Ulrike Schrettenbrunner aus Regensburg führt ein Leben für die Kunst

Von Michael Scheiner · 12. Februar 2025 um 17:00

Die 57-jährige Regensburgerin arbeitete als Keramikerin und gab Töpferkurse – aktuell malt sie mit Senioren. Eine lang gehegte Idee, die Schrettenbrunner beim Besuch im BRK-Heim genau erklärt.

Ein Tröpfel-Bild von Jackson Pollock im Flur des Seniorenheims? Einige Schritte weiter ein Gemälde wie aus dem Lehrbuch für action painting, dann eine figürliche Szene im Freien. Jeweils daneben das Foto eines älteren Menschen, der mit Pinsel oder Wischmob und Farbtöpfen ins Kunstschaffen vertieft ist. „Bei dieser Aktion ist mir das Herz aufgegangen“, strahlt Ulrike Schrettenbrunner. Bei einer Führung durch den Flur des BRK-Heims erzählt die Betreuungsassistentin, wie es zu der Ausstellung gekommen ist.

Die Idee, mit alten Menschen künstlerisch zu arbeiten, habe sie seit Jahren mit sich herumgetragen. Sie selbst liebe Kunst, verrät die 57-Jährige, „meine Eltern sind mit uns oft ins Lenbachhaus, in die Alte Pinakothek, die Ostdeutsche Galerie und andere Museum gegangen“. Urlaube seien „niemals Badeurlaub“ gewesen, erzählt die gebürtige Regensburgerin von Reisen nach Ägypten, Israel, in die Türkei oder Italien. Ob dabei in der Stimme leises Bedauern mitschwingt, bleibt unklar. Erst als sie und die zwei Schwestern älter gewesen sind, seien sie in den Ferien eigene Wege gegangen.

Klavier, Flöte und Geige spielen gelernt

Auch in anderer Hinsicht war Schrettenbrunners Leben von Kindheit an künstlerisch-kulturell geprägt. Trotz ökonomisch eingeschränkter Verhältnisse lernten alle drei Mädchen Klavier, sie als Jüngste zudem Flöte und Geige. Später in Irland verschaffte ihr letztere sogar zeitweise ein berufliches Standbein als Musiklehrerin und Mitglied einer Country-Folkband. Davor allerdings lagen noch etliche andere Wegmarken und Jobs.

Ein Jurastudium hängte sie noch vor dem Staatsexamen an den Nagel. Die Vorstellung, über Jahre oder Jahrzehnte im Büro zu sitzen und Akten zu wälzen, schreckte sie ab. „Ich war immer ein taktiler Mensch“, bekräftigt sie die richtige Entscheidung für den nächsten beruflichen Weg. Dieser führte sie nach Landshut an die Berufsfachschule für Keramik und drei Jahre später mit Gesellenbrief auf die Grüne Insel. Ein namhafter Keramikmeister ermunterte die Schüler bei einem Workshop nach dem Abschluss, in die Welt zu ziehen und bei „den Besten weiter zu lernen“.

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Schrettenbrunner hielt sich an den Rat. Mit einer Freundin ging sie nach Irland, fand zunächst aber keinen Anschluss. Zurückgekehrt rief sie nach Weihnachten eine deutsche Keramikerin an, die in Dublin eine Werkstatt mit Laden betrieb. Ob sie nicht kommen und ihr für eine Messe helfen könne. Aus diesem Angebot wurden fast zwei Jahrzehnte. Ein Einschnitt war der Tod des Vaters, eines Justizbeamten am hiesigen Gericht, der die Mittdreißigerin in eine existenzielle Krise stürzte.

Ähnliches erlebte sie einige Jahre später mit dem unerwarteten Tod eines Mannes, mit dem sie eine langjährige Beziehung verband. Um den Verlust des Vaters zu verarbeiten, nahm sich Schrettenbrunner eine Auszeit und ging für ein Jahr zu Bekannten nach Arizona. Beim Besuch des Grand Canyon, in dessen Schlucht sie übernachten konnte, veränderte sich durch die schiere Größe und Schönheit des Naturwunders ihr inneres Koordinatensystem. „Das hat mir gut getan und meinen Blick auf die Welt verändert“, beschreibt sie den Moment.

Massageausbildung und Reiki praktiziert

Zurück in Irland setzte sie das zuvor begonnene Geigenstudium fort, unterrichtete und begann, in Krankenhäusern und Schulen Kurse im Töpfern zu geben. Parallel bildete sie sich zur Massagetherapeutin weiter, lernte und praktizierte Reiki und begann 2009 ein Studium in „Bereavement Studies“ am Chirurgie-College. Zwischen all diesen Studien, Fortbildungen und mehrgleisigen beruflichen Aufgaben, arbeitete die vielseitige Lebenskünstlerin auch noch in Sandwich-Buden und im Tupperwaren-Vertrieb. „Mein Leben ist schon sehr farbenprächtig“, lacht die schlanke Mittfünfzigerin mit den kurzen grauen Haaren entspannt auf.

Die Selbstsicherheit, die sie dabei ausstrahlt, habe sie sich langwierig aneignen müssen. „Ich war ein introvertiertes Kind“, blickt die multitalentierte Frau mit etwas Stolz zurück in eine Zeit, als sie bei der franziskanischen Jugend und „den etwas offeneren Don-Bosco-Patern“ erstmals „richtige Anerkennung“ erlebte. Daran sei sie gewachsen. Heute ist ihr wichtig, dass auch andere wachsen, sei es bei Aktionen mit älteren Menschen, als Ehrenamtliche im Vorstand des Hospizvereins oder wenn sie mit ihrem Partner Hans Wax einen Auftritt absolviert.