Regionalität und Service sind wichtig, aber finanziell ist es noch schwierig

Der Dorfladen in Hienheim hat sein erstes vollständiges Kalenderjahr geschafft. Die Bilanz: Das Geschäft ist schwierig, aber der Optimismus ist noch immer da.
„Die Hienheimer nehmen den Laden gut an“, stellt Elena Forster, Geschäftsführerin des Dorfladens fest. Aber, sagt sie auch, es sind nicht nur die Kunden aus Hienheim, die im Dorfladen einkaufen. Kundschaft komme auch aus den Nachbarorten Irnsing und Laimerstadt. Außerdem gibt es Laufkundschaft – beispielsweise Touristen oder Leute, die zufällig durch Hienheim fahren und den kleinen Laden an der Hauptstraße entdecken.
Allerdings haben die Betreiber, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) auch gemerkt, dass der Umsatz nicht immer gleich ist. „Im Winter ist es eher schwächer“, sagt Elena Forster. Außerdem habe man den kleinen Bäckereiladen in Irnsing beim Umsatz gespürt. Der hat zwar ein deutlich geringeres Angebot, wirke sich aber dennoch aus.
Die Mannschaft des Dorfladens hat auf Veränderungen auch des Kundenverhaltens reagiert und nicht stur am anfangs eingeschlagenen Weg festgehalten. So wurden zum Beispiel die Öffnungszeiten geändert. Statt morgens um 5.30 Uhr zu öffnen, wird jetzt erst um 6.30 Uhr aufgesperrt, nachdem die Nutzung der früheren Öffnungszeit sich nicht rentiert hat.
Jetzt auch Mittagstisch
Auch beim Lebensmittelangebot gab es Veränderungen. Dennoch hat man am „Markenkern“ des Dorfladens festgehalten. „Regionalität ist wichtig“, betont Elena Forster. Das gilt insbesondere für Fleisch- und Wurstwaren sowie Brot und Kuchen. Service, sagt die Geschäftsführerin weiter, sei genauso wichtig. „Fleisch kann man bei uns vorbestellen und am Freitag ist unsere Auswahl an Lebensmitteln mit Blick auf das Wochenende größer als während der Woche.“
Was es gibt, wird beworben. Beispielsweise über die WhatsApp-Gruppe des Dorfladens und das „Hienheimer Dorfbladl“. Dort können die Kunden auch schauen, welchen Mittagstisch es am Freitag gibt. So gab es am vorigen Freitag Schaschlikpfanne mit Reis, am kommenden Schupfnudeln mit Rahmgemüse und danach Münchner Schnitzel mit Kartoffelsalat.
Das Angebot ist neu, es muss vorbestellt werden und es wird in der Küche des Dorfladens frisch zubereitet. „Es sind überwiegend Singles, verwitwete Mitbürger oder Menschen, bei denen es mit dem Essen einfach schnell gehen muss und keine Zeit da ist, um selber am Herd zu stehen“, erklärt die Geschäftsführerin.
Der Mittagstisch ergänzt den bereits bestehenden und sehr gut laufenden Party-Service. Und er verändert das kleine Geschäft. Es ist mehr als ein klassischer kleiner Kaufmannsladen in den eineinhalb Jahren seit der Eröffnung im Juli 2023 geworden.
Schließlich erlebte das Dorfladen-Team, dass Menschen je nach Jahreszeit möglicherweise unterschiedlich einkaufen. Das bezieht sich nicht nur auf die Nachfrage nach Eiscreme, sondern schlicht auch auf den Umsatz. „Im Sommer lief das Geschäft besser als im Winter.“
„Noch in der Entwicklung“
Rückblickend stellt Elena Forster fest: „Die ersten zwei Jahre geht man durch Täler der Tränen. Das war uns bewusst. Finanziell ist das Geschäft noch schwierig. Insgesamt sind wir aber zufrieden. 98 Prozent unserer Gesellschafter kommen zum Einkaufen.“
Man befinde sich „immer noch in der Entwicklung“, sagt sie. Und das gilt nicht nur für den neuen Mittagstisch, es gilt auch für viele Kleinigkeiten. „Wir sind kein Supermarkt, sondern nur ein Dorfladen. Aber wenn jemand noch kurzfristig beispielsweise Creme-Rouladen braucht, besorgen wir die.“
Der Dorfladen hat sich eine Nische gesucht und möglicherweise gefunden. Dazu gehört auch die eigene Kaffeemischung, die sich auch als Geschenk eignet und die anderen Kleinigkeiten für all jene, die noch schnell was zum Verschenken brauchen. Zu den Besonderheiten des Geschäfts gehört aber auch, dass es sogar am Sonntag geöffnet hat. Von 7.30 bis 10 Uhr werden frische Backwaren verkauft.
Elena Forster versprüht Optimismus. Mit nur einem halben Jahr Vorbereitungszeit hat sich der Dorfladen grundsätzlich gut entwickelt. Jetzt geht es Stück um Stück darum, das Geschäft zu festigen. So hofft die Hienheimerin, dass sich die Vereine im Dorf und der Umgebung bei der Ausstattung ihrer Feste künftig vermehrt an den Dorfladen denken.


