Regensburger Rapper stellt sich seinen Ängsten

Er mixt Punk, Elektro, Latin, sogar Blues, und schreibt berührende Texte. Jetzt stellt der Musiker seine neue Produktion „Evander“ vor.
Die Schmieden für seine Beats sitzen in Wales oder sonst wo auf der Welt. Linus Eisenhauer aka Lonelinus recherchiert nächtelang, um Studiomusiker und Producer zu finden, mit denen sich seinem Gefühl nach eine Zusammenarbeit lohnt. Hört man sich durch die Tracks seiner neuen Produktion, ist der Songschreiber und Rapper bei seinen Surftouren auf einige coole Rhythmustüftler gestoßen. Von ihnen hat er lässig entspannte Beats mit überraschenden Breaks für „Blumenbett“ und hektisch schnelle Sounds für den Song „Tempo“ übernommen.
An diesen Nummern tüftelte Lonelinus noch im Feinschliff, bis sie mit seinen Lyrics optimal funktionieren. Im Proberaum der Alten Mälzerei erfolgten schließlich die Aufnahmen, die nun auf diversen Streaming-Plattformen zu finden sind. Fans und Live-Enthusiasten präsentiert der Künstler seine Songs bei einer Release-Party in der Bar „Heimat“.
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Seit fast einem Jahrzehnt ist der junge Songschreiber in der Regensburger Kreativszene verankert. Nachdem er sein Debütalbum über Crowdfunding auf die Beine gestellt hatte, folgten lokale Erfolge mit einer stimulierenden Live-Performance. Mit darauffolgenden Projekten und einem zweiten Album setzte der Musiker Standards für die Kombination aus Trap, Jazz Beats und Storytelling. Im Geschichtenerzählen, verrät Lonelinus am Telefon, sei er gut. „Das ist mein Terrain.“
Mit „Evander“ stellt sich der Rapper eigenen Abgründen und Ängsten und formt mit erstaunlichem Gespür für poetische Bilder Reime, die zugleich Realitäten reflektieren. Im Titelsong, mit dem Lonelinus auf den berühmten Boxer Evander Holyfield Bezug nimmt, singt er über den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Was sich darin an Schmerz und Unsicherheiten türmt, nimmt in der letzten Strophe die Kurve und führt aus der depressiven Enge heraus. „Ich hoff ich fall nicht mehr hinein,“ rappt der Student der Musikgeschichte über seine wiedergewonnene Gesundheit, „(…) kämpf mich zurück in den Ring / nenn mich Evander“. Was anderen durchaus Mut machen kann, könnte bei dieser musikalischen Qualität auch breitere Wirkung entfalten. Lonelinus müsste nur seine bilderreiche Sprache von der Ich-Perspektive in Richtung allgemeinere Fragestellungen und Emotionen weiten.
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Düster wirkt auch die Auseinandersetzung mit dem „Sterben“, dem Lonelinus ein trotziges „so nicht“ entgegenhält. Ein Sample des Rappers Nelly verwandelt der junge Regensburger in ein ironisch-freches, bayerisch gesprochenes „I a“, also: ich auch, und lässt die Freundschaft hochleben. So wie er schon früher durch Stilrichtungen gepflügt ist, finden sich auch in den neuen Produktionen Elemente von Punk, Electro, Latin und sogar Blues. Letzteres allerdings eher als Feeling denn als musikalische Form. Linus Eisenhauer selbst fühlt sich dem aktuellen Hyperpop verbunden, den er mit dem Duo „BOOOM“ seines Vaters Gerwin Eisenhauer auch auf die Bühne bringt. Damit bringt er selbst die skeptischsten Hörer zum Tanzen.
Zu „Evander“ gibt es Streaming und Social Media Links auf Instagram, Spotify und Youtube. Lonelinus stellt das Album am 24. Februar (20 Uhr) in der Bar „Heimat“ (Am Römling) Regensburg vor.