Er ist jetzt der „Sonntags-Checker“: Nittenaus Stadtpfarrer will im Netz mehr Menschen erreichen

Eigentlich versucht Nittenaus (Landkreis Schwandorf) Stadtpfarrer Holger Kruschina, möglichst wenig Zeit im Internet zu verbringen. Doch für eine Sache macht er neuerdings eine Ausnahme: Auf Instagram veröffentlicht der 53-Jährige als „Sonntags-Checker“ seine Gedanken zum Evangelium oder der Lesung in Form einer Minipredigt. Und er hat damit durchaus Erfolg.
Früher hatte Kruschina mit den sozialen Medien nicht viel am Hut. Doch vor zwei Jahren kam er näher mit Instagram in Kontakt, um Werbung für Konzerte des Hubert-Velten-Ensembles zu machen, das er leitet. Allmählich habe er damals auch angefangen, hin und wieder Bilder von seiner Arbeit zu posten. „Ich wollte zeigen, was ein Pfarrer so den ganzen Tag macht“, sagt Kruschina.
Filterblasen als Gefahr
Im Herbst 2024 schließlich sei ihm durch mehrere Gespräche so richtig bewusst geworden, in welchen Filterblasen sich Nutzer sozialer Medien bewegten. Wer nicht aktiv nach Nachrichten zum Thema Kirche und Glauben suche, bekomme sie auch nicht zu lesen. „Da ist mir klar geworden – ich muss da mehr unterwegs sein, um Menschen zu erreichen“, sagt der Stadtpfarrer.
Mittlerweile hat sein Account knapp 550 Follower und seine Clips werden im Schnitt an die 1000 Mal aufgerufen. Offenbar erreicht Kruschina damit mehr Menschen als in den Gottesdiensten – in Nittenau und Fischbach sind es pro Wochenende rund 600 Kirchgänger.
Keine Missionierung
Als Influencer, der seine Followerzahlen in die Höhe treiben will, sieht Kruschina sich nicht. „Das ist gar nicht meins. Ich will einfach Menschen erreichen, die ich sonst nicht erreichen kann. Es geht mir nicht um Missionierung – ich will Menschen Begegnung ermöglichen“, sagt er. Seinen Account verstehe er als offenes Portal. Wer Lust habe, ihn zu kontaktieren, sei immer willkommen.
Inhaltlich dreht es sich in Kruschinas Videos immer um einen Aspekt des Sonntagsevangeliums oder einer der Lesungen – zuletzt beispielsweise über die Frage, was es bedeutet, Menschen in das große Netz der Liebe Gottes zu holen. In seinen Clips versucht der Seelsorger, sich möglichst kurz zu fassen, um die Aufmerksamkeit der User nicht überzustrapazieren.
Kruschina muss nicht lang überlegen
Bisher, so erklärt Kruschina, sei es ihm nicht schwergefallen, Ideen für seine Videos zu finden. „Ich muss aber auch bei meinen Predigten nicht lang überlegen“, sagt Kruschina schmunzelnd. Allerdings seien sicherlich nicht alle Folgen des Sonntags-Checkers gleich gut gelungen. „Das ist wie bei einer Fernsehserie, da sind auch nicht alle Teile gleich spannend.“
Bislang hat Kruschina von seinen Followern nur Likes in Herzform oder freundliche Kommentare erhalten. Kritik sei bislang noch keine gekommen. Jeden seiner bisherigen Clips hat der Pfarrer vor einem anderen Hintergrund aufgenommen – mal in der Kirche oder daheim im Pfarrhof vor dem Weinregal. Was den Ort des Geschehens angeht, seien sicherlich noch ein paar Varianten möglich, sagt Kruschina. Er kann sich auch vorstellen, seinen Sonntags-Checker-Clip bei einer Wanderung auf den Jugenberg zu drehen, wenn gerade die Bergpredigt als Thema des Evangeliums ansteht.
TikTok ist keine Option
Hat Kruschina mittlerweile so großen Gefallen an den sozialen Medien gefunden, dass man ihn vielleicht bald auch bei TikTok finden kann, wo er an die ganz junge Zielgruppe herankommen könnte? Nein, sagt der Pfarrer. Er sei insgesamt sehr zurückhaltend, was das Internet betreffe. „Man kann sich sowohl als Macher als auch als Konsument zeitlich darin verlieren“, so Kruschina. Das wolle er vermeiden. Und darüber hinaus sei Seelsorge vor Ort einfach viel spannender als im Netz.