Das Gebäude Zwei bietet 50 Pflegeappartements. Beide Häuser erfüllen die Auflagen für klimafreundliche Wohngebäude.

Kosten bei 16,5 Millionen

Der erste Baukörper mit betreutem Wohnen und Senioren-Wohngemeinschaft soll im August 2026 fertig sein; der zweite, das Pflegeheim, dann wenige Monate später zum Jahresende 2026. Die Gesamtkosten werden sich auf rund 16,5 Millionen Euro belaufen. Aus dem bayerischen Förderprogramm „PflegesoNah“ hat die SWB 720 000 Euro für die ambulant betreute Wohngemeinschaft mit zwölf Plätzen bekommen.

Die SWB Sonnenwohnbau GmbH wurde am 15. September 1995 von Josef Eglseder gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Bad Birnbach kann heuer sein 30-jähriges Jubiläum feiern. Das „Seniorenzentrum Christopherus“ in Tiefenbach ist das achte Projekt der SWB.

Brigitte Eglseder sagte, warum Tiefenbach der ideale Standort für das Pflegezentrum ist.