Wie kommt ein Audi-Rennwagen auf eine illegale Mülldeponie in Tschechien?

Seit Wochen sammelt sich im osttschechischen Jiříkov Müll – mutmaßlich abgelagert von einem Oberpfälzer Recyclingunternehmen. Nun gab es einen ungewöhnlichen Fund: die Überreste eines Audi-Rennwagens, der bereits bei der Rallye Dakar zum Einsatz kam.
Laut Medienberichten soll es sich um den Hybrid-Spezialwagen Audi RS Q e-tron handeln, mit dem der Schwede Mattias Ekström den neunten Platz bei der Rallye Dakar 2022 erreichte. Erkannt haben soll man das Fahrzeug wegen auffälliger Teile und dem Kennzeichen „IN“ für Ingolstadt. Arbeitet also Audi mit dem Oberpfälzer Recyclingunternehmen zusammen?
Unternehmenssprecherin bestätigt Zusammenarbeit
Eine Sprecherin bestätigt, dass dem Automobilhersteller der Fall bekannt – und, dass die Recyclingfirma Teil der Lieferkette von Audi ist. „Unmittelbar, nachdem wir Kenntnis davon erlangt haben, haben wir Maßnahmen ergriffen, um den Sachverhalt zu klären.“ Derzeit laufe eine umfassende Prüfung im Rahmen der Compliance-Prozesse. Da der genaue Sachverhalt noch geprüft werde, wolle sich Audi nicht weiter dazu äußern. Generell gebe man keine Auskunft zu einzelnen Geschäftsbeziehungen, so die Sprecherin. Aber: „Audi toleriert keine Verstöße gegen Umwelt- und Sozialstandards – das gilt für die gesamte Lieferkette.“
Im Verhaltenskodex seien klare Vorgaben für Compliance, Umwelt und Soziales festgehalten. „Diese Nachhaltigkeitsanforderungen sind vertraglich mit unseren Lieferanten vereinbart“, sagt die Unternehmenssprecherin. Bei Verstößen könne in letzter Instanz die Geschäftsbeziehung beendet werden.
Seit Dezember sammelt sich Müll in Osttschechien
In Jiříkov sammeln sich seit Dezember Abfälle von Windkraftanlagen, Flugzeugen und Batterien sowie Kunststoffe, Glasfaser, Gummi oder Metalle. Wegen des Eingreifens der Bürgermeisterin Barbora Šišková wurden Anfang Januar fünf Lastwagen gestoppt. Der geladene Müll war falsch als Kunststoff deklariert und soll von einer Firma aus der Nordoberpfalz stammen. Diese musste den Müll zurücknehmen, die Betriebsstätte des Unternehmens sowie zwei Privaträume wurden durchsucht. Der Verdacht: illegale Verbringung nicht gefährlicher Abfälle in fünf Fällen. Die Ermittlungen dazu und zur Herkunft des restlichen Mülls laufen noch.
Doch Šišková ist sich sicher, dass auch der restliche Müll von der Firma stammt, wie sie der Mediengruppe Bayern erzählte. Bei der Regierung der Oberpfalz ging mittlerweile ein Rückholersuchen des tschechischen Umweltministeriums ein, das aktuell geprüft werde. Die beschuldigte Firma wollte sich zuletzt wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.