Nittenaus Pfarrer Holger Kruschina ist nun Ehrendomherr – Gibt es dafür auch mehr Geld?

Von Martin Kellermeier · 1. Oktober 2024 um 17:00

Große Ehre für Nittenaus Stadtpfarrer Holger Kruschina: In Tschechien wurde er zum Ehrendomherren ernannt. Nun darf der 53-Jährige ein Gewand tragen, das zumindest für Laien dem eines Bischofs stark ähnelt. Welche Aufgaben hat er nun? Und verdient man mit dem neuen Titel auch mehr Geld? Im Interview gibt der Seelsorger Antworten.

Herr Pfarrer, wie spricht man Sie nach der Verleihung des Titels Ehrendomherr eigentlich richtig an? Herr Pfarrer, Herr Stadtpfarrer, Herr Ehrendomherr? Oder doch ganz anders?

Holger Kruschina: Ha! Da kämen ja auch noch der Regionaldekan oder der Bischöflich Geistliche Rat dazu. Nein: Wenn man mich meint, fühle ich mich auch angesprochen – so oder so. Formal gehört die Anrede zur Funktion, also ist Pfarrer in der Regel die korrekteste Form. Einen Stadtpfarrer gibt es ja so eigentlich gar nicht. Und da das Ehrenkanonikat ja in erster Linie mit dem Domkapitel in Leitmeritz in Verbindung steht, ist „euer Gnaden“, so hat es ein Freund gegoogelt, in meinem Dienst in der Diözese Regensburg unangebracht.

In welchem Rahmen wurde Ihnen der neue Titel verliehen?

Kruschina: Dr. Stanislav Přibyl ist seit dem Frühjahr der neue Bischof von Leitmeritz und hat sein Domkapitel ergänzt. Neben den beiden ordentlichen Domkapitularen wollte er mit der Ernennung zweier Ehrendomherren aus Deutschland ein Zeichen setzen, weil bis zur Vertreibung 1946 die Diözese traditionell beide Volksgruppen, also Deutsche und Tschechen, umschloss. Die Einführung ins Kapitel war vergangenen Samstag am Gedenktag des böhmischen Nationalheiligen Wenzel im Dom in Leitmeritz im Rahmen einer Vesper um 17 Uhr.

Wie haben Sie die Feier erlebt? Sie waren bestimmt aufgeregt.

Kruschina: Ein bisschen aufgeregt war ich schon. Es war ja so gut wie alles auf Tschechisch, und in der Sakristei herrschte rege Betriebsamkeit. Man will ja dann doch auch nichts verkehrt machen. Aber mein deutscher Kollege – er ist aus der Lausitz und spricht auch Tschechisch – hat mir geholfen. Die Feier war dann schon auch eindrücklich, die muss ich noch ein wenig setzen lassen.

Sie haben schon viele Titel, auch den des Regionaldekans. Stellt da der Ehrendomherr für Sie noch eine Besonderheit dar?

Kruschina: Der Regionaldekan ist eine Aufgabe, mit der mich der Bischof betraut hat. Das spricht natürlich schon auch dafür, dass ich meine Arbeit bisher ordentlich gemacht habe, und das ehrt einen dann auch. Der Ehrendomherr ist – wie der Bischöflich Geistliche Rat – eine Anerkennung für die geleistete Arbeit bzw. in diesem Fall mein ehrenamtliches Engagement. Persönlich berührt mich die tiefere Verbindung, die damit in die Kirche von Tschechien und natürlich in die Heimat meiner Vorfahren verbunden ist.

Wie kamen Sie eigentlich zu dem Titel Ehrendomherr in Tschechien?

Kruschina: Wie gesagt, wollte Bischof Přibyl ein Zeichen der Verbundenheit setzen. Wir beiden neuen Ehrendomherren stammen nicht aus dem Bistum Leitmeritz – die Heimatpfarrei meines Vaters liegt auf dem Gebiet der Diözese Königgrätz – aber wir engagieren uns im Brückenbau zwischen den Nationen im Rahmen unserer Kirche. Ich mache das vor allem als Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerkes, kurz SPW.

Und dieses Engagement ist Ihnen ein Herzensanliegen.

Kruschina: Das SPW entstand nach dem Zweiten Weltkrieg als Zusammenschluss von Priestern mit Vertriebenenhintergrund: ähnliche Biografien, ähnliche seelsorgerische Herausforderungen, erfahrbare Solidarität. In den vergangenen 15 Jahren brach die „Erlebnisgeneration“ weg. Umso wichtiger ist nach dem Fall des Eisernen Vorhangs der Brückenbau in die alte Heimat geworden. Wir organisieren mittlerweile jährlich wechselnd hüben und drüben Begegnungstage zwischen Priestern beider Nationen. Ferner finanzieren und organisieren wir eine Urlaubswoche für tschechische Mitbrüder, die ihren Dienst noch unter den schwierigen Bedingungen des Kommunismus geleistet haben. Und wir haben inzwischen auch tschechische Mitbrüder im Verein und im Vorstand, das freut mich besonders. Dann ist da noch die leider tagesaktuelle Problematik von Flucht und Vertreibung auf dieser Erde, wo man sich mit seiner „Geschichte“ auch in die Diskussion einbringen kann und muss.

Welche Pflichten bringt Ihr neuer Titel mit? Haben Sie nun weniger Zeit für ihren Dienst in der örtlichen Pfarrei?

Kruschina: Da es ein Ehrentitel ist, entstehen keine großen Pflichten daraus. Ich dürfte grundsätzlich bei allen Gottesdiensten des Kapitels im Ornat im Chorgestühl teilnehmen. Aber das wird bei einer einfachen Fahrtzeit von dreieinhalb Stunden niemand erwarten. Bei größeren Festen werde ich sicher eingeladen und dann muss ich halt schauen, wie oft ich so eine Einladung auch wahrnehme. Und von der Dienstzeit in Nittenau wird so was eh nicht abgeknapst, keine Sorge – oder falschen Hoffnungen! (lacht)

Bekommen Sie durch den neuen Titel eigentlich mehr Geld?

Kruschina: Für ein Ehrenkanonikat ist kein Entgelt vorgesehen. Und die Kirche in Tschechien muss eh zusehen, wie sie mit den wenigen Mitteln auskommt. Im Gegenteil: Lieber lass ich „meiner“ tschechischen Diözese mal eine Spende zukommen.

Als Ehrendomherr dürfen Sie nun auch ein neues Gewand tragen. Beschreiben Sie das doch bitte für unsere Leser.

Kruschina: Es ist ein schwarzer Talar mit lila Knöpfen und Umrandungen. Den habe ich mir übrigens erst mal nur bei unserem Regensburger Domprobst ausgeliehen. Dazu gehört dann ein lila Zingulum, also eine Art Bauchbinde, und ein lila Birett als Kopfbedeckung. Beides durfte ich mir auf Dauer aus dem Schrank im Regensburger Dom holen – für ein Vaterunser für den verstorbenen Träger, der das nicht mit ins Grab genommen hat. In Leitmeritz habe ich dann eine Mozetta, das ist ein lila Schulterüberwurf, und das Kapitelskreuz bekommen. Für Letzteres musste ich unterschreiben und die Schnur dazu durfte ich bezahlen – wie gesagt: Geld ist in der tschechischen Kirche knapp.

Werden Sie auch in Nittenau ihr neues Gewand tragen? Wenn ja, bei welchen Anlässen?

Kruschina: In die Tiefen dieses Kirchenknigge bin ich noch nicht vorgedrungen, da muss ich mich mal beim Bischof erkundigen. Wenn, dann geht es eher darum, ein Zeichen für dieses Amt zu setzen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich das Gewand trage, wenn ich zum Beispiel als SPW-Vorsitzender auf dem Sudetendeutschen Tag bin und so auf das Engagement aufmerksam mache.

Finden Sie, dass die Farbe modisch zu Ihnen passt?

Kruschina: Wenn ich mich gewaschen habe, zumindest zu den Bäckchen. (lacht)

Bischof Dr. Stanislav Přibyl (Mitte) hat zwei tschechische und zwei deutsche Geistliche neu in das Domkapitel von Leitmeritz aufgenommen. Pfarrer Kruschina (r.) ist einer davon. Foto: Sebastian Gabler