Fernwärme aus Neustadt soll Wohnungen in zwei Städten versorgen

Das Interesse an der Wärmeauskoppelung von der Bayernoil-Raffinerie ist groß. Das bewies auch die jüngste Stadtratssitzung, an der ungewöhnliche viele Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Doch wer sich konkrete Zahlen, zum Beispiel über Verbraucherpreise, erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Zu vage sind noch die Planungen für das Großprojekt. Dabei ist das Thema nicht neu. Nahezu jeder Bürgermeister in der jüngeren Neustädter Vergangenheit habe sich in irgendeiner Form mit der Nutzung der Abwärme aus der Raffinerie für Neustadt a.d. Donau beschäftigt, sagte Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) in der Stadtratssitzung am Montagabend und nannte namentlich seine Vorgänger im Amt Joachim Meier (SPD), Hans Gigl (CSU) und Thomas Reimer (SPD). Einen Vorwurf, dass es bisher noch nicht zur Wärmeauskoppelung gekommen ist, leitete Memmel daraus nicht ab. Er stellte jedoch unmissverständlich klar: „Jetzt ist die beste Gelegenheit für das Projekt.“
Das hängt unter anderem damit zusammen, das das Vorhaben in die aktuelle politische Landschaft passt. Das Vorhaben sei nachhaltig, betonte Memmel, weil keine zusätzliche Energie benötigt werde. Verwendet würde lediglich die Energie , die schon vorhanden ist – „Eh-da-Energie“. Außerdem gibt es inzwischen ein zunehmendes Bewusstsein in der Gesellschaft für umweltpolitische Belange.
Umfangreiche Förderung
Dennoch ist das Projekt eine „sehr komplexe Materie“, wie der Bürgermeister in der Sitzung sagte. Bei der Wärmeauskoppelung aus der Bayernoil-Raffinerie geht es nicht nur um die Verlegung einer Leitung. Es geht auch um die Wirtschaftlichkeit und die Umsetzung des Vorhabens. Wichtig ist zudem die Versorgungssicherheit.
Das IQ Energieinstitut hat sich mit der Machbarkeit der Wärmeauskoppelung beschäftigt und bei den Überlegungen eine Versorgung von Einwohnern und Großkunden in Neustadt, Mauern, Bad Gögging, Sittling und Heiligenstadt zu Grunde gelegt. 2.500 Wohngebäude könnten ohne Abensberg, das in dieser Phase der Überlegungen noch nicht „eingepreist“ ist, versorgt werden. Bei den Großkunden ist insbesondere an die Kliniken und die Limes-Therme in Bad Gögging gedacht. Für den Transport der Wärme ist eine sieben Kilometer lange Leitung von der Raffinerie bis zum Kurort erforderlich.
Klar ist: Die Kosten sind immens. Allein für Bereitstellung und Transportnetz werden auf 40 Millionen Euro veranschlagt. Inklusive Wärmeverteilung und Wärmeübergabe sind es 86 Millionen. Aber es gibt auch eine staatliche Förderung. Sie belaufe sich auf 34,4 Millionen, weshalb es um einen Finanzierungsbedarf von 51,6 Millionen Euro gehe, wie ein Mitarbeiter des IG Energieinstituts vorrechnete. Auch deshalb sei es wichtig, dass geprüft werde, welche Kunden, insbesondere Großabnehmer, als Kunden für die künftige Versorgung mit Fernwärme gewonnen werden können.
Zeiten haben sich geändert
Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Becker Büttner Held (BBH) hat unterdessen das Projekt wirtschaftlich geprüft und ist zu einem klaren Ergebnis gekommen. Das Vorhaben sei in wirtschaftlicher Hinsicht „nachvollziehbar und plausibel“, sagt der BBH-Mitarbeiter in der Sitzung. Er wies auch darauf hin, dass der große Kapitalbedarf mittels Fremdfinanzierung über 30 Jahre gedeckt werden könne.
Für den Mitarbeiter des IQ Energieinstituts ist damit die Situation klar. Früher, fasste er es in der Stadtratssitzung zusammen, sei es darum gegangen, dass Energie günstig war. Die Umweltbelastungen spielten eine nachrangige Rolle. Heute sei Energie jedoch teuer, die Umwelt sei in den Vordergrund gerückt und auch rechtliche Anforderungen würden steigen. Die Wärmeauskoppelung stärke den Wirtschaftsstandort, vermeide Kohlendioxidausstoß und trage zur regionalen Wertschöpfung bei, betonte er. Alternative Konzepte wie Hackschnitzelheizungen sind im beabsichtigten Umfang nicht realisierbar. Es wären 53.500 Tonnen Hackschnitzel jährlich erforderlich. Das entspricht 7.900 Lkw-Ladungen.
In der Stadtratssitzung ging es am Ende nur um eine Zwischenstufe bei der Planung der Wärmeauskoppelung, nämlich um den „Abschluss Konzeptionierungsphase mit Zwischenstandsbericht und Einleitung in die Planungsphase“. Einstimmig beschlossen die Stadträte, dass diese Planungen fortgesetzt werden sollen.
Und was die Kosten für die Kunden anlangt, heißt es: Abwarten. Erst wenn feststeht, wer tatsächlich ans Fernwärmenetz angeschlossen ist, kann man an die Kostenrechnung gehen. Eine Frage wird dann auch sein, ob es schlicht einen Preis pro Kilowattstunde oder einen für den Verbrauch und den Anschluss geben wird.
