Der Mann mit der Pfeife: Nittenaus Gummiwerk-Gründer Gabor Schönek wäre heuer 100 geworden

Das Gummi- und Kunststoffwerk Schönek aus Nittenau beliefert weltweit Autohersteller mit Fußmatten und Schmutzfängern – und treibt derzeit seine Erweiterungspläne voran. Firmengründer Gabor Schönek hätte sich darüber sicherlich gefreut. Er wäre heuer 100 Jahre alt geworden.
Einer, der sich noch gut an den gebürtigen Ungarn erinnern kann, ist der Brucker Helmut Finken, langjähriger Geschäftsführer des Unternehmens. „Man kann sich keinen legereren Mann vorstellen. Er hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern. Er wusste, was er wollte – und bekam es auch“, erinnert sich der 89-Jährige.
Gabor Schönek sei ferner ein sehr kreativer Mensch gewesen, der sich auch als großzügiger Sponsor erwiesen habe. So habe er beispielsweise gern die Spielvereinigung Bruck unterstützt und unter anderem den Umbau des Sportplatzes finanziell gefördert.
Start in München, dann Bruck und Nittenau
Doch wie verschlug es Schönek einst ausgerechnet in die Gegend um Bruck und Nittenau? In den Wirren des Zweiten Weltkrieges kam der gelernte Teppichweber als junger Mann nach Deutschland. In München eröffnete er eine kleine Weberei, die Kokosteppiche herstellte. Anfang der 1950er Jahre kam Schönek schließlich in die Oberpfalz, um Standorte für eine neue und größere Weberei zu inspizieren.
Am Ende entschied er sich für ein Grundstück in Bruck. Hier eröffnete er 1952 eine neue Weberei. Finken erinnert sich noch gut an die 1960er Jahre, als noch 16 große Webstühle in der Halle standen. Das aus Indien importierte Kokosgarn wurde darauf zu rund 1,50 Meter breiten Bahnen gewebt, aus denen am Ende Fußmatten ausgestanzt werden konnten.
Herstellung von Autositzbezügen folgte
In der Färberei wurden die ursprünglich beigen Matten dann bunt. Sehr beliebt waren laut Finken bei der Kundschaft damals Modelle in Rot, Blau oder Grün, jeweils mit weißen Punkten. Die fertigen Matten lieferte man damals bereits an Autozubehörgroßhändler sowie an Opel und Ford. Wenig später begann man bei der Firma Schönek am Standort Bruck mit der Herstellung von Autositzbezügen. Dafür habe man unter anderem Felle von Schafen aus Südamerika importiert, erinnert sich Finken.
1967 machte Gabor Schönek einen wichtigen Schritt und errichtete die erste Halle des neuen Gummiwerks Schönek in Sulzmühl und schuf damit den zweiten Standort des Unternehmens.
Über die Jahre hinweg hat das Gummiwerk eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte hingelegt: Hier werden Fuß- und Kofferraummatten, Schmutzfänger und andere Automotive-Teile für die Automobilindustrie und den Handel produziert und an Kunden in der ganzen Welt ausgeliefert. Seit elf Jahren ist Markus Riegelsberger Chef und Hauptgesellschafter der Schönek-Gruppe mit ihren rund 250 Mitarbeitern an den Standorten Bruck, Nittenau und Bodenwöhr.
Auch Rolls Royce unter Kunden
Im Gummiwerk in Nittenau, dem größten Standort, arbeiten mittlerweile rund 160 Beschäftigte – und sorgen dafür, dass jeden Tag rund 20 000 Sätze Fußmatten in allen Größen und Variationen entstehen – vom ganz einfachen und günstigen Modell bis hin zur teuren Variante mit besonderen Logos und Emblemen wie etwa für den britischen Automobilhersteller Rolls Royce.
Der Jahresumsatz lag zuletzt im Schnitt zwischen 30 und 33 Millionen Euro – Tendenz steigend. Derzeit plant man bei Schönek intensiv die Erweiterung des Standorts Nittenau: Voraussichtlich in diesem Herbst soll noch der Bauantrag für eine neue Lagerhalle mit rund 120 Metern Länge und 35 Metern Breite eingereicht werden.
Doch das ist noch noch nicht alles: Zwei weitere Hallen in ähnlichen Dimensionen sollen folgen, um die Produktion im Gummiwerk um 15 bis 20 Prozent ausweiten zu können. Firmengründer Gabor Schönek, der am 8. Mai 1979 im Alter von 54 Jahren einer schweren Krankheit erlag, wäre sicherlich stolz auf diese Entwicklung gewesen.
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