Nach Lokomotiven und Waggons kommen ganz andere Züge in Neustadt an

Von Jochen Dannenberg · 9. Februar 2025 um 05:00

Der Neustädter Fotoclub ist wieder da. Und das ist auch zu sehen. Ende vorigen Jahres gab es die Jahresausstellung des Fotoclubs in der Sparkasse an der Herzog-Ludwig-Straße, jetzt eine Bilderschau im Kunstforum und im April auch beim Frühjahrsmarkt. Die Auswahl des aktuellen Ausstellungslokals ist dabei kein Zufall.

„Die Modelleisenbahnausstellung die hier und in anderen Schaufenstern über die Jahreswende stattfand, hat mich dazu verleitet“, sagt Wolfgang Godesar. Der ist nicht nur Vorsitzender des Trachtenvereins und Organisator des Martinszuges ist, sondern auch leidenschaftlicher Fotograf – und das schon seit 50 Jahren. Jetzt zeigt er Bilder vom Fasching in Neustadt a.d. Donau im Schaufenster des Kunstforums an der Herzog-Ludwig-Straße.

„Es handelt sich um eine themenbezogene Ausstellung“, sagt Wolfgang Godesar. Der Fokus des 66-Jährigen liegt nicht auf dem Fasching insgesamt. Er rückt die Faschingszüge und ihre Teilnehmer in den Vordergrund, was kein Zufall ist, wenn man Wolfgang Godesar kennt. „Beim Faschingszug bin ich oft selbst mitgelaufen – mit Kostüm und Kamera.“ So lernte er den Gaudiwurm bestens kennen.

In der Ausstellung im Kunstforum ist das zu spüren. Da ist die Aufstellung der Teilnehmer für den Start am Bahnhofsplatz genau so zu sehen wie einzelne Gruppen und Teilnehmer. Zu spüren ist die Freude der Teilnehmer an der Kostümierung und am Schabernack. Erinnert wird deshalb auch an spektakuläre Aktionen wie „König von Neustadt“, bei der ein Thron mitgeführt wurde, Passanten während des Umzuges darauf Platz nehmen konnten und sich für einen Moment wie der „König von Neustadt“ fühlen durften.

Unter Regie des Fotoclubs

Die Aufnahmen sind in den letzten 15 Jahren entstanden. Ein Dutzend Bilder ist zu jeder Tages- und Nachtzeit (bis zum Aschermittwoch) zu sehen. Im Gegensatz zu früheren Bilderschauen im Kunstforum beschränkt sich diese auf das Schaufenster und die Ladentür des ehemaligen Metzgereigeschäftes. Das bedeutet auch, dass weniger Bilder zu sehen sind, was aber dem Spaß und dem Erlebnis keinen Abbruch tut. Die Ausstellung ist eine Konzentration auf die – aus Sicht des Fotografen – wichtigsten Aufnahmen.

Das findet auch Jochen Koschorz, Ehrenpräsident der Faschingsgesellschaft Spumantia. Als er die großformatigen Aufnahmen am Donnerstag bei Nieselregen besichtigte, suchte er sofort nach bekannten und vertrauten Gesichtern und freute sich. „Prima“, entfuhr es ihm prompt „Schön habt ihr das gemacht“, meinen auch zwei ältere Damen, die stehen bleiben und sich die Fotos ansehen. Das Schaufenster ist wie bei der Modellbahnausstellung ein Ort, an dem man stehenbleibt und schaut. Genau das war Wolfgang Godesar wichtig.

Der weist wiederum darauf hin: „Die Idee für die Ausstellung stammt von mit, aber die Ausstellung selbst steht unter dem Dach des Fotoclubs.“ Bei dem ist Godesar seit vielen Jahren aktiv. Begonnen hat der 66-Jährige mit der Fotografie als Jugendlicher. „Von meinem ersten Lehrlingsgehalt habe ich mir eine Spiegelreflex gekauft“, sagt er. „Fotografie war damals ein teueres Hobby.“

Man „ballerte“ deshalb nicht drauflos, sondern überlegte sorgsam, ob alle Einstellungen an der Kamera stimmten und das Bild richtig aufgebaut war. Zu Hilfe kam Godesar, als er zur Fotogruppe in der damaligen Raffinerie der ERN, der heutigen Bayernoil, stieß. Die hatte sogar ein eigenes Fotolabor. Das braucht Godesar längst nicht mehr, denn inzwischen fotografiert er wie die meisten nur mehr digital.

Auseinandersetzung wichtig

Die Leidenschaft für das Hobby ist dieselbe geblieben. Es geht um Anteilnahme am Leben. „Die Auseinandersetzung mit dem Leben, mit der Umwelt fasziniert mich“, sagt der Neustädter. Noch immer gelte für ihn ein Grundsatz: „Das Bild entsteht im Kopf.“

Das gilt auch für Godesars Freunde im Fotoclub Neustadt. Der Verein hatte wie viele andere Vereine unter der Corona-Pandemie gelitten. Die Zahl der Aktivitäten in den Vereinen nahm ab, zum Teil wurden sie sogar eingestellt. Etliche Vereine verloren deshalb Mitglieder. Doch der Fotoclub aus Neustadt a.d. Donau tauchte nach der Pandemie wie „Phönix aus der Asche“ wieder auf und organisierte wieder seine Jahresausstellungen. Die Bilderschau, die im Herbst stattfand, war denn auch die bisher 22. in der Vereinsgeschichte.

Vor einigen Wochen, bei der Jahresversammlung des Fotoclubs, kam es zu einem „Epochenwechsel“. Günter Wachsmuth wurde nach 27 Jahren als Vorsitzender auf eigenen Wunsch von seinem Posten abgelöst. Manfred Ascherl hat die Leitung übernommen. An seiner Seite steht Dr. Ulrich Kämpfe als Stellvertreter.

1965 gab es den ersten Martinszug in Neustadt. Er wird heute von Wolfgang Godesar organisiert. Foto: Godesar
Wolfgang Godesar ist auch Vorsitzender des Trachtenvereins Neustadt und organisiert Volkstanzabende. Foto: Godesar