Firma Schönek: Der Gummigigant aus Nittenau hat große Pläne

Von Cornelia Lorenz · 25. Mai 2023 um 14:04

Fast jeder Autofahrer in Deutschland dürfte schon ein Produkt eines Nittenauer Unternehmens unter den Schuhen gehabt haben: Das Gummi- und Kunststoffwerk Schönek beliefert Autohersteller weltweit mit Fußmatten – und will nun deutlich erweitern.

Seit 1968 ist das Unternehmen im Nittenauer Industriegebiet Sulzmühl ansässig. Gegründet hatte es einst der gebürtige Ungar Gabor Schönek. Damals hatte die Produktion noch wenig mit der Automobilindustrie zu tun: Aus den Gummiplatten, die anfangs im Werk entstanden, wurden Schuhsohlen gestanzt.

Das ist lange her – und der Betrieb hat seitdem eine außergewöhnliche Entwicklung hingelegt. Das „Gummi- und Kunststoffwerk G. Schönek“, wie es heute noch in Erinnerung an den Firmengründer heißt, produziert Fuß- und Kofferraummatten, Schmutzfänger und andere Automotiv-Teile für die Automobilindustrie und den Handel – und liefert sie an Kunden in der ganzen Welt.

Geschäftsführer Markus Riegelsberger ist stolz darauf. Der 49-Jährige hat am kleinenSchönek-Standortin Bruck, wo Sitzbezüge und Autoteppiche entstehen, 1991 eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. Seit zehn Jahren ist er mittlerweile Chef und Hauptgesellschafter der Schönek-Gruppe mit ihren rund 250Mitarbeitern an den Standorten Bruck, Nittenau und Bodenwöhr.

Auch Rolls Royce ist Kunde bei Schönek

Im Gummiwerk in Nittenau, dem größten Standort, arbeiten mittlerweile rund 160 Beschäftigte – und sorgen dafür, dass jeden Tag rund 20000 Sätze Fußmatten in allen Größen und Variationen entstehen – vom ganz einfachen und günstigen Modell bis hin zur teuren Variante mit besonderen Logos und Emblemen wie etwa für den britischen Automobilhersteller Rolls Royce. Der größte Kunde von Schönek sei derzeit BMW, sagt Riegelsberger. Pro Tag gingen allein 4000 Sätze Fußmatten ins BMW-Zentrallager Dingolfing.

Viele Unternehmen hatten aufgrund der Corona-Krise in den vergangenen Jahren arg zu kämpfen – Schönek dagegen habe diese Zeit ohne Probleme durchschifft. „Wir haben weder Kurzarbeit noch Coronahilfen in Anspruch genommen“, sagt der Geschäftsführer. Man erziele im Schnitt einen Jahresumsatz von 30 bis 33 Millionen Euro – Tendenz steigend. Das liegt laut Riegelsberger daran, dass man bei seinen Produkten breit aufgestellt sei – und sich auch für kleinere Aufträge nicht zu schade sei: So produziere man bei Schönek beispielsweise alle paar Wochen Fußmatten für uralte VW-Käfer und andere Oldtimer.

Neue Lagerhalle ist dringend nötig

Weil die Geschäfte gut laufen und das Unternehmen mittlerweile aus allen Nähten platzt, plant man bei Schönek in Nittenau derzeit eine umfangreiche Erweiterung. Zuallererst will Riegelsberger eine neue Lagerhalle bauen. Diese brauche man dringend, denn mittlerweile gebe es pro Automodell gleich mehrere Varianten für die Fußmatten. Das erhöht den Lagerbedarf bei Schönek deutlich.

Zusätzlich zur neuen Lagerhalle ist auch mehr Platz für die Produktion nötig: Künftig, so sagt Riegelsberger, wolle man nicht nur den Gummi aus Naturkautschuk und weiteren Zutaten wie Kreide und Ruß selbst produzieren. Auch den für hochwertigere Produkte nötigen Kunststoff TPE wolle man künftig vor Ort selbst herstellen.

In Summe, so erklärt Riegelsberger, benötige man in Sulzmühl drei weitere Hallen und plane eine Investitionssumme von rund fünf Millionen Euro. „Wir wollen dem Standort Nittenau auch in Zukunft treu bleiben“, betont Riegelsberger.

Nittenaus Rathauschef freut sich über Investition

Das freut Nittenaus Bürgermeister Benjamin Boml (FW), der sich kürzlich selbst ein Bild von den Produktionsabläufen bei Schönek machte. „Ich bin froh, dass sich das Unternehmen zu Nittenau bekennt“, sagte er. Schließlich sei das Unternehmen für die Stadt ein wichtiger Gewerbesteuerzahler und schaffe mit der Investition auch neue Arbeitsplätze. Rund zehn Prozent mehr Personal werde man voraussichtlich im Zuge der Erweiterung einstellen, schätzt Riegelsberger derzeit.

Von Seiten des Stadtrates gab es bei der jüngsten Sitzung grünes Licht für Riegelsbergers Pläne − mit einer Gegenstimme: Grünen-Fraktionssprecherin Elisabeth Bauer betonte, ihr gefalle das Vorgehen nicht. Denn schließlich betreffe die Erweiterung von Schönek eine Fläche von knapp 23000 QuadratmeternLandschaftsschutzgebiet. Diese Fläche müsse man erst offiziell aus dem Landschaftsschutzgebiet herausnehmen und für eine tatsächlich gleich große Ausgleichsfläche sorgen, bevor man die Schönek-Pläne im Stadtrat absegne. Auch die bereits erfolgte Rodung auf dem Schönek-Gelände gefiel Bauer nicht. Boml hielt dagegen, die Herausnahme des Areals aus dem Landschaftsschutzgebiet habe man bereits in der letzten Stadtratssitzung befürwortet, um dem Kreistag das gemeindliche Einvernehmen zu signalisieren.

Nittenaus Stadträte waen sich fast einig

Bauers Kritik sorgte bei einige Ratskollegen für Unverständnis. „Wir sind froh, dass sich der Betrieb in unmittelbarer Nähe erweitern kann. Wir brauchen die Gewerbesteuereinnahmen, um die Ideen, die der Stadtrat hat, auch umzusetzen“, sagte Albert Meierhofer (CSU) – und bekam dafür Zustimmung von den übrigen Fraktionen.

Das Unternehmen habe sich beständig weiterentwickelt und sei ein Aushängeschild für Nittenau. „Da sollten wir uns jetzt nicht an Verfahrensfragen aufhängen“, ergänzte SPD-Fraktionschef Jürgen Kuprat.

Wenn die Gummimischung aus dem ersten Walzwerk kommt, sieht sie bereits sehr homogen aus.
Kautschuk für die Gummiproduktion kommt aus Malaysia.
Ausschuss wird geschreddert und wiederverwendet.