„Hedwig‘s Theme“ und mehr: Hofer Symphoniker spielen John Williams’ Komposition in Regensburg

Von Claudia Böckel · 10. Februar 2025 um 05:00

Harry Potter mobilisiert seine Fans. Von den knapp 5000 Plätzen in der Donau-Arena waren zwar nicht alle, aber sehr viele besetzt. Es waren sicher viele Besucher darunter, die als Jugendliche bei Erscheinen eines neuen Bandes einfach einen Tag durchgelesen haben, ohne Rücksicht auf andere Erfordernisse.

Und natürlich verspricht ein Live-Kino-Event nochmal eine ganz besondere Art des Erlebens. Die Leinwand war riesig, das Orchester ebenso. Die Hofer Symphoniker, auch beim letzten Sonderkonzert von Odeon Concerte, dem umjubelten Neujahrskonzert unter dem neuen Chefdirigenten, schon präsent, kamen wieder in Maximalbesetzung, um dem John-Williams-Sound gerecht zu werden. Klanggewaltig ging es zu, aber dazwischen auch wieder relativ intim mit solistischen Bläsern. Die versammelte Streichermannschaft hatte schon wirklich Power. In der fünften Reihe Parkett wünschte man sich manchmal einen Knopf zum Abregeln. Das Orchester unter dem Dirigenten Timothy Henty, der auch ein paar einführende Worte sprach, nahm die Zuhörer und Zuschauer mit auf die abenteuerliche Reise durch Harrys erstes Schuljahr in Hogwarts.

Populäres „Hedwig‘s Theme“

„Du bist ein Zauberer, Harry“, sagt der hünenhafte und sympathische Hagrid am elften Geburtstag des Waisenkindes Harry Potter, und stellt damit das Leben des Kindes auf den Kopf. Bei seiner Tante lebt er im Wandschrank unter der Treppe, wird bombardiert mit Briefen, die der Onkel verschwinden lassen will, die aber dann durch alle Öffnungen des Hauses eindringen, um Harry in sein neues Leben zu bringen. Man begleitet Harry beim Einkauf der nötigen Schulausstattung, auch die Eule Hedwig gehört dazu und ein Besen zum Reiten, man sieht ihn auf dem Bahnsteig das Gleis 9 ¾ suchen, seine neuen Kameraden kennenlernen.

J.K.Rowlings populäre, siebenteilige Romanreihe begann beim ersten Band 1997 in Kleinauflage mit 500 Exemplaren, entwickelte sich dann zum absoluten Verkaufserfolg. Ab dem vierten Band im Jahr 2000 gelang der Reihe der weltweite Durchbruch. Die folgenden Teile brachen alle Vorbestellungsrekorde in Großbritannien und den USA. Bis 2015 wurden mehr als 450 Millionen Bücher der sieben Bände verkauft. Ab 2001 entstanden parallel zu den Büchern Verfilmungen, bei denen auch schon der berühmte amerikanische Filmkomponist John Williams mit im Boot war. Zum ersten Harry-Potter-Film komponierte er unter anderem Hedwig‘s Theme, das weltberühmt wurde und auch in den späteren Filmen von anderen Filmkomponisten verwendet wurde.

Vehement und einfühlsam

Williams ist mehrfacher Oscar- und Grammy-Gewinner, zählt seit den 70er-Jahren zu den weltweit bekanntesten, erfolgreichsten und einflussreichsten Filmkomponisten. 1993 komponierte er den Score zu Schindlers Liste. Stephen Spielberg wollte ihn als Komponisten, Williams antwortete zunächst: „Du benötigst einen besseren Komponisten für diesen Film, als ich es bin.“ Spielbergs Erwiderung: „Ich weiß, aber die sind alle tot.“

Williams nimmt durchaus Anleihen und Ideen anderer Komponisten auf. Geht es mit den Booten übers Wasser, klingt seine Musik nach Wagners Rheinfahrt, gilt es, den Nachfahren des Höllenhundes Zerberus, den dreiköpfigen Fluffy in Hogwarts, zu betäuben, kann nur Harfenmusik wie schon damals bei Orpheus erklingen. All das und viel mehr brachten die Hofer Symphoniker sowohl über den Bühnenrand als auch hinauf zur Leinwand, begeisterten durch ihre Vehemenz des Einsatzes genauso wie durch ihre Einfühlsamkeit in ruhigen Momenten.