Super-Nasen sollen Geruchsbelästigungen in Neustadt prüfen

Von Jochen Dannenberg · 9. Februar 2025 um 19:00

Die Situation ist nicht ganz einfach: Die Stadt Neustadt im Landkreis Kelheim beabsichtigt, ein neues Baugebiet in Neustadt Süd zu entwickeln. Doch nur einige Hundert Meter Luftlinie entfernt befindet sich die Erdölraffinerie der Bayernoil. Mitarbeiter eines privaten Unternehmens sollen deshalb prüfen, ob und welche Geruchs- und Lärmbelästigungen es in diesem Bereich gibt. Doch schon bei diesen Voruntersuchungen zeigen sich einige Bürger verärgert.

„Wir wussten nichts von den Messungen. Warum hat man uns nicht informiert?“, erregt sich eine Frau, die in Neustadt Süd wohnt, ihren Namen jedoch nicht nennen will, gegenüber dieser Zeitung. „Wir haben erst von den Messungen erfahren, als einer der Mitarbeiter der beauftragten Firma an unserem Grundstück vorbeiging.“

Tatsächlich war auf die Messungen zuvor zweimal hingewiesen worden – in den Ankündigungen für die jüngste Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses des Stadtrats. Dessen Mitglieder hatten das Thema vor einigen Tagen in öffentlicher Sitzung behandelt, worauf Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) hinweist.

Die Stadt hatte alles richtig machen wollen. In Neustadt Süd soll das neue Baugebiet „Jägerpoint II“ entstehen. Das Gebiet ist nur wenige Hundert Meter Luftlinie von der Raffinerie entfernt. Wer hier wohnt, weiß, dass bisweilen ein unangenehmer Geruch von der Raffinerie über die Siedlung im Stadtsüden zieht.

Wenn die Luft nicht abzieht

Dazu soll es kommen, wenn bei den Rohöltanks die Dichtungen nicht mehr exakt arbeiten, sagt ein Anwohner. Dann könnten Gase mit einem markanten schwefeligen Geruch austreten. Bei einer Inversionswetterlagen, wenn der natürliche Austausch der Luftmassen zum erliegen kommt, breite sich dieser Geruch in der Nachbarschaft des Unternehmens aus. Weil dieser Geruch sehr unangenehm sein kann, wird er oft auch als Gestank bezeichnet.

Auch Behörden sind diese Vorfällen nicht verborgen geblieben. Auch deshalb hat das Landratsamt bei der Planung des neuen Baugebietes dazu geraten, die Geruchseinwirkungen im künftigen Baugebiet zu prüfen.

Die kommunale Wohnraumbeschaffungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft hatte deshalb im November ein Geruchsgutachten vergeben. Danach sollen Mitarbeiter der Firma Müller-BBM Industry Solutions das Plangebiet, das in 20 Messpunkte eingeteilt wurde, zu unterschiedlichen Zeiten begehen und ihre Wahrnehmungen notieren. Es sollen mögliche Gerüche wie beispielsweise Rohöl, Diesel, Benzin, Kunststoff, aber auch Hausbrand, Kochen und Biomüll notiert werden.

Bürgermeister verteidigt

Es handele sich um eine sensorische Prüfung durch Menschen und nicht durch Maschinen, stellte Bürgermeister Memmel dazu in der Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses klar. Worauf Stadtrat Stefan Wagner (SPD) meinte: „Dann sind das also die Super-Nasen.“ Was wiederum nicht abwegig ist, denn auch bei der Entwicklung von Parfüm wird so gearbeitet.

„Warum wird jetzt gemessen? In der Raffinerie wird aktuell nicht produziert“, stellt schließlich ein Bürger im Gespräch mit dieser Zeitung fest. Auch Konrad Sigl (CWMG) hatte in der Ausschusssitzung danach gefragt. „Würde man jetzt nicht beginnen, würde man den Winterzeitraum verlieren“, antwortete der Bürgermeister in der Sitzung.

Auf Nachfrage dieser Zeitung stellte Memmel klar: „Es geht nicht um die absoluten Werte. Es geht um die Veränderung.“ Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Messungen mehrere Monate dauern werden, laut Sitzungsvorlage sollen alle Jahreszeiten erfasst werden.

Unweit der Raffinerie gibt es in Neustadt Süd bereits eine Siedlung, die überwiegend aus Ein- und Zweifamilienhäusern besteht. Sie soll wachsen. Foto: Dannenberg
Nach Unternehmensangaben verarbeitet Bayernoil an den Standorten Neustadt und Vohburg jährlich rund 11 Millionen Tonnen Rohöl. Foto: Dobmeier