Versuchter Totschlag in Regensburg: Kamen Brüder mit Messer und Hammer?

Sie wollten ein langen Streit mit anderen Jungs klären – statt Worten sollen drei junge Iraker im April 2024 in Regensburg aber Waffen haben sprechen lassen. Bislang schweigen sie dazu. Die Prügel für einen Nachbarn räumten zwei von ihnen aber ein.
Mit Messern, Nudelholz, Hammer und Schraubenzieher bewaffnet treffen sich im April zwei Gruppen junger Männer bei einem Jugendzentrum in Regensburg. Statt einer Aussprache gehen sie aufeinander los. Am Ende liegen mehrere von ihnen teils schwer verletzt am Boden. Drei Brüder müssen sich deshalb unter anderem wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Für den Ältesten von ihnen, einen 21-Jährigen, endete der Prozess noch am Freitag.
Liest man, was Ermittler in der Anklage zusammengefasst haben, könnte man meinen, es gehe um eine Auseinandersetzungen verfeindeter Bandenmitglieder auf den Straßen der Bronx. Tatsächlich aber geht es um einen Vorfall vom 14. April im Süd-Osten von Regensburg. Den wohl länger andauernden Streit ausdiskutieren will an jenem Tag scheinbar keiner. Alle sollen bewaffnet gewesen sein.
Die blutige Eskalation der Gewalt mit Stichen und gar Hammerschlägen gegen den Kopf aber soll von den Brüdern ausgegangen sein. Sie kamen mit drei namentlich bekannten und zehn unbekannten Begleitern. Der Kontrahent brachte fünf junge Männer mit – für vier endete der Abend mit Stichverletzungen, gebrochenen Rippen sowie Wunden von den Schlägen.
Jugendkammer bietet Deals für Geständnisse
Vor Gericht schwiegen alle drei Angeklagten am ersten von sieben angesetzten Tagen. Auf eine Anregung der Jugendkammer tauschten sich ihre Anwälte, die Strafverteidiger Stephanie Bauer, Christian Reiser und Helmut Mörtl, mit Staatsanwaltschaft und Gericht hinter verschlossenen Türen aus. Aus diesem Gespräch über die „Gestaltung der Beweisaufnahme“, wie es die Vorsitzende Richterin nannte, wurden eineinhalb Stunden, in denen dann doch die Möglichkeiten einer Verständigung ausgelotet wurden – also einem Deal, bei dem sich das Landgericht auf ein Strafmaß festlegt, wenn die Angeklagten im Gegenzug volle Geständnisse ablegen.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Waffendeals angeklagt: Gericht macht Mann (32) aus Regensburg ein „Angebot“
Dazu kam es aber nur beim Ältesten des Trios – mit einem durchaus guten Ergebnis. Verteidiger Helmut Mörtl räumte in dessen Namen ein, Ende Dezember 2023 mit dem 18-Jährigen einen Nachbarn verprügelt zu haben. Die weiteren Vorwürfe zum Treffen am Jugendzentrum im April wurden dafür eingestellt. Dass er da ein Nudelholz als Tatwaffe eingesetzt haben soll, wäre laut dem Anwalt doch eher fragwürdig. Das Verfahren wurde auf einen Antrag der Staatsanwaltschaft daraufhin eingestellt. Für den 21-Jährigen war der Prozess damit schon am frühen Nachmittag beendet. Zwar mit einem Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung, dafür mit neun Monaten Jugendstrafe auf Bewährung. Zudem muss er 1900 Euro an den Frauennotruf zahlen.
Kommen am 26. Februar weitere Geständnisse?
Für die anderen Brüder geht es am 26. Februar weiter. Dem mutmaßlichen Haupttäter drohen bis zu vier Jahre Gefängnis. Seine Beteiligung an der Prügelei mit dem Nachbarn hatte der 18-Jährige über Anwalt Reiser bereits einräumen lassen. Ob er den „Rabatt“ von einem Jahr, also drei Jahren Maximalstrafe, für ein Geständnis in Anspruch nimmt, blieb an Tag eins noch offen. Auch der dritte im Bunde erbat sich über seine Verteidigerin Stephanie Bauer noch Bedenkzeit aus. Spätestens am zweiten Verhandlungstag Ende Februar wolle man sich dazu dann näher äußern, hieß es.
Sollten alle Zeugen jenes Abends im April 2024 vor Gericht angehört werden müssen, ist mit einem Urteil gegen die Iraker frühestens Ende März zu rechnen.
