Neustädter Raffinerie geht nach Explosion in Kürze wieder in Betrieb

Von Jochen Dannenberg · 12. Februar 2025 um 15:00

Rund vier Wochen nach der Explosion in der Neustädter Bayernoil-Raffinerie (Landkreis Kelheim) hat jetzt deren Geschäftsführer öffentlich zu den Ereignissen und Folgen Stellung genommen. In der jüngsten Stadtratssitzung verkündete er dazu eine gute Nachricht.

„Aktuell“, so Bayernoil-Geschäftsführer Dr. Alexander Struck in der Sitzung am Montagabend, „ist ein Großteil der Anlagen in Neustadt a.d. Donau außer Betrieb.“ Aber schon in wenigen Wochen solle wieder produziert werden. Derzeit sei man am Standort Neustadt mit Reparaturarbeiten und Abstimmungen mit Behörden, die darauf zielen, Anlagen für die Produktion wieder freizugeben.

Struck ist optimistisch, was das Wiederanfahren der Raffinerie betrifft. Bis Ende des Monats, sagte er vor ausgesprochen vielen Zuhörern, die der Sitzung beiwohnten, laufe ein Großteil der Anlagen wieder.

Befürchtungen, dass der Ausfall der Raffinerie, über die ein erheblicher Teil der Versorgung mit Treibstoff in Süddeutschland erfolgt, zu höheren Preisen an den Zapfsäulen führen könnten, scheinen sich damit nicht zu bestätigen. Der ADAC hatte zu möglichen Preiserhöhungen wenige Tage nach der Explosion am 17. Januar zurückhaltend geäußert. Eine Stichprobe des ADAC hatte ergeben, dass die Bayern an der Tankstelle vier Tage nach der Explosion nicht mehr bezahlen mussten.

Mit Stickstoff gespült

Weiterhin ungeklärt ist die Suche nach der Ursache des Unglücks. Dr. Alexander Struck erläuterte noch einmal, was zur Unglückszeit in der Raffinerie geschah. „Wir hatten einen Anlagenteil routinemäßig für eine Reinigung außer Betrieb genommen“, sagte Struck. Dazu werde das entsprechende Teil – nach Informationen dieser Zeitung handelte es sich um einen Reaktor – von den anderen Teilen getrennt und mit Stickstoff gespült. Dieser Vorgang habe bereits seit mehreren Stunden stattgefunden.

„Um Mitternacht änderten sich die Parameter“, so Struck weiter. Der Druck stieg an, der Behälter explodierte und beschädigte andere Anlagenteile. Kohlenwasserstoff entzündete sich. Was die Bevölkerung wahrnahm, war der Knall vom explodierenden Behälter und der Feuerschein des brennenden Kohlenwasserstoffs.

Ferner berichtete der Bayernoil-Geschäftsführer, dass das Feuer anschließend „relativ schnell“ unter Kontrolle gebracht worden sei. Allerdings sei die Stelle, an der man die Leitungen zudrehen konnte, nicht gut zugänglich gewesen. Zur Ursache des Unglücks äußerte sich Struck nicht. Es seien mehrere Untersuchungsteams – von der Bayernoil, der Staatsanwaltschaft und den Versicherungen – im Einsatz. „Es war im Grunde eine Routineoperation“, stellte der Geschäftsführer fest. „Ich kann hier nur die Fakten berichten und bitte um Geduld.“

Auch zur Zahl der Verletzten äußerte er sich. Die genaue Zahl der Verletzten hatte wiederholt für Irritationen gesorgt. Seitens der Raffinerie war stets von zwei Personen gesprochen worden. Nach der Polizei handelte es sich um vier. Struck sagte jetzt, bei dem Brand seien Mitarbeiter in der Nähe des Brandorts gewesen. Zwei von ihnen hatten einen Schock erlitten und mussten deshalb in einem Krankenhaus behandelt werden. Einige weitere Mitarbeiter wurden psychisch betreut. Niemand sei verletzt worden.

Anders als 2023

Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) betonte: „Wir leben in der Nachbarschaft der Raffinerie. Viele Neustädter sind in der Raffinerie beschäftigt.“ Er wisse um die vielen Maßnahmen zur Betriebssicherheit, die in dem Unternehmen vorgenommen werden.

Auf Nachfrage von Stadtrat Bernhard Rieger (SPD) stellte Dr. Alexander Struck klar, dass es das Unglück vom 17. Januar nicht vergleichbar sei mit einem Schadensfall aus dem Oktober 2023. Es handele sich um zwei völlig unterschiedliche Vorgänge. 2023 sei „ein Prozedurablauf falsch gehandhabt“ worden.

Im Übrigen entschuldigte sich Struck für die Auswirkungen der Explosion auf die Bevölkerung und er dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz. „Es tut uns sehr leid, was passiert ist“, sagte der Geschäftsführer der Raffinerie.